Die Trauer und das Unverständnis darüber, was da passiert ist, sind auch Tage danach noch riesig. Vergangenen Montag fand ein Mann bei Waldarbeiten unweit von Frohnstetten, einem Teilort der Gemeinde Stetten am kalten Markt im Landkreis Sigmaringen, ein totes Baby, das dort zurückgelassen worden war. Wenig später folgte die grausige Erkenntnis der Obduktion: Der kleine Junge hatte nach seiner Geburt noch gelebt.

Dabei hatten sich zunächst am Dienstag die traurigen Gerüchte bewahrheitet, dass etwas Schreckliches passiert sein musste. Nachdem Einsatzkräfte der Polizei und Kriminaltechniker in weißen Overalls bei ihrer Arbeit in einem Waldstück an der Landstraße 453 zwischen Kaiseringen und Frohnstetten gesichtet worden waren, hatten sich diese Gerüchte wie ein Lauffeuer in der Region verbreitet.

Wo wurde das Kind zur Welt gebracht?

Am Donnerstag dann teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit, dass das Neugeborene neben einem Waldweg mit einem Handtuch in der Größe von 160 auf 80 Zentimeter und einer Papiertüte abgelegt und dann offensichtlich lebend im Wald zurückgelassen worden war.

Die Polizei erhofft sich Hinweise auf diese rote Plastiktüte.
Die Polizei erhofft sich Hinweise auf diese rote Plastiktüte. | Bild: Polizei
Dieses Tuch wurde ebenfalls in der Nähe des Fundorts sichergestellt.
Ebenfalls an der Fundstelle wurde ein großes Badetuch entdeckt | Bild: Polizei

Ob das Kind dabei in dem Wald bei Frohnstetten oder an einem anderen Ort zur Welt gebracht wurde, ist unbekannt. In den sozialen Netzwerken kochen seither Unverständnis und Wut über diese Tat hoch: "Es gibt mittlerweile überall Babyklappen und so viele kinderlose Familien, die sich ein Baby wünschen und dies nicht auf dem natürlichen Weg bekommen können. Ich bin fassungslos", heißt es da.

Und an anderer Stelle: "Egal welche Probleme man hat, entscheidet man nicht so. Bekomm das Kind und gib es ab. Egal bei wem. Im Notfall leg es vor ein Wohnhaus und klingel. Gib es zur Adoption frei. Aber nicht einfach im Wald ablegen." Oder einfach nur: "So was tut mir in der Seele weh. So unsagbar traurig."

Polizei tappt im Dunkeln

Nachdem erst zu Jahresbeginn eine Frau wegen des Mordes an ihrem Baby im Landkreis Sigmaringen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, nun also erneut ein Fall von Babymord? Markus Sauter vom Polizeipräsidium Konstanz erinnert sich, dass die Kindsmutter im Fall des bei Rulfingen getöteten Säuglings rasch ermittelt werden konnte.

Nach dem Fund des kleinen Jungen bei Frohnstetten tappt die Polizei indessen im Dunkeln. Nach der ersten Berichterstattung über die schreckliche Tat seien bei der Polizei etwa zwölf Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, sagt Sauter und räumt ein: "Es zeichnet sich aber ab, dass da kein vielversprechender Hinweis darunter ist." Allerdings seien auch noch nicht alle Hinweise abgearbeitet worden.

Und der mit dem Fall befasste Hechinger Staatsanwalt Markus Engel informiert, dass nach der Veröffentlichung der Bilder von Tasche und Handtuch am Donnerstag und Freitag weitere Hinweise eingegangen seien. Die Beamten leisteten ihr Möglichstes, um die Hintergründe aufzuklären. Ein Vergleich mit der Tat bei Rulfingen könne, ohne zu wissen, was tatsächlich vorgefallen sei, indes nicht angestellt werden, betont er.

16-köpfige Ermittlungsgruppe geht Hinweisen nach

Laut Sauter arbeitet seit Wochenbeginn eine 16-köpfige Ermittlungsgruppe in der Kreisstadt Sigmaringen, die all diesen Hinweisen nachgeht. "Die Hinweise werden derzeit abgearbeitet", bestätigt auch Engel. Dabei seien die Aufgaben in der Ermittlungsgruppe, ähnlich wie bei einer Sonderkommission klar verteilt, erläutert Sauter: Ein Teil der Beamten gehe hinaus, um beispielsweise Hinweisen auf Personen und Fahrzeugen nachzugehen, andere Beamte befassten sich mit kriminaltechnischen Fragen.

Ein Ansatzpunkt dürfte dabei die Papiertüte sein, die die Beamten am Fundort des toten Babys fanden. Schließlich ist sie mit dem Schriftzug "Conta" bedruckt – der Name eines Textilherstellers aus dem im Nachbarlandkreis gelegenen Albstadt. "Wir wissen natürlich, in welchen Geschäften es diese Tüten gibt", sagt der Erste Polizeihauptkommissar Sauter.

Allerdings sei das nicht der Grund dafür gewesen, weshalb das Foto durch die Polizei veröffentlicht worden ist. "Wir wollen Zeugen, die die Tüte bei einer Frau zuhause gesehen haben könnten." Weitere Details der polizeilichen Arbeit oder zu den Details am Fundort gibt Sauter nicht preis, um die Ermittlungen so nicht zu gefährden. Denn solche Einzelheiten könne nur die Person wissen, die das Baby im Wald zurückließ.

Völlig offen sei zudem die Frage, ob die Person, die das Baby im Wald sterben ließ, tatsächlich aus der Region kommt, ob sie sich auf der Durchreise befand oder ob sie von weiter her kam und sich das Waldstück bei Frohnstetten für ihre Tat aussuchte.