Lehrer in Baden-Württemberg haben empört auf eine Panne beim Gemeinschaftskunde-Abitur und das Verhalten des Kultusministeriums reagiert. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, sagte am Donnerstag, dass das Kultusministerium versuche, die Schuld den eigenen Lehrern zuzuschieben.

Verhalten des Ministeriums sei eine Frechheit

„Bei der GEW melden sich Lehrkräfte, die übereinstimmend berichten: Die Abi-Aufgabe war falsch formuliert.“ Das Verhalten des Ministeriums sei eine Frechheit.

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Die Schüler hatten ab Mittwochnachmittag 24 Stunden Zeit, zu entscheiden ob sie die Prüfung am Freitag erneut schreiben wollen oder nicht - ohne ihre ursprüngliche Note überhaupt zu kennen. Das sei laut einem Ministeriumssprecher nicht anders möglich, weil der Termin seit langem festgelegt ist und die Erstellung neuer Aufgaben zu lange dauern würde. „Die Zeit reicht einfach nicht, um den ganzen Stoff zu wiederholen“, sagte die Schülerin Melanie Alrachid aus Geislingen an der Steige. Sie selbst werde deshalb nicht nachschreiben. Die 17-Jährige hatte bereits am Tag der Prüfung eine Online-Petition gestartet und das Problem beschrieben.

Nach Informationen des Kultusministeriums handele es sich bei der Aufgabe um Pflichtstoff aus dem Bildungsplan, trotzdem hätten viele Lehrer den Begriff nicht behandelt. Im Bildungsplan stehe, dass die Schüler die Struktur der internationalen Staatenwelt mithilfe eines Kategorienmodells beschreiben können müssen. In der Abiturteilaufgabe mussten die Prüflinge die Bedeutung der NATO für die Friedenssicherung anhand eines Kategorienmodells erklären. „Die gestellte Abituraufgabe entspricht somit vollständig den verpflichtenden Vorgaben und Anforderungen des Bildungsplans“, hieß es in einer Mitteilung.

Selbst Wissenschaftler kennen den Begriff nicht

Der Vorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, Ralf Scholl, sagte, dass der Ausdruck von den Fachlehrern seit Jahren kritisiert werde, weil er zu undeutlich sei. Deswegen hätten Lehrer genauere Begriffe verwendet, die Schüler kannten also den Inhalt, nur das Wort Kategorienmodell nicht. „Wenn dieser Fehler an zwei Drittel der Schulen passiert ist, dann ist dies kein Zufall“, sagte Scholl.

Der Begriff Kategorienmodell gehört zum Schwerpunktthema Internationale Beziehungen, einem Teilbereich der Politikwissenschaften. „Es ist kein etablierter Begriff der internationalen Beziehungen“, sagte Diana Panke, Politikwissenschaftlerin an der Universität Freiburg. Zwei Professoren der Universität Tübingen teilten diese Einschätzung. Alle drei Wissenschaftler kannten den Begriff nicht.

Der Bildungsplan stammt aus dem Jahr 2004. Er wird in einem mehrjährigen Prozess erstellt, einbezogen werden unter anderem Wissenschaftler und Lehrkräfte. Die Abituraufgaben stellt eine Kommission für jedes Fach zusammen. Sie besteht aus Lehrern, die bereits langjährig und noch aktiv unterrichten und der Schulaufsicht. (dpa)