Im Prozess um ein getötetes Neugeborenes ist dessen Mutter zu acht Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden. Die Richter am Landgericht Ravensburg sahen es am Mittwoch als erwiesen an, dass die 25 Jahre alte Deutsche ihr Kind vorsätzlich getötet hatte.

Vor rund zwei Jahren steckte sie demnach dem Kind nach einer heimlichen Geburt in der Nähe eines Bauernhofs bei Mengen (Kreis Sigmaringen) Papier in den Mund und ließ es zurück – das Baby erstickte.

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Allerdings bewerteten die Richter die Tat jetzt nicht mehr als Mord, wie eine andere Kammer des Landgerichts in einem aufgehobenen Urteil vom Januar 2018.

Am Mittwoch sprach der Vorsitzende Richter von einer spontanen Tat aus Verzweiflung. Nichts hätte dafür gesprochen, dass die Angeklagte ihr Kind aus reiner Selbstsucht getötet hätte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Mord und Totschlag

Wird ein Angeklagter wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, muss immer ein Mordmerkmal erfüllt sein. Dazu gehören etwa Heimtücke, Habgier oder die Verdeckung einer Straftat. Wer einen Menschen vorsätzlich umbringt, ohne dass vom Gericht solche Mordmerkmale erkannt werden, hat „getötet, ohne Mörder zu sein“.

Für Totschlag können Angeklagte laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe nicht unter fünf und bis zu 15 Jahren bestraft werden. In besonders schweren Fällen ist bei Totschlag auch eine lebenslange Haft möglich.

Mord verjährt in der Bundesrepublik seit 1979 nicht mehr. Damals wurde das Strafgesetzbuch geändert, weil Verbrechen aus der Nazi-Zeit zu verjähren drohten. Nach einer Verurteilung wegen Mordes zu lebenslanger Haft ist frühestens nach 15 Jahren eine Entlassung auf Bewährung möglich.