Fristgerecht hat der Anwalt Catalin Cs. gegen dessen lebenslängliches Urteil Revision eingelegt. Nun kann es Monate dauern, bis der Spruch des Freiburger Schwurgerichts im Endinger Mordfall Carolin G. Rechtskraft erlangt. Bleibt die Revision bestehen, so verzögert sich auch die bereits beantragte Auslieferung des verurteilten rumänischen Fernfahrers Catalin C. nach Österreich, wo ihn ein weiterer Mordprozess erwartet. Der 40-Jährige hat gestanden, im November 2016 in Endingen die 27-jährige Joggerin Carolin G. und im Januar 2014 im österreichischen Kufstein die 20-jährige Studentin Lucille K. erschlagen zu haben. Aber er kann nur dann ausgeliefert werden, wenn das Urteil in Deutschland gegen ihn Rechtskraft erlangt hat. Das ist jetzt nur noch nach der Entscheidung über die Revision der Fall.

Sexuelle Motive hat der Verurteilte in beiden Fällen verneint, gleichwohl ist er im Endinger Fall auch wegen besonders schwerer Vergewaltigung verurteilt worden. Das Gericht befand, Catalin C. habe eine „destruktive Neigung zu solchen Taten“ offenbart. Es erkannte weiterhin eine besondere Schwere der Schuld, weil Catalin C. nach eigenem Bekunden eine „frappierend ähnliche Tat“ bereits in Kufstein verübt hatte. Als Mordmerkmale wurden entweder ein Mord aus Verdeckungsabsicht oder aus Ermöglichungsabsicht angenommen.

Klaus Malek, der Anwalt des Rumänen, bestätigte auf Anfrage des SÜDKURIER, nach seiner Ansicht sei bei der Revision zu prüfen, ob die Annahme besonders schwerer Schuld wegen des noch nicht verurteilten Gewaltverbrechens in Österreich und die Bejahung der Mordmerkmale Verdeckung oder Ermöglichung durch das Gericht haltbar seien. Detailliert erklärt sich Malek nach eigenen Angaben erst in seiner Revisionsbegründung, die er nach Vorliegen des schriftlichen Urteils formulieren wird. Nur das schriftliche Urteil hat Rechtsgültigkeit und nicht der mündliche Vortrag bei der Urteilsverkündung. Legt der Anwalt seine Karten zu früh auf den Tisch, könnte das Gericht in der Formulierung des schriftlichen Urteils noch reagieren. Über die Revision entscheidet der Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Dabei geht es nur um mögliche Rechtsfehler in der Hauptverhandlung; es gibt keine neue Beweiserhebung. Im Grund wird das Urteil gelesen und untersucht, ob Rechtsfehler vorliegen und Verfahrensrügen beziehungsweise Sachrügen begründet sind. Im Beschluss eines Senats des Bundesgerichtshofs über die Revision kann diese verworfen, das Urteil zum Teil aufgehoben oder in Gänze kassiert werden.

Werden Revisionsgründe anerkannt, geht das Verfahren zurück an eine andere Kammer des Landgerichts Freiburg – nicht an die Kammer, die das Urteil gesprochen hat. Würde das Urteil vom BGH als vollständig fehlerhaft beurteilt, müsste der Prozess ganz von vorne beginnen.