Im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen schweren Missbrauch eines Jungen aus Staufen bei Freiburg waren acht Verdächtige in Untersuchungshaft genommen worden – sechs Deutsche, ein Schweizer und ein Spanier. Sieben sind direkt in die mutmaßlich schweren Straftaten gegen den heute Neunjährigen verwickelt. Der achte flog auf, weil Filmaufnahmen vom Missbrauch seiner Tochter bei Ermittlungen der baden-württembergischen Behörden gegen die anderen Verdächtigen auftauchten. Gegen ihn wurde in Kiel verhandelt wegen des Tatorts dieser Filmaufnahmen. Für sechs andere ist die Staatsanwaltschaft Freiburg zuständig, für einen die Staatsanwaltschaft Karlsruhe.

Zwei Männer sind vom Landgericht Freiburg schon verurteilt, der dritte vom Landgericht Kiel. Gegen einen weiteren hat ein Prozess am 6. Juni in Freiburg begonnen. Die beiden Hauptbeschuldigten – die Mutter des Jungen und deren Lebensgefährte, stehen vom 11. Juni an in Freiburg vor Gericht. Am gleichen Tag muss sich ein siebter vor dem Landgericht Karlsruhe verantworten.

Noch nicht terminiert ist der Prozess gegen einen 33 Jahre alten Spanier, der nach Angaben eines Gerichtssprechers voraussichtlich Ende Juli in Freiburg beginnen soll.

Prozesse und Urteile:

12. April: Der erste Prozess in dem Fall beginnt. Vor dem Landgericht Freiburg ist ein 41 Jahre alter Deutscher wegen Vergewaltigung des Kindes angeklagt. Der wegen schweren Kindesmissbrauchs schon vorbestrafte Gelegenheitsarbeiter legt ein umfassendes Geständnis ab und gibt unter anderem zu, sein Opfer zweimal vergewaltigt und dabei auch gefilmt zu haben.

19. April: Es fällt das erste Urteil. Der 41-Jährige wird zu zehn Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Außerdem muss er seinem Opfer 12 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. „Er war der Schlimmste“, hatte der heute neun Jahre alte Junge über ihn gesagt. Die Verteidigung geht in Revision.

27. April: Vor dem Landgericht Kiel beginnt der Prozess gegen einen 32 Jahre alten Mann aus Neumünster. Angeklagt ist er wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner Tochter. Filmaufnahmen davon hatte die Polizei bei den Ermittlungen im Freiburger Raum sichergestellt. Am Missbrauch des Jungen aus Staufen war er nicht beteiligt.

7. Mai: Es beginnt der nächste Prozess, zum zweiten Mal in Freiburg – diesmal gegen einen Bundeswehrsoldaten. Er soll den Jungen aus Staufen zweimal vergewaltigt und die Taten gefilmt haben.

16. Mai: Das Urteil gegen den Soldaten wird gesprochen. Der 50 Jahre alte Stabsfeldwebel wird unter anderem wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und Vergewaltigung zu acht Jahren Haft verurteilt. Auch er muss an das Kind 12 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Sicherungsverwahrung, wie es die Anklage und auch die Vertreterin des Jungen als Nebenkläger gefordert hatte, bekommt er nicht. Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehen in Revision.

5. Juni: Im Kieler Prozess gegen den 32-Jährigen fällt das Urteil. Der Mann muss für sieben Jahre und drei Monate ins Gefängnis wegen Vergewaltigung seiner Tochter.

6. Juni: Der dritte Freiburger Prozess beginnt. Vor Gericht steht ein 37-jähriger Schweizer, angeklagt wegen mehrfacher schwerer Vergewaltigung und schweren Missbrauchs des Jungen. Ein Urteil könnte am 22. Juni fallen.

11. Juni: Zeitgleich sollen an diesem Tag vor dem Landgericht Freiburg und dem Landgericht Karlsruhe zwei weitere Prozesse beginnen:

In Freiburg müssen sich die Hauptangeklagten verantworten: die 48 Jahre Mutter des Opfers und ihr einschlägig vorbestrafter 39-jähriger Lebensgefährte. Ihnen wird unter anderem „besonders schwere Vergewaltigung, schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, besonders schwere Zwangsprostitution und Verbreitung kinderpornographischer Schriften“ vorgeworfen. Ein Urteil könnte demnach frühestens am 16. Juli fallen.

In Karlsruhe steht parallel ein 44-Jähriger aus Schleswig-Holstein vor Gericht, auch er ist einschlägig vorbestraft. Er ist angeklagt wegen „Sichbereiterklärens zum Mord und Sichbereiterklärens zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern“. Er soll angefragt haben, ob er das Kind missbrauchen und dann töten könne. Als er zum Missbrauch nach Karlsruhe reist, wird er dort von Fahndern festgenommen. Ein Urteil wird für den 29. Juni erwartet.