Ravensburg – Urteil im Mordprozess von Hoßkirch: Die 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ravensburg hat einen Mann aus Hoßkirch (Kreis Ravensburg) wegen Mordes an seiner 30-jährigen Ehefrau zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Kammer zeigte sich überzeugt, dass der Mann seine Frau erwürgt und dann einen Unfall vorgetäuscht hatte. Der Vorsitzende Richter Stefan Maier sprach von einer Tat "aus Hass und Selbstsucht". Maier weiter: "Er wollte die Kinder behalten, die neue Geliebte und deshalb die verhasste Ehefrau beseitigen. Er wollte alles." Das Gericht folgte dem Antrag von Staatsanwalt Peter Spieler. Der Stuttgarter Verteidiger Ralf Steiner wiederholte die These vom unbekannten Mister X als Täter und forderte Freispruch.

Angehörige verlassen bei Urteilsverkündung tief erschüttert den Saal

Es war eine verstörende Szene zu Prozessende im Saal 1 des Ravensburger Landgerichts. Während Vater, Mutter und Bruder der ermordeten Mutter von zwei Kindern während der Urteilsbegründung von Emotionen geschüttelt aus dem Saal mußten, ließ sich der Verurteilte später grinsend von Justizbeamten abführen. Dem Indizienprozess war er schweigend und meist emotionslos gefolgt. Begonnen hatte das Verfahren im November 2017. Nach 13 Verhandlungstagen war der Prozess geplatzt, weil die Schöffin wegen Befangenheit abgelehnt wurde, und musste neu aufgerollt werden. An den 23 Verhandlungstagen hatten mehr als 50 Zeugen und ein Dutzend Sachverständige ausgesagt. Richter Maier verteidigte die Ermittlungsarbeit von Polizei und Landeskriminalamt und meinte, wenn man die Akten aufschlage, "watet man knöcheltief in Beweisen". Die Strafverteidiger Ralf Steiner und Theodorus Germalidis hingegen hatten den Vorwurf erhoben, die Polizei hätte sich "viel zu früh" auf ihren Mandanten als Täter festgelegt. Auch sei es nie gelungen, eine "geschlossene Indizienkette" zu knüpfen, wie dies der Bundesgerichtshof verlange. Deshalb wollen sie das Urteil mit der Revision beim BGH in Karlsruhe überprüfen lassen.

Vorsitzender Richter rückt das Schicksal des Opfers in den Blickpunkt

Richter Maier hatte sich für seine Urteilsbegründung fast eine Stunde Zeit genommen. Er erinnerte an das Opfer, "eine Frau und Mutter mitten im Leben", die am Abend des 25. Februar 2017 vom Ehemann bis zum Erstickungstod gewürgt worden sei. Dann habe er die Leiche im Auto abtransportiert und einen Unfall vorgetäuscht, bei dem er selbst schwer verletzt wurde: "Dieser Fall ist aufgeklärt". Dazu zähle auch die Vorgeschichte einer Ehe "unter keinem guten Stern" und der Zwangssituation, in die sich der Mann durch falsche Aussagen gegenüber der neuen Geliebten gebracht habe. Die vom Verteidiger Steiner gestern erneut vorgebrachte These vom unbekannten Dritten als Mörder verwies der Richter ins Reich der Fabeln.

Ein berührendes Plädoyer hielt der Konstanzer Strafverteidiger und Vertreter der Opferfamilie Jens Weimer. Er erinnerte an die bedrückenden Perspektiven der Hinterbliebenen und der zwei kleinen Kinder: "Sie möchten wissen, wie und warum die Frau gestorben ist und die Strafe hierfür". An den Angeklagten gewandt, sagte Weimer: "Eines Tages werden Sie die Kinder mit diesen Fragen konfrontieren." Der Forderung nach anschließender Sicherungsverwahrung folgte das Gericht nicht.