Handtücher, Bademäntel und Geschirr – viele Hotelgäste finden offenbar nichts dabei, Teile des Hotelinventars ungefragt einzustecken. Aber diese Diebstähle können auch für andere Gäste teuer werden. Denn viele Hoteliers sehen sich gezwungen, die Kosten für den Ersatz in die regulären Preise einzurechnen.

Gäste könnten auch in hoteleigenen Shops einkaufen

„Ich gehe davon aus, dass bei der Mehrheit der Hotels ein bis zwei Euro der Übernachtungspauschale allein für den Ausgleich von Diebstählen berechnet wird“, sagt Ferdinand Thoma, Hotelier vom Hotel Auerhahn in Schluchsee (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Dass Gäste stehlen, sei etwas absolut Alltägliches im Hotelgewerbe. „Es trifft einen, wenn man sich besonders viel Mühe gemacht hat“, sagt Thoma. Es nerve ihn, wenn andauernd aufwendige Tischdekorationen verschwinden. Er bietet die Tischdeko auch im hoteleigenen Shop an: „Aber es nützt nichts, die Leute klauen trotzdem.“

Unerfreuliche <br />Überraschung beim Zimmerdurchgang: In Hotels und Pensionen lassen Gäste immer wieder Gegenstände mitgehen. <br /><em>Bild: Stock.Adobe</em>
Überraschung beim Zimmerdurchgang: In Hotels und Pensionen lassen Gäste immer wieder Gegenstände mitgehen. Bild: Stock.Adobe | Bild: ©rh2010 - stock.adobe.com

Daniel Ohl, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Baden-Württemberg (Dehoga), bestätigt: „Es wird geklaut, was nicht niet- und nagelfest ist.“ Doch meist handle es sich um Gegenstände mit geringem Wert: „Wenn die Gäste etwas mitnehmen, bedeutet das auch, dass ihnen das Konzept und das Design des Hotels gefallen haben.“ Diebstahl käme gerade in größeren und daher auch eher unpersönlichen Hotels vor. „Wenn das Bett von der Hotelmutter gemacht wird, die sie mit Namen begrüßt, halten sich die meisten Gäste zurück“, sagt Ohl.

Diese Erfahrungen machen Hoteliers in unserer Region

Freilich unterscheiden sich die Hotels, ihre Einrichtung und ihre Gäste. Es gibt Häuser, in denen nur minimaler Schwund gemeldet wird. Das Hotel Grüner Baum im Donaueschinger Ortsteil Allmendshofen beispielsweise geht das Phänomen entspannt an. Hier und da komme ein Handtuch weg, berichtet die Wirtin Elke Preis. Doch sei es eine Seltenheit. Ihr Rezept lautet einfach so: „Man darf eben keine Wertgegenstände in den Zimmern auslegen.“ Das wirke.

Ähnliche Erfahrungen macht Gabriele Kulcsar vom Ringhotel Goldener Knopf in Bad Säckingen. Immer wieder lassen Gäste neuwertige Handtücher mitgehen, berichtet sie aus ihrer Erfahrung. Peinlich daran: Die Tücher sind von der Wäscherei gemietet und werden von dieser dann in Rechnung gestellt. Da sind dann schnell 20 bis 40 Euro fällig, je nach Größe des Tuches. Wobei die großen Badehandtücher bevorzugt eingepackt werden, weil sie so schön kuschlig sind.

Auch ein Konzertflügel verschwand bereits einmal über Nacht 

Dann gibt es auch Wirte, die noch nie bestohlen wurden. Das „Bürgerbräu“ in Überlingen gehört dazu. „Wir hatten nie ein Problem damit“, berichtet Manfred Metzler, der Seniorchef des Hauses, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Verbandssprecher Ohl kennt viele Geschichten von kuriosen Hoteldiebstählen. Ein Konzertflügel verschwand über Nacht aus einem Hotel. Auch Flachbildfernseher oder teure Kunstgegenstände sind schon gestohlen worden. Teils brauche es für den Raub große handwerkliche Fähigkeiten. „Armaturen von WC-Einrichtungen, wie Wasserhähne, gehören auch zu den häufiger gestohlenen Dingen. Zum Abmontieren braucht man richtiges Werkzeug“, sagt Ohl. Eine Folge der Diebeslust der Gäste sei, dass einige Hotels sich überlegen, ob sie auf aufwendiges Mobiliar verzichten.

Es gibt keine verlässlichen Zahlen, wie häufig Gäste in deutschen Hotels tatsächlich zuschlagen. „Diebstähle durch Gäste werden in der Kriminalstatistik nicht explizit erfasst“, sagt Dietmar Ernst, Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg. Seiner Erfahrung nach zeigen Hoteliers nur selten und ungern ihre eigenen Gäste an.