Konstanz – Der sogenannte Mafia-Prozess, in dem jetzt noch acht Angeklagte, zumeist aus dem Schwarzwald, vor dem Landgericht Konstanz sitzen, wird wohl in die Verlängerung gehen. "Blockieren Sie schon mal die Monate Juli, August, September," warnte Kammervorsitzender Arno Hornstein Verteidigung und Anklage in der ehemaligen Kantine auf dem Siemens-Areal vor. Grund dafür dürfte der teilweise zähe Sitzungsverlauf in diesem an Anträgen reichen Prozess sein. Als die Verhandlung im September vergangenen Jahres begann, wurde noch bis zum 18. Juni 2019 geplant.

Dennoch arbeitet sich das Gericht langsam durch die Antrags- und Beweisflut. Nach der Vernehmung von Kriminalbeamten, die am 21. Juni 2017 morgens um 4 Uhr Wohnungen und Geschäftsräume der Tatverdächtigen durchsuchten, dreht sich diesmal alles um Rauschgifthändler, die sich an der Beschaffung und Verteilung größerer Mengen Marihuana beteiligt haben sollen. Zur Erinnerung: Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem einen schwunghaften Drogenhandel in der Größenordnung von 270 Kilogramm Marihuana, 20 Kilogramm Haschisch und 2,5 Kilogramm Kokain vor.

Die große Frage ist: Wer hat das Rauschgift geliefert?

Einer der mutmaßlichen Verteiler, Gianni C., sitzt derzeit eine Haftstrafe von 5 Jahren und 9 Monaten im Freiburger Gefängnis ab. Bei seinem Auftritt vor Gericht wandert dessen Blick durch die Reihen im Sitzungssaal der umgebauten ehemaligen Kantine. Er wirkt nervös, fasst sich an den Hals und stellt schon mal am Anfang klar, dass er sich an Details des Drogengeschäfts, das im November 2016 über die Bühne ging, kaum noch erinnern könne. Selbst sein eigenes Urteil durch das Landgericht Konstanz will er bislang nicht gelesen haben. Darin ist von bandenmäßigem Drogenhandel die Rede und der Beschaffung von 20 Kilogramm Marihuana. Die Kammer um den Vorsitzenden Arno Hornstein interessiert vor allem: Wer hat die Drogen geliefert, kamen sie aus Italien? Die Ermittlungen weisen "in Richtung" der Angeklagten Placido Anello und Giovambattista S., wie ein Kripobeamter später noch aussagen wird; das gehe unter anderem aus der Auswertung von Whatsapp-Protokollen hervor.

Zeuge mit großen Gedächtnislücken

Doch der Zeuge C. will sich an die Vorgänge vom November 2016 nicht mehr genau erinnern können. Sein Gedächtnis habe damals unter dem eigenen Drogenkonsum gelitten, beteuert er, er bereue seinen Fehler und schaue im Übrigen nach vorn. Schließlich warte seine Familie in der Freiheit auf ihn. Ob er den Angeklagten S. im Sitzungssaal erkenne, will Richter Hornstein von ihm wissen. Es scheint so: C. schaut sich nervös um, sein Blick streift ihn kurz. Dann unterstreicht er, dass er beim besten Willen nicht mehr sagen kann, ob ihm S. 20 Kilo Rauschgift besorgt habe. "Ich müsste Sie jetzt anlügen, aber das will ich nicht", gibt er zu Protokoll und erntet bei Hornstein wenig Verständnis: "Jetzt zu sagen, ich erinnere mich nicht, ist ein bisschen wenig", kommentiert der Vorsitzende.

"Da gibt es keine Angst zu haben"

Im Gedächtnis ist dem Zeugen C. nur geblieben, dass er im November 2016 zur Anbahnung eines Drogengeschäfts nach Frankfurt fuhr. Dass er letztlich "zweigleisig" gefahren sei und neben einer anvisierten 20-Kilo-Lieferung noch eine andere Quelle aufgetan habe, wie das Geschäftspartner übereinstimmend ausgesagt haben, wollte C. weder dementieren noch bestätigen. "Ich müsste lügen", wiederholt er. Gianni C. weiß an diesem Tag eigentlich gar nichts, und so kann er nicht einmal bestätigen, dass er 2016 wegen zwei blauer Augen ins Krankenhaus musste. "Haben Sie eigentlich Angst hier auszusagen?", fragt eine Richterin schließlich den Zeugen. "Angst? Nein. Ich stehe seit 27 Monaten für meine Fehler im Gefängnis gerade. Da gibt es keine Angst zu haben", kommt es, wenn auch wenig überzeugend, zurück.