Konstanz – Im sogenannten Mafia-Prozess vor dem Konstanzer Landgericht ist der Frontverlauf auch im neuen Jahr klar definiert: Einige Verteidiger der verbliebenen acht Angeklagten bliesen gestern zum Angriff auf die Staatsanwaltschaft in Person Joachim Speiermanns. Strafverteidiger Gianpiero Fruci aus Singen forderte in einem ungewöhnlichen Antrag das Gericht auf darauf hinzuwirken, dass Speiermann in diesem Prozess abgelöst und durch einen anderen ersetzt werde.

Er berief sich auf dessen Äußerungen am letzten Verhandlungstag, die er als voreingenommen und ehrverletzend wertete. Speiermann habe Fruci vorgeworfen, er sei „rechtlich gänzlich unbewaffnet“ – ein Ausdruck, dem jener gestern zwar nicht widersprach, allerdings in einen Zusammenhang gestellt sehen wollte.

So hatte Fruci damals unter anderem die Entlassung seines Mandanten, eines der sechs Hauptangeklagten, aus der U-Haft beantragt, wobei jener von einem Zeugen belastet worden war. Die trockene Antwort des Anklägers gestern: „Ich bin gerne befangen, leider nur sehr selten“, ließ sich drei weitere Anwaltskollegen mit Vorwürfen hinter den Antrag Frucis stellen.

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Mit harten Bandagen wird in diesem an Anträgen reichen Prozess vom ersten Tag an gearbeitet. Mitten im Schlachtengetümmel findet sich meist Oberstaatsanwalt Speiermann – für einige im Saal ein rotes Tuch. Mal wird ihm vorgeworfen, er habe einen Gefälligkeits-Gutachter bestellt, mal muss er sich „schlechte Kinderstube“ unterstellen lassen. Um die eigentliche Sache, die Ermittlungen, ging es hingegen am Vormittag beim Auftritt mehrerer Kripo-Beamten, die über die Durchsuchungen und Festnahmen im Juni 2017 sprachen. Die Angeklagten schwiegen indessen weiter. In seinem Schlusswort mahnte Kammervorsitzender Arno Hornstein dann zur Zurückhaltung: „Jetzt haben wir Zeit uns zu beruhigen.“ Der Prozess wird heute um 9 Uhr in der alten Kantine auf dem Siemens-Areal fortgesetzt.