Seit Monaten rollt im deutschen Grenzgebiet eine Welle der Kritik an Plänen der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft. Die SRG hat angekündigt, aus Spargründen Anfang Juni ihr digitales Antennenfernsehen (DVB-T) abzuschalten.

Das würde nur gut ein Prozent der Schweizer TV-Haushalte treffen, die ihr Programm noch über Antenne empfangen. Auf deutscher Seite sind aber auch zahlreiche Kabelkunden betroffen, weil hier verschiedene Kommunikationsanbieter das Antennensignal nutzen, um die Schweizer Programme SRF 1, SRF 2 und SRF Info in ihr Kabelprogramm einspeisen. Und damit wäre dann eben auch Schluss.

Leidtragende des Sparbeschlusses auf deutscher Seite stellen seither die Frage, wie es um die von Politikern viel beschworene Gemeinsamkeit im internationalen Bodenseeraum bestellt ist, wenn die Schweizer Fernsehprogramme von deutschen Nachbarn nicht mehr anzuschauen sind. Wenn auf diese Weise ein Stück weit des Informations- und Kulturaustauschs blockiert wird.

Letzte Hoffnung IBK

Wohlgemerkt: ARD und ZDF sind in der Schweiz frei empfangbar. Konrad Frommer, früher Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz und heute Ruheständler, kämpft seit Bekanntwerden der SRG-Sparpläne unermüdlich dafür, dass im deutschen Grenzgebiet die SRF-Programme frei empfangbar bleiben. In dieser Angelegenheit hat der 71-Jährige zuletzt auch die Internationale Bodensee-Konferenz (IBK) eingeschaltet und um Unterstützung gebeten. Die IBK ist die Vertretung der Länder und Kantone am Bodensee. Hier tauschen sich Regierungsvertreter über wichtige Dinge aus.

Der ehemalige Stadtwerke-Chef Konrad Frommer.
Der ehemalige Stadtwerke-Chef Konrad Frommer. | Bild: Domgörgen

Frommers Vorstoß bei der IBK hat allerdings nur zu einem ernüchternden Resultat geführt. Die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag, die derzeit den IBK-Vorsitz führt, macht keine Hoffnung auf den Erhalt des TV-Angebots. „Aus staatspolitischen Überlegungen“ heraus habe sie Verständnis für sein Anliegen, so teilte sie Frommer mit. Denn die Medien leisteten einen wesentlichen Beitrag zum grenzüberschreitenden Austausch und zur Pflege der nachbarlichen Beziehungen. Deshalb sei es für sie wichtig gewesen, die Situation um den künftigen Empfang von SRF1 und SRF 2 im grenznahen Raum seriös abzuklären.

Carmen Haag, derzeit Vorsitzende der IBK.
Carmen Haag, derzeit Vorsitzende der IBK.

„Kein Spielraum“

Diese Abklärungen lassen für die IBK-Vorsitzende Haag allerdings nur den Schluss zu, dass die Abschaltung des Antennensignals mit den beschriebenen Folgen „unumstößlich“ sei. Keinerlei Hoffnung also für deutsche Fans der Schweizer Fernsehens. Haag: „Es sind rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen, die meines Erachtens keinen Spielraum – auch auf politischer Ebene – offenlassen.“

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Der frühere Konstanzer Stadtwerkechef ist möglicherweise enttäuscht, aber keinesfalls entmutigt. Er glaubt, dass noch eine Lösung auf dem Verhandlungswege erreichbar ist und verweist auch auf Unterstützungssignale von Politikern. In seiner Antwort an die IBK-Vorsitzende stellt Frommer fest: „Dass ausgerechnet die Fernsehkultur im Jahr 2019 neue Grenzen schafft, kann doch nicht war sein.“