Sie legen den Verkehr in Innenstädten oder auf der Autobahn lahm – und sorgen mit Schreckschusswaffen oder Pyrotechnik für Unsicherheit: Nachdem es am vergangenen Wochenende in Ludwigsburg nach einer türkischen Hochzeit durch einen Autokorso massive Probleme in der dortigen Innenstadt gab, schlägt nun Innenminister Thomas Strobl (CDU) Alarm.

„Hochzeiten dürfen, ja sollen ausgelassen und fröhlich gefeiert werden. Aber ich sage klar und deutlich: Bei Ordnungswidrigkeiten und Straftaten hört der Spaß auf“, erklärt Strobl auf Anfrage.

„Straßenblockaden oder sogar Schüsse gehen bei einer Hochzeitsfeier definitiv überhaupt nicht“, sagt Innenminister Thomas Strobl.
„Straßenblockaden oder sogar Schüsse gehen bei einer Hochzeitsfeier definitiv überhaupt nicht“, sagt Innenminister Thomas Strobl. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa

In Ludwigsburg hat die Hochzeitsgesellschaft am Samstag massive Verkehrsbehinderungen ausgelöst. Es wurde riskant überholt, Personen saßen auf den Autodächern. Dazu wurde aus mehreren Autos mit Schreckschusswaffen geschossen.

Sieben Streifenwagen waren wegen des Konvois im Einsatz. Die Beamten ermitteln nun wegen Verkehrsverstößen und Verstößen gegen das Waffengesetz. „Straßenblockaden oder sogar Schüsse gehen bei einer Hochzeitsfeier definitiv überhaupt nicht. Die Polizei in Ludwigsburg hat gezeigt: Wir dulden ein solches Verhalten nicht“, sagt der CDU-Politiker weiter.

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In Baden-Württemberg gab es laut Innenministerium in den vergangenen Jahren nicht nur bei Hochzeiten, sondern auch bei Fußball-Länderspielen Probleme mit Autokorsos, die die öffentliche Sicherheit gefährdeten. Zwischen den Jahresanfängen von 2015 bis 2019 meldet die Behörde vier Autobahnblockaden sowie 86 Vorfälle auf sonstigen Straßen. In 80 der 90 Fälle ist die Polizei eingeschritten, es kam zu einem Verkehrsunfall und es wurden 31 Straftaten festgestellt.

Meistens handelte es sich um Verstöße gegen das Waffengesetz, also den Besitz von Schreckschusswaffen, sowie um Beleidigungen. Die Autokorsos der vergangenen Tage in Ludwigsburg oder nach einer türkischen Hochzeit in Weinsberg bei Heilbronn am vergangenen Samstag tauchen in der Statistik noch nicht auf. Bei Hochzeiten handelt es sich meist um türkische oder arabische Feiern, so das Innenministerium.

Gökay Sofuoglu, Bundesvorsitzender der türkischen Gemeinde in Deutschland, kritisiert die Vorfälle: „Blockierung der Straßen durch Hochzeitskorsos ist eine verkehrswidrige Haltung und hat mit Feiern nichts zu tun. Leider können manche es nicht unterscheiden und provozieren nicht nur die Polizei.“

Sofuoglu will auch nicht gelten lassen, dass es in der Art der Hochzeiten kulturelle Unterschiede gebe: „Auch kulturell ist es nicht zu erklären, denn nirgends in der Türkei wird dies ansatzweise praktiziert. Diese Störfaktoren sind juristisch zu verfolgen und entsprechend zu bestrafen.“

Bei Autokorsos kommt es laut Innenministerium zu einer Reihe von Gesetzesverstößen. In Fällen, wenn die Straßen nicht für die normale Fortbewegung genutzt werden, können Bußgelder von bis zu 250 Euro verhängt werden. Schon bei Nötigungen kann das Strafmaß in drastischen Fällen eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren betragen oder der Führerschein entzogen werden.

Die Gewerkschaft der Polizei ist entsetzt über Vorfälle wie in Ludwigsburg. „Solche Autokorsos sind überhaupt nicht tolerierbar. Hier muss man durchgreifen und auch mal Autos beschlagnahmen“, fordert der Landesvorsitzende Hans-Jürgen Kirstein. Auch der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, fordert ein „konsequentes Vorgehen“.