Sinkende Pegel, trockene Felder, wucherndes Seegras am Bodensee und eine deutlich erhöhte Waldbrandgefahr: Die anhaltende Hitze hinterlässt auch in der Region zwischen Schwarzwald, Alb und Bodensee sichtbare Spuren. Der Rheinfelder Wetterexperte Helmut Kohler sieht mit Sorge auf die Entwicklung der Temperaturen, die seit April nach oben gehen und an den heißen Sommer des Jahres 2003 erinnert. Auch damals blockierte ein Hoch die Tiefausläufer aus dem Norden. Die Folge war eine anhaltende Hitzeperiode. Die Region hat diesmal schon seit dem 17. Juli das Soll von 51,2 Tagen erreicht, in denen die Temperaturen 25 Grad überschritten haben.

Badespaß auf der 64-Meter-Rutsche im Freibad Lauchringen bei Waldshut.
Badespaß auf der 64-Meter-Rutsche im Freibad Lauchringen bei Waldshut. | Bild: Peter Rosa
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Hitze bedroht die Ernte

Für die Landwirtschaft waren schon die vergangenen Monate ein Problem. Der Landesbauernverband rechnet mit 20 Prozent Ertragseinbußen beim Weizen und bei der Sommergerste infolge der anhaltenden Trockenheit, mancherorts könnten es auch bis zu 40 Prozent sein. "Richtig weiß man es erst, wenn alles im Silo ist", erklärte deren Sprecherin Ariane Amstutz. Allerdings sei es kein Vergleich mit dem Norden und Osten Deutschlands. Dort kommt es wegen der Trockenheit zu Flächenbränden und Ernteausfällen.

Zu trocken: Winterweizenfeld mitten im Hegau vor der Kulisse des Mägdebergs.
Zu trocken: Winterweizenfeld mitten im Hegau vor der Kulisse des Mägdebergs. | Bild: Domgörgen, Franz

Pegelstände sinken

Bei den Flüssen und Seen ist die Lage durch sinkende Pegel gekennzeichnet. Es ist einfach zu trocken: Diese Tatsache unterstreicht ein Blick auf die Breg, den längsten und wasserreichsten Quellfluss der Donau. Lediglich 24 Zentimeter (Stand: 21. Juli) meldet die automatische Ansage beim Bregpegel gegenüber dem Krumpenhof bei Vöhrenbach-Hammereisenbach im Schwarzwald-Baar-Kreis. Noch tiefer sank die Breg zuletzt am 15. Oktober 2016, als nur 20 Zentimeter gemessen wurden. Um einiges höher lag der Pegel dagegen beim Hochwasser am 5. Januar: 207 Zentimeter lautete damals der Wasserstand.

Auch der Rhein hat seinen Wasserstand deutlich gesenkt, was sich auch auf die Fließgeschwindigkeit auswirkt. Mit 640 Kubikmetern pro Sekunde ist es nur die Hälfte der normalen Menge. Damit ist auch die Produktion des Wasserkraftwerks Rheinfelden mager, wie Kraftwerks-Pressesprecher Alexander Lennemann sagt.

Die Dreisam bei Freiburg führt nur wenig Wasser. Im Flussbett waten Störche.
Die Dreisam bei Freiburg führt nur wenig Wasser. Im Flussbett waten Störche. | Bild: Patrick Seeger

Seegras wächst wie wild

Am Bodensee lässt die anhaltende Hitze das Seegras kräftig wachsen. In den Flachwasserzonen, darunter auch in Häfen wie Friedrichshafen sorgen die Unterwasserpflanzen bei Badegästen für Unmut. Das mulmige Gefühl, von einer vermeintlichen Schlingpflanze in die Tiefe gezogen zu werden, ist dabei eher ein psychisches Problem. Erheblich betroffen von der florierenden Pflanzenwelt, die auch eine Futtergrundlage für Fische bildet, sind dagegen Wassersportler, deren Bootsschrauben sich bei allzu niedrigem Pegel in dem Seegras verfangen. Einer, der hier an vorderster Front steht, ist Dieter Härle, Hafenmeister des Yachtclub Langenargen. Er fischt mit der Mistgabel Tag für Tag das Gras aus dem Wasser. Das Ergebnis betrachtet er eher zurückhaltend: "Das ist wie bei einem Eisberg – das meiste ist unter der Wasseroberfläche, deshalb haben einige Motorbootfahrer, die keinen klappbaren Außenborder haben, auch schon Schäden an den Motoren aufzuweisen."

Die Wiese im Wasser: Das Seegras breitet sich derzeit im Bodensee aufgrund der Hitze stark aus und dringt an die Oberfläche, wie hier im Konstanzer Trichter.
Die Wiese im Wasser: Das Seegras breitet sich derzeit im Bodensee aufgrund der Hitze stark aus und dringt an die Oberfläche, wie hier im Konstanzer Trichter. | Bild: Scherrer, Aurelia

Verantwortlich für ihr Hafengewässer sind nach Auskunft des Landratsamts Konstanz die jeweiligen Gemeinden, die nur in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde mögliche Mähaktionen durchführen lassen können. Ein erster Verlierer der Hundstage steht indes schon fest: Das Konstanzer Seenachtfest, das am 11. August wieder Zehntausende anlocken wird, muss in diesem Jahr auf seine beliebte Wasserski-Show verzichten, weil der Pegel zu niedrig und das Seegras zu hoch ist.

In einigen Sportboothäfen am Bodensee lassen viel Bootsbesitzer ihre Schiffe an den Liegplätzen, da das Seegras das An- und Ablegen stark behindert.
In einigen Sportboothäfen am Bodensee lassen viel Bootsbesitzer ihre Schiffe an den Liegplätzen, da das Seegras das An- und Ablegen stark behindert.