Als die 13-jährige Schülerin Maria H. im Mai 2013 zusammen mit dem fast 40 Jahre älteren Bernhard H. aus Freiburg verschwindet, beherrscht der Fall noch monatelang zahlreiche Medien. Doch die Hintergründe des Falls werden für die Öffentlichkeit weitgehend im Dunkeln bleiben.

Öffentlichkeit wird ausgesperrt

Denn wesentliche Teile des Prozesses, der dem heute 58-jährigen Bernhard H. derzeit wegen Kindesentführung und schwerem sexuellen Missbrauch vor dem Freiburger Landgericht gemacht wird, finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Widerspruch der Staatsanwältin erfolglos

So auch der für den Montag angesetzte Bericht des psychiatrischen Gutachters. Auf Antrag der Verteidigung schließt das Gericht am Vormittag die Öffentlichkeit erneut aus – es bewertet die schutzwürdigen Interessen des Angeklagten und auch die von Maria H. als Nebenklägerin höher als das öffentliche Interesse an dem Fall. „Es kommen intime Details über die sexuelle Ausrichtung des Angeklagten und der Geschädigten zur Sprache“, begründet Richter Arne Wiemann. Der Widerspruch der Staatsanwaltschaft mit Verweis auf das erheblich öffentliche Interesse bleibt erfolglos.

Auch Plädoyers werden nicht-öffentlich sein

Schon an früheren Prozesstagen sagten Maria H. und der Angeklagte sowie weitere Zeugen hinter verschlossenen Türen aus. Das Gesetz will, dass dann auch die für diesen Freitag angesetzten Plädoyers nicht-öffentlich sind.

Viele Fragen, kaum Antworten

So bleibt auf der Zielgeraden des Prozesses viel Spekulation. Genährt auch dadurch, dass sich Maria H. und ihre Mutter gegenüber einzelnen Medien durchaus öffentlich äußern; die Interview-Videos stehen im Netz, in dem es zudem von Äußerungen von Beteiligten und Unbeteiligten nur so wimmelt. Über die Familie wird Schmutz ergossen, Maria nicht als Opfer von Bernhard H., sondern als Opfer schwieriger Familienverhältnisse dargestellt.

Ist Bernhard H. ein Pädophiler?

Aber wer ist der Täter, wer ist Bernhard H. wirklich? Ein Pädophiler, was er bestreitet? Ob es in seiner Biografie auch andere Vorfälle gibt und welcher Art, ist nicht öffentlich. Er war im Besitz von Kinderpornographie, dazu soll am kommenden Freitag erneut ein Kriminalbeamter aussagen. Für die Urteilsfindung dürfte das eine wichtige Rolle spielen. Die ebenfalls für Montag angesetzte Videoaussage von Bernhard H‘s. Stieftochter zu einem früheren Übergriff durch den Angeklagen wird wegen Panikattacken der Zeugin abgesagt, schon ein Termin zuvor war deshalb geplatzt. Fraglich, ob es noch zur Aussage kommt.

So bleiben Fragen über Fragen.

Wie gelang es dem damals noch mit Frau und Familie im nordrhein-westfälischen Blomberg lebenden, fast 40 Jahre älteren Bernhard H., das Vertrauen der damals erst elfjährigen Maria H. zu erschleichen, ohne dass jemand einschritt? Wie konnte er den Kontakt trotz zwischenzeitlicher polizeilicher Intervention bis zu Treffen in Freiburger Hotelzimmern und der anschließenden gemeinsamen Flucht ausbauen? Wie manipulierte Bernhard H., ein untersetzter Mann mit Stirnglatze, die Schülerin so, dass sie freiwillig mit ihm untertauchte und fünf Jahre lang bei ihm blieb?

Realitätsverlust beim Angeklagten

Als Maria im August vergangenen Jahres, nachdem es jahrelang keine Spur der beiden gab, flieht und überraschend wieder bei ihrer Mutter in Freiburg auftaucht, wird Bernhard H. wenig später in Italien festgenommen. Dem Kriminalbeamten, der ihn abholt, schwärmt er von der Liebe zu Maria vor, dass er später mit ihr leben will. Noch in der Haft gibt er seinem Anwalt Briefe an Maria, sagt zu Prozessbeginn im Gericht, dass seine Arme immer offen seien für die heute 19-Jährige.

Maria gab sich selbst die Schuld

Die Realität – dass er als Täter vor Gericht sitzt und des Kindesmissbrauchs angeklagt ist, schien auch am Montag noch nicht zu ihm vorgedrungen zu sein. Maria H. selbst – das ist zumindest im Internet von ihr zu hören – ringt noch immer darum, sich nicht die Schuld dafür zu geben, dass Bernhard H. vor Gericht sitzt.