Der Zürcher Flughafen hat hochfliegende Pläne. Während derzeit der sogenannte Circle, das neue Geschäfts-, Wohn- und Dienstleistungszentrum am Airport, in die Höhe wächst, ist bereits der nächste Schritt zum Ausbau des Drehkreuzes am Start: Bis 2030 will der Flughafen baulich zulegen, sodass am Boden 50 Millionen Passagiere (heute: 29 Millionen) im Jahr abgefertigt werden. Zunächst unterrichtete das Management seine Mitarbeiter in der hauseigenen Personalzeitung von dem Millionen-Projekt und sorgte damit in der Schweiz für großes Staunen – und viel Beifall.

Vor allem in Deutschland werden die Ankündigungen aber mit erheblicher Skepsis angenommen. Südbaden treibt die Sorge um, die Lasten könnten sich damit deutlich erhöhen. So ist zwar in dem Artikel der Personalzeitung keine Rede von der Höhe der durch den Ausbau zu erwartenden Flugbewegungen rund um den Airport; rein rechnerisch aber können die Zukunftspläne nur aufgehen, wenn auch die Zahl der An- und Abflüge entsprechend gesteigert werden würde. Bei der Bürgerinitiative (BI) gegen Flugverkehrsbelastung am Hochrhein ist gar die Rede von einer Steigerung der Anflüge von gegenwärtig 100.000 auf dann 150.000 jährlich – nicht einmal eingerechnet ist dabei die Kapazitätserhöhung um 30.000 durch den Flugplatz Dübendorf.

Entsprechend fällt auch die Kritik auf deutscher Seite aus. Berlins geschäftsführende Umwelt-Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) zeigte sich über die neuen „Mega-Pläne des Flughafens Zürich“ empört und erklärte: „Eine Kapazitätsausweitung ist mit uns nicht zu machen.“ Sie verwies auf das zur Zeit verwaiste Bundesverkehrsministerium, das klären müsse, ob über diese Kapazitätsausweitung auch schon bei dem Antrag für ein Ostanflug-Konzept, dessen Genehmigung zur Zeit noch anhängig ist, informiert wurde.

Der Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner (CDU) geht noch einen Schritt weiter. Er forderte den künftigen Bundesverkehrsminister auf, „keine Genehmigung für das Betriebsreglement 2014 zu erteilen“. Ansonsten wäre eine weitaus stärkere Belastung der Hochrhein-Region wahrscheinlich.

Während sich warnende und mahnende Worte diesseits des Rheins abwechseln, arbeitet die Bürgerinitiative gegen Flugverkehrsbelastung weiter an ihrer Forderung nach der Durchsetzung einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung (gUVP) entsprechend der Espoo-Konvention, die die Schweiz unterschrieben hat. Dabei geht es um den Ausbau sogenannter Schnell-Abrollwege in Verbindung mit dem Betriebsreglement 2014 und den Pisten-Ausbau, die beide mehr Kapazitäten und damit auch mehr Belastung für Südbaden bedeuten. „Eine gUVP hat den Charme, dass alle Daten und Fakten auf den Tisch kommen,“ erklärt BI-Mitglied Wolfgang Schu.

Er und seine Mitstreiter wollen das Bundesumweltministerium als ihrer Meinung nach verantwortliche deutsche Behörde juristisch zwingen, in dieser Frage vorzugehen, nachdem sie diesen Schritt bislang verweigerte. Dazu hat die BI nach eigenen Angaben bereits Spenden gesammelt. Um die 12.000 Euro aufzubringen, wurde auch ein Antrag für einen Zuschuss beim Landratsamt gestellt. Doch der wurde abgewiesen, wie aus dem neuen Bürgerbrief der BI hervorgeht – mit dem Hinweis, der Kreis wolle es sich nicht mit dem Bundesumweltministerium verscherzen. Das könnte „unsere Zusammenarbeit mit den Bundesministerien in diesem und weiteren Dossiers“ mit Bezug zur Schweiz beeinträchtigen. Hier wittern Schu und seine Gefolgsleute einen Kuhhandel, in den neben dem Flugverkehr auch der Ausbau der Hochrhein-Strecke und das leidige Thema eines Atom-Endlagers eingebunden wären.

Trotz der Ablehnung zeigt man sich unbeirrt. Für ihren Kampf gegen die Zunahme der Flugverkehrsbelastung hat die BI den früheren Bundesverwaltungsrichter Martin Pagenkopf verpflichtet. „Wir sondieren gerade weitere Schritte“, sagt Schu weiter.