Die im vergangenem Jahr eingerichtete Cyberwehr hat ihre Einsatzzeiten bereits etwas ausbauen können. Seit diesem Monat ist die Anlaufstelle laut Innenministerium für kleine und mittelgroße Unternehmen rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche zu erreichen. Insgesamt 11 000 Unternehmen im Raum Karlsruhe können sich bislang an die als Pilotprojekt gestartete Anlaufstelle wenden - das Angebot soll im Laufe des Jahres sukzessive im Land ausgeweitet werden. Innenminister Thomas Strobl (CDU) will heute auf dem Cybersicherheitsforum über die Arbeit im Kampf gegen Hackerangriffe auf Firmen berichten.

Die Cyberwehr ist als Hilfsangebot nach Hackerangriffen für kleine und mittelgroße Firmen gedacht, die keine eigenen IT-Spezialisten haben. Bislang arbeiten dort laut Innenministerium sieben feste Mitarbeiter, 50 Experten von IT-Firmen können je nach Bedarf hinzugeholt werden. Eine Strafverfolgung ist dabei nicht zwingend vorgesehen. Nach wie vor sei die Angst vor Öffentlichkeit und einem damit verbundenen Imageverlust nach Hackerangriffen groß, heißt es im Innenministerium, weshalb sich viele nicht an die Behörden wenden.

Wenn beispielsweise Kundendaten im Spiel sind, haben die Firmen aber keine andere Wahl. Bei der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) des Landesamts für Verfassungsschutz hatten sich nach aktuellen Daten des Innenministeriums, die der dpa vorliegen, 2018 rund 800 Firmen gemeldet. 2014 lag die Zahl noch im mittleren zweistelligen Bereich. Im aktuellen Doppelhaushalt hat die Landesregierung etwas mehr als zehn Millionen Euro für das Thema Cybersicherheit eingeplant.

Der IT-Verband Bitkom schätzte den Schaden durch Attacken auf die deutsche Industrie für die Jahre 2017 und 2018 auf 43,4 Milliarden Euro pro Jahr. Sieben von zehn Unternehmen wurden demnach in dem Zeitraum Opfer von Sabotage, Datendiebstahl oder Spionage über das Netz. Mittelständler seien besonders häufig angegriffen worden.

Sebastian Schreiber, Geschäftsführer der Tübinger IT-Sicherheitsfirma Syss sieht Firmen im Südwesten besonders bedroht. «Hier gibt es viele Marktführer, die viel Geld in die Vorausentwicklung stecken und sehr viele Patente haben», sagt er. «Die Unternehmen stehen unter Beschuss.»

Wie nahe Hacker auch so genannten kritischen Infrastrukturen wie Stromnetzen schon gekommen sind, zeigt das Beispiel EnBW. Im vergangenen Jahr musste der Energiekonzern einräumen, dass die Tochterfirma NetCOM 2017 angegriffen worden war. Auch wenn es in dem Fall um eine Internetfirma ging, nahm man die Attacke bei den Behörden ernst. Der Generalbundesanwalt ermittelte.