Die einen klagen, die anderen jubeln darüber. Die Rede ist vom Denkmalschutz, der nur in wenigen Ländern der Welt so paragrafenfreudig betrieben wird wie in Deutschland. Viele Bauherren stöhnen, wenn sie ihr altes Haus oder auch nur einen Stall mit alten Bodenplatten endlich auf Vordermann bringen wollen – weil sie zufällig eine Immobilie geerbt haben, die unter Denkmalschutz steht.

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Sanierungen unter dem Vorzeichen und mit den Vorgaben des Denkmalamtes sind mühsam und teuer, weil der Bauherr vieles nicht darf, was er eigentlich tun will. Zum Beispiel ein Fenster vergrößern, eine Tür herausreißen, eine Wand neu anstreichen. Bequemlichkeit und praktisches Leben werden dem Historischen untergeordnet – koste es, was es wolle.

<strong>Praktisch: </strong>Der Baumstamm muss genau fixiert werden, bevor die historische Gattersäge bei der Gaugelmühle (bei Engen) ihre Arbeit aufnehmen kann. Die Mühle ist ein Juwel – sonst geschlossen. <em>Bild: J. Waschkowitz</em>
Praktisch: Der Baumstamm muss genau fixiert werden, bevor die historische Gattersäge bei der Gaugelmühle (bei Engen) ihre Arbeit aufnehmen kann. Die Mühle ist ein Juwel – sonst geschlossen. Bild: J. Waschkowitz

Das kann bisweilen kuriose Blüten treiben. So darf die Stockhöhe eines geschützten Raumes nicht verändert werden, weil der Denkmalschutz wie eine Käseglocke über das Haus gestülpt wird. In Konstanz beispielsweise steht die Geschwister-Scholl-Schule unter behördlichem Schutz. Wer vor der Schule steht oder sie betritt, wird diesen Status nicht verstehen. Was man sieht, ist lediglich ein funktionales Gebäude, das in die Jahre gekommen ist.

Nicht schön, aber immerhin Denkmal: Die Geschwister-Scholl-Schule in Konstanz. <em>Bild: Oliver Hanser</em>
Nicht schön, aber immerhin Denkmal: Die Geschwister-Scholl-Schule in Konstanz. | Bild: Hanser, Oliver

Am kommenden Sonntag wird die fortwährende Sorgfalt einmal belohnt. Der Tag des offenen Denkmals würdigt die ungezählten alten Mühlen, Backhäuser, Kapellen, Ratsstuben, Parks und vieles mehr. Baden-Württemberg ist ein starker Standort für derlei altes Gehäuse. 900 von ihnen sind am Sonntag geöffnet und können begangen werden. Sie werden von Fachleuten erst einmal geöffnet, denn manches Gemäuer ist sonst verschlossen oder privat genutzt. Einen Teil der Denkmäler kann man also nur am Sonntag besichtigen.

Bürgerlich: </span>Die Villa Clara wurde in der Gründerzeit auf der Mettnau bei Radolfzell errichtet. Kürzlich wurde sie renoviert. Der Sonntag gewährt Einblicke in die Restaurierungs- und Baugeschichte der Villa. Bild: Archiv
Bürgerlich: Die Villa Clara wurde in der Gründerzeit auf der Mettnau bei Radolfzell errichtet. Kürzlich wurde sie renoviert. Der Sonntag gewährt Einblicke in die Restaurierungs- und Baugeschichte der Villa. Bild: Archiv | Bild: privat

In Baden-Württemberg werden Schutz und Pflege der historischen Liegenschaften großgeschrieben. Oft sind es die unscheinbaren Objekte, die verzücken. Neben den großen Brocken wie Burgen oder Kirchen, die ohnehin im Reiseführer verzeichnet sind, kann es ein dezentes Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert oder ein Backhäusle im Schwarzwald sein, die den Lauf der Jahrhunderte unbeschadet überstehen. Von dieser Sorte wird am Wochenende einiges zu sehen sein.

<strong>Böhmisch:</strong> Die Stadtkirche St. Johann zählt zu den größten Kirchen in Baden. Es wurde in der Regie der Fürsten von Früstenberg gebaut im Stil des böhmischen Barock – eine Rarität. <em>Bild: Stadt DS </em>
Böhmisch: Die Stadtkirche St. Johann in Donaueschingen zählt zu den größten Kirchen in Baden. Es wurde in der Regie der Fürsten von Früstenberg gebaut im Stil des böhmischen Barock – eine Rarität. | Bild: Simon, Guy

Deren private Besitzer nutzen den nahenden „Feiertag“, um auf ihre Alltagssorgen aufmerksam zu machen. Sie fordern mehr staatliche Investitionen in das bauliche Kulturerbe. Stolz und große Lobreden alleine genügten nicht, sagen die Eigentümer. Zwischen der offiziellen Wertschätzung denkmalgeschützter Häuser und deren Förderung klaffe „eine unschöne Lücke“, heißt es in einer Mitteilung der Aktionsgemeinschaft privates Denkmaleigentum. Der Großteil geschützter Gebäude werde von privater Hand bewahrt und gepflegt, erklärt die Gemeinschaft. Je nach Bundesland seien es zwischen 65 bis 80 Prozent aller Baudenkmale.

<strong>Christlich:</strong> Auch Schloss und Kloster Salem öffnen am Denkmalstag ihre Türen – dieses Mal kostenlos. Zwischen Kreuzgang, Torkel und Schloss gibt es viel Verborgenes zu entdecken. <em>Bild: Archiv </em>
Christlich: Auch Schloss und Kloster Salem öffnen am Denkmalstag ihre Türen – dieses Mal kostenlos. Zwischen Kreuzgang, Torkel und Schloss gibt es viel Verborgenes zu entdecken. Bild: Archiv | Bild: FEZE

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