Das Seenachtfest in Konstanz: Das Seenachtfest mit bis zu 50.000 Besuchern gehört zur Marke der Stadt Konstanz, die Feuerwerk-Show ist weit über die Region hinaus bekannt. Die Stadt will dem Fest in der jetzigen Form einen Riegel vorschieben, nennt als Grund den Klimaschutz. In der Kritik stehen der übermäßige Verkehr an dem Fest-Wochenende sowie der Feinstaub durch Raketen-Explosionen. Zumindest das letzte Argument wackelt. Ute Dauert vom Umweltbundesamt wertet für den SÜDKURIER die Konstanzer Schadstoff-Messstation für das letzjährige Fest-Wochenende aus.

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Es zeigt sich: Die Feinstaubbelastung war zwischen 19 und 20 Uhr mit 17 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) leicht erhöht – das Feuerwerk startete erst später. Der Feinstaub könne sich aber durch Wind und Regen schnell verflüchtigen, ein einzelnes lokales Feuerwerk sei ohnehin nicht mit der Silvester-Knallerei zu vergleichen. Insgesamt ist der Tagesmittelwert im normalen Bereich, wie Dauert sagt. Die Station im Wohngebiet Paradies misst ebenfalls die Stickoxide, die durch Abgase entstehen. Hier lag der höchste Wert am Sonntag, 12. August 2018, bei 30 µg/m³.

Dauert meint: „Insgesamt ist das Wochenende nicht auffällig.“ Sie weist darauf hin, dass der Wert vom Standort der Station abhänge. „Es ist daher schwierig, etwas über den Verkehr der Stadt abzuleiten. An der nächsten Straßenecke kann der Wert deutlich höher sein.“ Wie die gesamte Klima-Bilanz des Seenachtfests aussieht, ist schwer auszurechnen. Weder die Stadt Konstanz noch die Veranstalter-Agentur kann darüber valide Aussagen treffen.

Bild: Britta und Ralph Hoppe

Ein Spieltag in der Fußball-Bundesliga: Fußball ist Volkssport der Nation, da reicht der Blick auf die Zuschauer-Statistik der vergangenen Saison. An einem Spieltag fieberten durchschnittlich 400.000 Menschen live in der Arena eines Erstligisten mit. Sie alle sind auf irgendeine Weise zum Spielort gereist.

Sie alle konsumieren im Stadion, jeder hinterlässt Müll – das verursacht an einem Spieltag hochgerechnet 7753 Tonnen CO2. Dafür müssten fast 60.000 Bäume gepflanzt werden, um den CO2-Fußabdruck der Stadionbesucher pro Spieltag auszugleichen, wie eine Kurzstudie des Deutschlandfunks zusammen mit der Klimaschutzberatung CO2OL ergeben hat. Der Verzehr eines Fans fällt dabei nur gering ins Gewicht. „Wie bei jeder Großveranstaltung ist die Mobilität der größte Posten“, bestätigt Julian Ekelhof von CO2OL. Rund 70 Prozent der Fans würden mit dem Auto anreisen.

Bild: Britta und Ralph Hoppe

Das Oktoberfest in München: Das Oktoberfest in München schickt sich an, das größte Volksfest der Welt zu sein. Das Festgelände, die Theresienwiese, ist knapp 59 Fußballfelder groß. Im Jahr 2018 sollen 6,3 Millionen Gäste auf der Wiesn gefeiert haben. Die Massen bedingen einen immensen Verbrauch. Zwar ist der gesamte CO2-Ausstoß bisher nicht erfasst worden, wie die zuständige Pressereferentin Gabriele Papke erklärt. Doch dafür kann sie einen Einblick in die letztjährigen Verbrauch von Strom, Gas und Wasser geben.

So wurde auf den Wiesn 2018 rund 2,9 Millionen Kilowattstunden Strom genutzt, dazu kommt ein Erdgasverbrauch von rund 201.000 Kubikmetern – das ist in etwa der Jahresverbrauch einer Kleinstadt mit rund 22 000 Einwohnern. Durch die Verwendung von Ökostrom seien bisher 1000 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart worden, so Papke. Um den Wasserverbrauch einzudämmen, gibt es ein Recycling-Projekt. In sieben Festhallen wird das Spülwasser nicht in den Abwasserkanal geleitet, sondern für die Zelttoiletten verwendet. Dennoch ist der Verbrauch enorm: 2018 lag der Wasserverbrauch über die 16 Festtage bei 107 Millionen Litern.

Bild: Felix Kästle

Southside Festival: Einmal im Jahr wird Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen zum Mekka für Festivalfans. Das Southside kann bis zu 65 000 Feierwütige auf den ländlich gelegenen Veranstaltungsort lassen. Die jährlich vollgeparkten Wiesen lassen es schon erahnen – die meisten Besucher kommen mit dem Auto.

Laut Veranstalter FKP Scorpio reisten 2018 von den 60 000 Festivalgängern 13,6 Prozent, damit 8160 Besucher, mit der Bahn an oder ab – dabei berechtigt das Ticket zur Fahrt mit allen Nahverkehrszügen innerhalb Baden-Württembergs. Laut Berechnungen soll ein Festivaler pro Tag einen CO2-Ausstoß von 40 Kilo haben und dazu 15 Kilogramm Müll verursachen. Das Southside steuert dagegen. Für umweltbewusste Festivalbesucher gibt es einen „Green Camping“ Bereich, der 2018 von 11.082 Besuchern genutzt wurde. Über die gesamte C02-Bilanz des Festivals konnte FKP Scorpio keine Angaben machen.