Christiane Steiert, die Anwältin des mutmaßlichen Opfers, Franziska W., tobt. Die junge Frau soll Mitte Oktober im Gebüsch neben der Disco Hans-Bunte-Areal im Freiburger Industriegebiet zum Opfer jener elf Männer geworden sein, die nun auf der Anklagebank im Landgericht sitzen.

Opferanwältin: „Falsche und unwahre Behauptungen“

Die Vertreterin der Nebenklägerin in dem Mammutprozess holt aus gegen die Verteidiger – allen voran Kerstin Oetjen, die Alaa A. vertritt. Sie war von „Der Sonntag“ mit derben Worten zitiert worden. Worte, die die Kronzeugin in diesem Prozess diskreditieren und durchblicken ließen, die junge Frau habe das alles gewollt und gar provoziert. Die Kratzspuren, die sie laut Staatsanwaltschaft im Versuch der Selbstverteidigung an einigen der Angeklagten hinterlassen haben soll, interpretierte die Anwältin der Zeitung zufolge ganz anders.

Mehrere Journalisten standen in der Nähe, als sie die Aussprache machte. Oetjen revidierte sie dennoch, fühlte sich falsch zitiert. Die Opferanwältin sieht das ganz anders. Oetjen habe Behauptungen über das Verhalten der Geschädigten gemacht, „die falsch und unwahr sind und die Nebenklägerin in massivster Weise in ihrer Persönlichkeit verletzt“.

„Geschädigte verunglimpft“

Die abgedruckten Äußerungen seien sehr konkret und völlig fehl am Platz gewesen, unabhängig davon, ob die Verteidigerin nun Aussagen ihres Mandanten zitiert habe oder nicht: „Wenn Angeklagte sich über ihren Verteidiger in der Presse äußern, in der Verhandlung aber keine Äußerungen machen, kann das nur zum Ziel haben, die Geschädigte zu verunglimpfen und sie in ihrer Ehre zu verletzen“, betont Steiert.

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Dass die Taten von der Geschädigten gewollt gewesen seien, „wird widerlegt werden“, stellt Steiert klar. Sie fürchtet um ihre Mandantin. Es sei nicht auszuschließen, dass Franziska W. über Dritte Kenntnis von den angeblichen Äußerungen der Anwältin erlange „und dadurch abermals zum Opfer wird – stigmatisiert und in ihrer Persönlichkeit verletzt“.

Verteidigerin hält dagegen

Der Prozess, setzt die Opferanwältin nach, „fand bislang in den Medien statt, nicht in der Hauptverhandlung“. „Es hat lange vorher schon eine Medienschlacht stattgefunden, dann muss es der Verteidigung auch erlaubt sein, dass es auch andere Anklänge gibt aus den Akten“, hält Verteidigerin Oetjen dagegen. Sie befindet, damit eine Art „Waffengleichheit“ herzustellen.

Ursprünglich habe Steiert den Ausschluss der Öffentlichkeit nicht nur für die Aussagen ihrer Mandantin beantragen wollen, sondern auch für die Aussagen der Angeklagten zu den Tatvorwürfen. „Das werde ich nun aber nicht tun“, so Steiert: Sie wolle den Behauptungen „die Grundlage entziehen“. Timo P. sollte an diesem Tag als Einziger eine Aussage machen, doch nachgeschobene Ermittlungsakten torpedieren den Zeitplan des Prozesses.

Elf Aktenordner Unterlagen wurden nachgereicht

Es geht um elf Aktenordner nachgereichter Unterlagen: Untersuchungsberichte, Vernehmungen, polizeiliche Hauptakten, Spurenakten. Verteidigerin Oetjen beantragt die Unterbrechung des Prozesses, bis sie sich durch die Akten geblättert hat. Richter Stefan Bürgelin will den ohnehin engen Zeitplan retten, der auch am dritten Tag wieder durch die verspätete Ankunft einer der Angeklagten verzögert wird. Doch auch Hanna Palm, P.‚s Verteidigerin, will ihren Mandanten erst aussagen lassen, wenn sie die neuen Unterlagen studiert hat. Die übrigen Anwälte schließen sich an, Richter Bürgelin sind die Hände gebunden.

Am Donnerstag soll die 18-Jährige aussagen

Am Mittwoch soll Timo P. nun seine Aussage machen. Voraussichtlich am Donnerstag folgt dann die 18-Jährige als Belastungszeugin. Steiert will die erneute direkte Konfrontation mit ihren mutmaßlichen Peinigern allerdings unter allen Umständen verhindern und beantragt deshalb eine Befragung per Videoübertragung. Tatsächlich müsste das Opfer andernfalls mit dem Rücken zu einigen der Angeklagten sitzen, da der Tisch für die Zeugenbefragung mittig im Kreis der elf Männer und ihrer Verteidiger steht.

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Die Anwältin beruft sich auf ein Gutachten über die junge Frau, das festhält, die 18-Jährige vermeide größere Gruppen von Menschen und äußere Umstände, die sie nicht vorhersehen könne. Bei einer Befragung im Gerichtssaal bestünde „die Gefahr einer Traumatisierung“ ihrer Mandantin. Womöglich ist es dafür schon zu spät.