Für Dieter Bös ist das Sorgentelefon derzeit ein wichtiges Instrument. "Eben beantworte ich die Anfrage einer Kundin, die das Open Air in Meersburg besuchen will, aber verängstigt ist," sagt der Geschäftsführer von Koko-Entertainment – einem der großen Konzertveranstalter im Land. Bös hat die Musikfreundin beruhigt. Er hat dem Open-Air-Fan versichert, dass sehr viel getan wird, um Gewalt während einer Veranstaltung zu verhindern.

Sommer ist Festival-Zeit. Für Koko-Entertainment stehen drei große Termine an. Das Meersburg Open Air (2. bis 4. August), dann das Summernights Festival in Sigmaringen (5. August) mit den Sportfreunden Stiller sowie Rock am See (Konstanz, 20. August).

Das Sicherheitskonzept werde er nicht ändern, sagt Dieter Bös. Vielmehr sei es so, dass man über Jahre daran gearbeitet und gefeilt habe. "Wir wollen rangehen, bevor etwas passiert", sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Kein Rucksackverbot

Die Eingangskontrolle ist bei Koko scharf. Alle Besucher werden schon seit Jahren einer Leibesvisitation unterzogen. Der Körper wird wie an der Sicherheitsschleuse eines Flughafens abgetastet, falls einer eine Waffe am Körper trägt. Da werde schon einmal das eine oder andere Messer gefunden, berichtet Bös. Seit 15 Jahren werde das so praktiziert. Einbehalten werden auch Glasflaschen.

Eine andere Sache sind Rucksäcke oder große Taschen. In München wird bereits das Oktoberfest geplant, das Ende September beginnt. Der Oberbürgermeister denkt laut über ein Verbot von Rucksäcken nach für die Besucher des Volksfests.

Die Täter in München wie auch in Ansbach trugen Rucksäcke und transportierten damit alles, was sie für ihre blutigen Taten benötigten. Im Fall München fanden sich noch hunderte Schuss an Munition. Ein Rucksackverbot, wie es nun der Münchner OB Dieter Reiter ins Spiel bringt, kommt für Dieter Bös nicht in Frage. Kontrolle der Behältnisse ja, aber konfiszieren lasse er sie nicht.

Taschenkontrollen möglich

Einen anderen Blick hat die Polizei auf die vergangenen Tage und mögliche Konsequenzen. In Konstanz überprüft die Polizei alle Großveranstaltungen. Pressesprecher Peter Hauke sagte dazu, in diese Überlegungen fließe auch der Hergang der Taten in München oder Ansbach ein. Das Szenario Einzeltäter wird stärker gewichtet als zuvor.

Dabei stimme sich das Polizeipräsidium eng mit der Stadt Konstanz ab, die laut ihrem Bürgeramts-Chef zum Beispiel Taschenkontrollen auch kurzfristig zur Auflage für eine Fest-Genehmigung machen.

Bisher gibt es diese Überprüfung bei einigen, aber nicht allen Großveranstaltungen. In den nächsten Wochen stehen in der Stadt mit Weinfest und Seenachtfest Veranstaltungen mit viel Publikum an, bevor ab 24. November der Weihnachtsmarkt bis zu 400.000 Besucher in die Stadt lockt.