Gegen sie ist kein Kraut gewachsen: Die hochallergene Pflanze Beifuß-Ambrosie verbreitet sich im Südwesten immer großflächiger und nimmt dabei laut Umweltexperten zunehmend auch Ackerflächen in Beschlag. Auch an Straßenrändern sei die Vermehrung deutlich vorangeschritten, sagte Constanze Buhk von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Zum internationalen Ambrosiatag am 22. Juni rief die Landesbehörde am Mittwoch dazu auf, Bestände der Pflanze zu melden und noch vor Beginn der Blüte zu bekämpfen.

Immer mehr Großvorkommen

Buhks Worten zufolge hat vor allem die Zahl der entlang des Rheingrabens, im Kraichgau und Richtung Stuttgart wuchernden Pflanzen zugenommen: Die gemeldeten Großvorkommen – also Gebiete mit mindestens hundert, nicht selten weit über tausend und in drei Fällen auch mehr als 100 000 Pflanzen – seien von 222 im Jahr 2017 auf 243 im vergangenen Jahr angewachsen. Auch die Zahl der bekannten Kleinvorkommen sowie die der aus privaten Gärten gemeldeten Bestände erhöhte sich demnach in diesem Zeitraum auf 501 (2017: 420) beziehungsweise 620 (2017: 613).

Wer auch im Herbst auf die Ambrosiapflanze allergisch reagiert, muss sich fast das ganze Jahr mit Heuschnupfen herumschlagen.
Die Pollen der Ambrosia-Pflanze, aber auch der Hautkontakt mit dem Blütenstand, können beim Menschen heftige Allergien auslösen. | Bild: Patrick Pleul (dpa)

Bedenklich sei, dass die Ambrosia inzwischen intensiv in die Äcker vordringe. Seit zwei Jahren würden dort erstmals auch Großbestände der Pflanze entdeckt, sagte Buhk. Wenn die Nutzpflanzen auf dem Acker noch klein seien und die Ambrosiasamen gleichzeitig zu keimen beginnen, „dann kann das die Feldfrucht intensiv schädigen“, sagte Buhk. Das zeigten Erfahrungen aus Brandenburg. „Viele Bauern kennen Ambrosia noch nicht als Problemunkraut.“

Laut Umwelt- und Landwirtschaftsministerium spielt Ambrosia auf Ackerflächen hingegen noch keine Rolle. Zumindest die Etablierung der Pflanze werde dort bisher verhindert, so die Ministerien. Über eine Meldepflicht von Ambrosia-Vorkommen werde nicht nachgedacht, auch nicht seitens des Sozialministeriums, wie die zuständigen Sprecher sagten. Beim Landesbauernverband in Baden-Württemberg sowie dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband waren ebenfalls noch keine Probleme bekannt.

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Das schnell wachsende Unkraut profitiert vom Klimawandel

Der LUBW zufolge hat sich seit dem Jahr 2006, dem ersten Jahr intensiver Erhebungen dazu, insgesamt die Zahl der gemeldeten Großvorkommen sowie die der Kleinvorkommen in etwa verzehnfacht. Große Flächen nimmt das Unkraut demzufolge vor allem im Landkreis Karlsruhe (64 bekannte Großvorkommen) sowie im Rhein-Neckar-Kreis (45) ein; gefolgt von den Städten Karlsruhe (22) und Mannheim (18) sowie den Landkreisen Ortenaukreis (14) und Ravensburg (11).

Eine Ambrosia-Pflanze kurz vor Blühbeginn, aufgenommen in der Schweiz. Heuschnupfengeplagte fürchten vor allem die späte Blütezeit des Unkrauts im August und September, die zu einer Verlängerung der Pollensaison führt.
Eine Ambrosia-Pflanze kurz vor Blühbeginn, aufgenommen in der Schweiz. Heuschnupfengeplagte fürchten vor allem die späte Blütezeit des Unkrauts im August und September, die zu einer Verlängerung der Pollensaison führt. | Bild: dpa

Oftmals hingen die Samen der Ambrosia nach dem Mähen in den Rädern der Traktoren oder in Mähgeräten. „Die schnelle Verbreitung der Pflanze kann man sich dann leicht ausmalen“, sagte Buhk. Das schnell wachsende Unkraut profitiere zudem vom Klimawandel und den langen Sommern. „Je länger der Sommer dauert, desto bessere Chancen hat die Ambrosia, viele, viele Samen zu bilden.“ Aber auch in höheren Lagen komme sie inzwischen vor.

Problematisch ist die aus Nordamerika eingeschleppte Beifuß-Ambrosie auch für Allergiker: Sobald sie blüht, lösen ihre Pollen und ihr Saft Heuschnupfen oder auch Asthma aus.

„Die Bekämpfung der Ambrosia steht und fällt mit den Kommunen und wie sie das anpacken“, sagte Buhk. In Karlsruhe etwa seien gute Erfolge erzielt worden, die Pflanze im Stadtgebiet in Schach zu halten oder etablierte Bestände sogar zu verdrängen. (dpa/lsw)