Er sitzt bei Maischberger, spricht im ARD-Morgenmagazin, lässt sich von Zeitschriften interviewen: Remzi Aru ist zu einer Art öffentlichen Verteidiger der Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgestiegen.

Der 49-jährige deutsch-türkische IT-Unternehmer lebt in Berlin, seine Wurzeln liegen in Ankara – doch aufgewachsen ist er auf der Insel Reichenau. Im Jahr 1972 kam er als Kind auf die Reichenau, ging hier zur Grundschule, besuchte später ein Gymnasium in Konstanz, ehe er Betriebswirtschaft studierte. Abgerissen ist der Kontakt zur Reichenau nicht: Bekannte erzählen, dass Remzi Aru immer wieder zu Besuch kommt. Man kennt ihn hier, war gemeinsam im Sportverein.

Die Kunst der Kampagnenführung

Arus Einfluss innerhalb der deutsch-türkischen Gemeinschaft ist groß. Und er soll sogar noch wachsen: Remzi Aru hat vor wenigen Wochen eine Partei für Deutsch-Türken gegründet. Bei der Bundestagswahl 2017 will er mit seiner „Allianz Deutscher Demokraten“ (ADD) antreten. Getrieben wird er vom Ärger über die deutsche Politik und die deutschen Medien. Die würden die Türkei und deren politische Führung bewusst in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Die Armenien-Resolution des Bundestages habe ihn und seine Mitstreiter „regelrecht gezwungen, eine eigene Partei zu gründen“. Für Menschen mit türkischen Wurzeln sei keine deutsche Partei mehr wählbar.

Remzi Aru beherrscht die Kunst der Kampagnenführung. Im Internet äußert er sich immer wieder zu aktuellen politschen Ereignissen in Deutschland und der Türkei. Der Ton: meist rau. Ali Ertan Toprak, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschlands, sagt über ihn: „Eine Ikone dieser nationalistisch-islamistischen Online-Szene ist der Unternehmer Remzi Aru. Er fungiert immer stärker als eine Art digitaler Chef-Polemiker.“

Früher war Remzi Aru Strippenzieher bei der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). Laut Medienberichten gehörte er gar zu dem Gründungsmitgliedern. Die 2004 gegründete UETD hat zahlreiche Niederlassungen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern. Die Deutschland- und Europa-Zentrale des Verbandes sitzt in Köln.

Auftritte Erdogans in Köln

Die UETD gilt als verlängerter Arm der AKP in Deutschland und wurde zu deren Unterstützung aufgebaut. Sie ist gut organisiert und soll – auch dank des AKP-Rückhalts – sehr finanzkräftig sein. Der Verband tritt nach eigenen Angaben für die Belange der in Deutschland und in den Nachbarländern lebenden Türken ein und will zu deren Partizipation auf allen gesellschaftlichen Ebenen beitragen. Zugleich geht es dem Verein um die Wahrung der kulturellen Werte und die „Förderung der Muttersprache“ Türkisch.

Die UETD war es auch, die die Groß-Demonstration vor Kurzem in Köln auf die Beine stellte. Nicht das erste Großereignis: 2008 und 2014 fanden in Köln die von der UETD organisierten, berüchtigten Auftritte Erdogans vor Tausenden Türken statt. 2008 rief er in der Köln-Arena der jubelnden Menge zu, „niemand kann von Ihnen erwarten, dass Sie sich einer Assimilation unterwerfen. Denn Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Sie sollten sich dessen bewusst sein“.

Remzi Aru 2014 zu Gast in der Talkshowsendung "phoenix Runde" über das System Erdogan: