Abfällige Äußerungen des Bürgermeisters von Burladingen (Zollernalbkreis) über den Gemeinderat und die Asylpolitik sorgen zunehmend für Ärger. Aus Protest gegen Rathauschef Harry Ebert (parteilos) legten die beiden Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats, Dörte Conradi (CDU) und Alexander Schülzle (Freie Wähler), sowie zwei Stellvertreter Eberts ihre Posten nieder. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet. Ebert, der seit 1999 im Amt ist, sagte auf Anfrage: „Ich sehe mich als AfD-nah.“ So bezeichnete er die Gemeinderäte bei Facebook als „Landeier“ und warf ihnen „Kadavergehorsam“ vor.

Das Landratsamt leitete am Freitag ein Disziplinarverfahren gegen Ebert ein. Grund sei ein Facebook-Eintrag, der jeglichen Respekt und Achtung vor dem Ehrenamt missen lasse. „Dieser Vorgang rechtfertigt den Verdacht eines Dienstvergehens insbesondere im Hinblick auf die Verpflichtung eines Beamten zu achtungs- und vertrauenswürdigem Verhalten.“ Ebert wollte sich auf Anfrage zu dem Disziplinarverfahren nicht äußern.

Dem 24 Sitze umfassenden Gemeinderat sind seine Äußerungen über die Flüchtlingspolitik negativ aufgestoßen. So bezeichnete er ein Wohnheim für unbegleitete Flüchtlinge eigenen Angaben zufolge als „Armleuchterprojekt“. Es seien zu viele Menschen unkontrolliert nach Deutschland gekommen. Den Besuch des Gemeinderats bei der Unterkunft nannte Ebert auf Facebook „Asylantenschau“. Auf seiner Facebook-Seite zeigte der 56-Jährige deutliche Sympathie für die AfD. Eberts Äußerungen auf Facebook in den vergangenen Wochen gingen zu weit, sagte Schülzle.

Conradi erklärte, für die Äußerungen des Bürgermeisters, inhaltlicher Art wie auch auf den Gemeinderat bezogen, habe sie kein Verständnis. Für sie seien sie völlig indiskutabel. Mit diesen Äußerungen schade Ebert dem Ansehen wie auch gegebenenfalls den zukünftigen Entwicklungen der Stadt Burladingen. Sowohl die CDU-Politikerin als auch Schülzle warfen Ebert vor, dass er keine Wertschätzung gegenüber dem Gemeinderat habe. „So etwas muss ich mir nicht bieten lassen“, sagte der zurückgetretene Fraktionschef der Freien Wähler.