Gertrud Neff ist genervt: Die Mannheimer Marktfrau kann nicht verstehen, warum „so ein Theater“ wegen der Diesel-Abgase gemacht werde, aber sich niemand um den Qualm kümmere, dem sie zeitweise an ihrem Gemüsestand ausgeliefert ist. „Wir werden hier geräuchert“, klagt Neff und zeigt auf die Schlote mehrerer Grillrestaurants, die den Marktplatz säumen. Vor allem im Sommer zögen Schwaden herüber. In der warmen Jahreszeit setzt der Qualm auch den Gästen der türkischen und arabischen Restaurants in deren Außenbereichen zu. Das Dauerärgernis ist mittlerweile zum Politikum geworden.

Unterstützung von der Politik

Ein Initiativkreis „Grillrauch“ aus Betroffenen und Besorgten hat den Petitionsausschuss des Landtags angerufen, um den Stunk zu beenden. Nun kommen die Ausschuss-chefin
Beate Böhlen (Grüne) und der Mannheimer Landtagsabgeordnete Boris Weirauch (SPD) als Berichterstatter für das Gremium in die Stadt. Alle Seiten sollen gehört werden.

Fritz Lipphardt wohnt nahe des Marktplatzes und kann im Sommer seine Fenster nicht öffnen und seinen Balkon nicht nutzen. Seine private Feinstaubmessanlage habe erhöhte Werte bei bestimmten Wetterlagen gezeigt, erzählt der Hochschullehrer. „Das kann ja nicht gesund sein.“ Offizielle Messungen zeigten allerdings keine Überschreitungen der gesetzlichen Emissionswerte. Als einer der Beschwerdeführer erwartet der Familienvater vom Landtag gesetzliche Schritte.

Auch Shisha-Bars brauchen Abluftanlagen

So könne über eine Bundesratsinitiative die Ausnahmeregelung für solche Grillanlagen im Bundesimmissionsschutzgesetz gekippt werden. Eigene Verantwortung trage das Land beim Gaststättenrecht. Die meisten der 22 Restaurants am Mannheimer Marktplatz und den angrenzenden vier bis fünf Häuserblocks fallen nicht darunter, weil sie keinen Alkoholausschank haben. Lipphardt erinnert daran, dass das Wirtschaftsministerium die Shisha-Bars kürzlich zum Einbau von Abluftanlagen verdonnert habe. So etwas müsse doch auch für Gaststätten möglich sein. Auf die Stadt mag er nicht hoffen. Die habe bisher nichts getan. Auch der Kontakt zu den Gastronomen sei schwierig.

Den Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hat Lipphardt allerdings auf seiner Seite. Der kann den tieferen Sinn einer Unterscheidung zwischen Gaststätten ohne und mit Alkoholausschank nicht erkennen. Für alle müssten die gleiche Konditionen gelten. Eine Rückkehr zum strengen Konzessionsverfahren für alle Betriebe wäre im Sinne des Verbandes.