Eine frisch geteerte Straße, gesäumt von jungen Bäumen, führt einen kleinen Hang hinauf. Dort oben, umgeben von Wald, entsteht derzeit der neue Center Parcs Park Allgäu in Leutkirch – das größte Tourismusprojekt in der Geschichte des Allgäus. Von Weitem blitzen vereinzelt Kräne durch die hohen Wipfel, viel mehr ist von der Riesenbaustelle nicht zu erkennen. An einer Zufahrtsschranke ist dann Schluss. Der Pförtner lässt nur Baufahrzeuge und Berechtigte durch.

Knapp sieben Kilometer weiter sitzt Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle in seinem Rathaus. Er hat das Feriendorf ins Allgäu geholt. Die Idee kam ihm, als er 2008 einen Zeitungsartikel über ein umstrittenes Center-Parcs-Feriendorf in Ansbach las, das später nie realisiert wurde.

95,1 Prozent für das Projekt

Als Ersatzgrundstück brachte Henle das 184 Hektar große ehemalige Bundeswehr-Munitionsdepot in Leutkirch ins Gespräch. Eigentlich war auf dem Gelände ein Sägewerk geplant. „Das war zwar so entschieden, ließ sich aber nicht umsetzen“, blickt Henle zurück. Ein Ferienpark sei also „die Lösung“ gewesen. Nach einigen E-Mails und Anrufen kam es im März 2009 zu konkreten Gesprächen mit Center Parcs. „Sie hatten damals Angebote aus halb Süddeutschland“, sagt Henle.

Bei einem ersten Ortstermin im April mit Gerard Brémond, Chef der Unternehmensgruppe Pierre & Vacance, zu der Center Parcs gehört, präsentierte sich das Allgäu von seiner besten Seite: „Die Nagelfluhkette war zu sehen, der Himmel war blau und der Löwenzahn auf den Wiesen gelb“, erinnert sich Henle. Das gefiel den Konzernvertretern, und die Planungen wurden konkreter. Um sich auch die Zustimmung der Leutkircher zu sichern, gab es im September 2009 einen Bürgerentscheid. Dabei sprachen sich 95,1 Prozent der Stimmberechtigten für das Projekt aus.

Das bestätigen die Leutkircher auch heute noch: „Wir freuen uns auf die Eröffnung“, sagt eine Frau, die seit zehn Jahren in der Stadt wohnt. Zum einen sei es toll, ein solches Erlebnisbad in unmittelbarer Nähe zu haben, und zum anderen böten sich für Verwandte oder andere Besucher neue Übernachtungsmöglichkeiten.

Achtjährige Vorbereitungszeit

Denn bevor auf dem ehemaligen Munitionsdepot überhaupt gebaut werden konnte, mussten für mehrere Millionen Euro Altlasten der Militärzeit beseitigt werden. Das Munitionsdepot wurde 1939 zwischen Leutkirch und Frauenzell angelegt und bis in die 1990er-Jahre genutzt. Auf Kosten von Center Parcs befreite eine Spezialfirma das Gelände zum Beispiel von Patronenhülsen und Granaten. 200 Bunker wurden rückgebaut. Nur das 20 Kilometer lange Straßennetz blieb großteils erhalten und wurde verlängert.

Im Sommer 2016 fiel der Startschuss für den Bau des Allgäuer Parks. Vorausgegangen war eine achtjährige Vorbereitungszeit – allein der Bauantrag für den Ferienpark füllte 150 Aktenordner. Kompliziert war vieles deshalb, weil der Ferienpark nicht nur auf Leutkircher, sondern zu 15 Prozent auch auf Altusrieder Flur entstand, erzählt Leutkirchs Oberbürgermeister Henle: „Zwei Landkreise, zwei Gemeinden, zwei Bundesländer und zwei Regierungsbezirke. Man musste alles doppelt machen.“

Seither sind 1000 Ferienhäuser sowie das zentrale Gebäude der Anlage, der Market Dome, errichtet worden.

Eines der größten Bauprojekte in der Region

Der Center Parcs Park Allgäu ist mit einer Investitionssumme von 350 Millionen Euro aber nicht nur eines der größten Bauprojekte in der Region, sondern auch der größte Arbeitgeber im touristischen Bereich. 1000 Stellen sind im neuen Ferienpark insgesamt zu besetzen. Die meisten, etwa 350, werden im Bereich Reinigung angeboten.

Dazu kommen noch 100 Arbeitsplätze in der Küche, 150 im Service und 50 im Badeparadies. Etwa 250 Mitarbeiter werden direkt bei Center Parcs angestellt, die restlichen arbeiten für die sieben Partnerunternehmen, die unter anderem in den Fachbereichen Reinigung, Gastronomie und Spa & Wellness Spezialisten sind, teilt das Unternehmen mit.

Besetzt seien 35 Prozent der Stellen, in manchen Bereichen schon zu 90 Prozent, sagt Sprecherin Sabine Huber.

Was tun mit altem Militärgelände?

Die Bundeswehr zieht eines Tages ab – und was dann? Die betroffenen Gemeinden gehen mit der Umwidmung von militärischem Gelände ganz verschieden um.

  • Immendingen: Die Gemeinde im oberen Donautal hat den Joker gezogen. Nach dem Umzug der Panzergrenadiere nach Stetten a. k. M. (2015) lotste Immendingen Daimler Benz an die Donau. Das Unternehmen baut dort ein Prüfzentrum inklusive Teststrecke. Die Nähe zur Autobahn 81 erwies sich als Vorteil.
  • Meßstetten diente bis vor wenigen Jahren als Radar- und Horchposten der Luftwaffe. 2015 wurden in der leer stehenden Zollernalb-Kaserne Flüchtlinge untergebracht. Zeitweise mehr als 1500 Menschen wohnten in den Baracken. Seit Herbst 2017 steht die Kaserne leer. Im Gespräch ist die Ansiedlung einer Polizeischule.
  • Sigmaringen: Die Kreisstadt tut sich schwer seit dem Abschied der Bundeswehr (2015), die in der ehemaligen Graf-Stauffenberg-Kaserne in Spitzenzeiten bis zu 1500 Soldaten und Zivilisten beschäftigte und damit auch großer Arbeitgeber war. Zurzeit ist die Kaserne mit Flüchtlingen belegt. Außerdem versucht die Stadt, Firmen anzusiedeln. In der Bürgerschaft flammt immer wieder Unmut auf, da die Anzahl der Flüchtlinge als zu groß empfunden wird.
  • Neuhausen ob Eck: Vor mehr als 20 Jahren zogen die Heeresflieger und ihre Hubschrauber ab. Die Gemeinde im Kreis Tuttlingen reagierte schnell und baute auf dem ehemaligen Fluggelände einen Gewerbepark auf. Berühmt wurde Neuhausen durch das Southside Festival dort, zu dem bis zu 60 000 Besucher anreisen.
Uli Fricker