Alle deutschen Auto-Hersteller haben ein Museum, in dem sie ihr Erbe präsentieren: Daimler-Benz, BMW, Audi oder VW. Die einstige Premium-Adresse Maybach ist unbehaust. Nicht nur die wenigen Veteranen der Marke sind über Privatsammlungen verstreut, sondern auch das unternehmenshistorische Archivgut und eine Vielzahl von Relikten, die an die Konstrukteure Wilhelm und Karl Maybach erinnern. Das soll sich ändern. In Friedrichshafen soll Maybach-Geschichte nicht nur lebendig, sondern auch für die Öffentlichkeit zugänglich werden.

Ein Museum ist im Gespräch, das sich den beiden Vätern der einstigen Nobel-Autos widmen möchte. Die Nachfahren von Wilhelm und Karl Maybach wollen eine Sammlung aufbauen, die das Leben und Wirken der berühmten Ingenieure in den Fokus rückt: „Den Evolutionsprozess in der damaligen technischen Entwicklung wollen wir erklärbar machen und den Menschen nahebringen“, sagt Wolfgang Ungerer, Repräsentant der Familie Schmidt-Maybach. Über konkrete Museumspläne redet er hingegen nicht so gern. „Für Zeitleisten ist es definitiv noch zu früh“, sagt Ungerer, der im Auftrag für die in San Francisco ansässige Familie der Nachfahren und für die Wilhelm und Karl Maybach Stiftung das Projekt steuert.

Allerdings kursieren auch deutlich konkretere Pläne als sie Ungerer andeutet. „Das Museum wird kommen“, äußert sich Sigfrid Rehm, zweiter Vorsitzender des Freundeskreis Maybach-Museum, auf Anfrage zuversichtlich. Der Kreis hat sich im Sommer 2015 gegründet, um zu einem Museums-Projekt beizutragen, das in prominenter Uferlage am Bodensee entstehen könnte, wie Rehm auf Anfrage mitteilt. Er will zwar auch noch nicht in die Details gehen – dazu sei es zu früh – aber die Konturen zeichnen sich ab: In das Vorhaben sollen die Deutsche Bahn (früher großer Abnehmer von Maybach-Motoren), die Bodensee-Schiffsbetriebe, Industriefirmen vor Ort und die Stadt Friedrichshafen einbezogen werden.

Viel Zeit für die Verwirklichung bleibt nicht, möchte doch Irmgard Schmid-Maybach (92), Tochter von Karl Maybach, Erfolge noch erleben. Sie und Urenkel Ulrich Schmid-Maybach haben sich mit der Gründung der Stiftung vor zehn Jahren dem Erbe ihrer Vorväter verpflichtet. Wunsch der Nachfahren sei es aber, das Vermächtnis der Maybachs zu bündeln und dokumentarisch in ein Format zu bringen, „das die Menschen begeistern kann“, sagt Ungerer. Auf jeden Fall soll der Stadt Friedrichshafen und dem Land Baden-Württemberg „eine reichhaltige Hinterlassenschaft“ übergeben werden.

An Ausstellungsmaterial mangelt es laut Rehm nicht: „Es ist sehr viel da, ich war überrascht, wie viel.“ Selbst ein Motor des „Fliegenden Hamburgers“ (ein Schnellzug von 1932) habe sich erhalten und könnte den Weg in das neue Museum finden, genauso wie Leihgaben von Maybach-Wagen. Die Sammlung soll laut Rehm aus einer Kombination von Käufen, Leihverträgen und Schenkungen aufgebaut werden. Bevor es soweit ist, sollen Dokumente, Erinnerungsstücke und Ausstellungsexponate zum Wirken der beiden Konstrukteure zusammenfinden. Dafür stellen die Maybach-Nachfahren auch „signifikante Mittel ihres Familienerbes“ zur Verfügung, teilten sie im Dezember mit.

Hinterlassenschaften der Maybachs, die für die künftige Ausstellung ausgewertet werden könnten, sind an vielen Orten und bei mehreren Institutionen verstreut. Dazu gehören das Stadtarchiv Heilbronn (Geburtsort Wilhelm Maybachs), das Mercedes-Benz-Classic-Archiv in Stuttgart und die Bestände zur Firma Maybach beim heutigen Nachfolger Rolls-Royce Power Systems AG in Friedrichshafen. „Das ist ein bisschen Detektivarbeit, Zugang zu den Sammlern zu finden“, sagt Wolfgang Ungerer. Ein Archivsystem soll aufgebaut werden, ein Lager für die Schätze ist bereits gefunden.

Etwas anderes ist den Verantwortlichen ebenso wichtig. Wolfgang Ungerer hat im Blick, dass das Wissen der letzten Zeitzeugen, die Karl Maybach noch persönlich gekannt haben, verlorenzugehen droht. „Wir wollen erst einmal mit den Menschen reden, die Maybach selbst noch erlebt haben.“ Die alten Maybächler sollen also erzählen.

SÜDKURIER-Seite zur Technik der Maybach-Autos und wo man Maybach-Oldtimer sehen kann:

www.suedkurier.de/plus


Spuren der Maybachs

In Friedrichshafen gibt es viele Spuren von Vater Wilhelm und Sohn Karl Maybach. So stehen in der Nähe des Karl-Maybach-Gymnasiums die Bronzebüsten von Karl (vorn, 1879–1960) und Wilhelm Maybach (1846–1929). Der Maybach-Weg führt zu den wichtigsten Orten, an denen der Konstrukteur Karl Maybach in Friedrichshafen gelebt und gearbeitet hat.

Bild: Cuko