Bei der Oberbürgermeisterwahl im April 2018 trifft Amtsinhaber Dieter Salomon nach aktuellem Stand auf mindestens drei Gegenkandidaten. Manfred Kröber (37) ist wie Salomon Mitglied der Grünen, Monika Stein (47) war Mitglied der Grünen und gehört als Stadträtin zur linken Grünen Alternative Freiburg und Stephan Wermter (57) bezeichnet sich selbst als „parteilosen Freigeist“. SPD, CDU und eine Gruppierung namens „Freiburg Lebenswert“ suchen noch nach Bewerbern, sind aber bisher nicht fündig geworden.

Wird Salomon, was allgemein erwartet wird, wiedergewählt, kann er der längste amtierende Oberbürgermeister in Freiburg werden und eine Amtszeit von 24 Jahren erreichen. Seine beiden SPD-Vorgänger Eugen Keidel und Rolf Böhme hatten das Amt je 20 Jahre innegehabt, bevor Salomon 2002 als erster Grüner zum Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt gewählt worden war.

Wohnungsbau als zentrales Wahlkampfthema

Stephan Wermter ist Unternehmer, hat mehrere Firmen, darunter eine für Reisemobile. Er ist in Freiburg im von Einkommensschwächeren bewohnten Stadtteil Haslach geboren, „in den Slums“, wie er selbst sagt. Auf seiner Facebook-Seite problematisiert er die hohe Ausländer-Kriminalität in Freiburg und mokiert sich mit abfälligen Bemerkungen über arabische oder afrikanische Männer, die tagsüber „dreimal seine Frau in der Innenstadt anmachen“ würden. Eine linke Website bezeichnet ihn als Mitglied des AfD-Kreisverbandes und rechtsgerichtet. Wermter selbst erklärte gegenüber dieser Zeitung, er gehöre keiner Partei an und neige keiner zu, seine Ausrichtung sei weder links noch rechts, sondern er sehe sich in der Mitte.

Als Lieblingspolitiker gibt er Gregor Gysi und Sarah Wagenknecht an, auch wenn er nicht mit all deren Inhalten übereinstimme. Zu Gesprächen mit Parteien sei er bereit, außer mit „der ultralinken Szene mit dem Antifa-Gesockse“. Linke Chaoten hätten ihm drei Wohnmobile „abgefackelt“, empört er sich.

Dem grünen Oberbürgermeister Dieter Salomon wirft er eine gewisse Betriebsblindheit und „abgehobene“ Politik vor, die „an den Bedürfnissen der sozial schwächeren Bürger vollkommen vorbeigeht“. Er werde sich für bezahlbaren Wohnraum für Familien und Alleinerziehende einsetzen, der durch Mietkauf zu Eigentum werde. Die grüne Ära in Freiburg werde er beenden und „die Familie, die Arbeit und die Lebensfreude in den Vordergrund stellen“.

Der zweite Gegenkandidat Manfred Kröber sucht angeblich derzeit eine Lehrerstelle und habe deswegen Zeit für den Wahlkampf. Unterstützung seiner grünen Partei kann er nicht erwarten, die wirbt für die Wiederwahl von Salomon. Auch Kröber stellt das Thema Wohnungsbau in den Vordergrund, dazu Ökologie, Verkehr und Bürgerbeteiligung. Zweimal wollte Kröber schon Parlamentskandidat werden – er unterlag mit geringer Stimmenzahl gegen die populären Freiburger Grünen-Politikerinnen Kerstin Andreae (Bundestag) und die Finanzministerin Edith Sitzmann (Landtag).

Monika Stein ist Haupt- und Werkrealschul-Lehrerin. Sie präsentierte jüngst ein Zwölf-Punkte-Programm, ebenfalls mit dem Schwerpunkt Wohnungsbau. „15 Jahre Salomon sind genug“, sagt sie und baut auf die Unterstützung linker Kräfte, darunter Unabhängige Frauen und die Partei Die Linke.

Salomon selbst befindet sich schon im Wahlkampfmodus. Das wird unter anderem dadurch deutlich, dass er eine Wohnbebauung in einem Waldgebiet im Freiburger Westen, die er durchsetzen wollte, jetzt abrupt fallen gelassen hat, ohne dabei den Gemeinderat zu beteiligen. Gegen die Bebauung gibt es eine Protestliste mit 10 000 Unterschriften – Salomon als Wahlkämpfer erscheint das Projekt inzwischen zu heikel. Für die SPD zeigt das „die offensichtliche Nervosität“ des Amtsinhabers im Vorfeld der Wahl.