Am Anfang stand eine Metzgerausbildung im Kreis Sigmaringen. Heute gehört Thomas Noll zur internationalen Elite der Hotellerieszene. Aktuell leitet der gebürtige Inzigkofener in Moskau das Barvikah-Hotel, das als eines, wenn nicht gar das teuerste Luxushotel Russlands gilt. Dennoch hat Noll seine Kontakte zur alten Heimat nicht verloren. Die Mutter und weitere Familienmitglieder leben noch im Kreis Sigmaringen. Ein bis zwei Mal im Jahr ist der Hotelmanager deshalb auf Heimaturlaub in Deutschland.

Von der Insel Mainau bis nach Antiqua

Um die Unternehmerpersönlichkeit Noll richtig einzuschätzen, genügt ein Blick in die beruflichen Stationen des Hotel-Managers. Sie reichen von der Insel Mainau über Malta und Ägypten bis in die Türkei und Kasachstan bis nach Russland. Weitere Stationen waren die Karibikinsel Antiqua und das afrikanische Kenja.

2009 erhielt der gebürtige Inzigkofener den Titel „bester Hotelmanager Europas.“ Eine weiterer Blick in die Preisliste des Barvikah Hotels unterstreicht den internationalen Charakter der Geschäftsführertätigkeit Nolls. Die Zimmerpreise pro Nacht beginnen im preisgünstigsten Fall bei 600 Euro. Die nächste Stufe des Übernachtungsluxus sind die „Standard-Suiten“, die für jeweils 1200 Euro an Hotelgäste vermietet werden. Wer die Nacht ganz mondän in der Präsidenten-Suite mit dem fünf Meter breiten Bett verbringen möchte, muss dafür 10 000 Euro locker machen, wohlgemerkt: pro Nacht.

Viele Staatsoberhäupter persönlich begrüßt

Also keine Herberge für jedermann. Wer dennoch hier die Nacht verbringt, hat sehr oft gesellschaftlichen, sportlichen, politischen oder wirtschaftlichen Rang und Namen. Noll schildert: „Ich habe die meisten Staatsoberhäupter persönlich begrüßt, berühmte Menschen aus den Sparten Kunst, Sport und Musik. Ich habe eine Sammlung von über 100 Bildern gemeinsam mit solchen Persönlichkeiten.“ Darunter sind bekannte Namen wie Bill Clinton, Angela Merkel oder Gerhard Schröder. Mit Michail Gorbatschow hat Noll mehrmals zu Abend gegessen. Von den Begegnungen mit Stars blieb ihm besonders Whitney Houston in Erinnerung.

Der berufliche Erfolg ist Thomas Noll nicht geschenkt worden. Seine schulische Laufbahn weist den Normalfall in den 60er Jahren auf: Kindergarten, Grundschule, Hauptschule und Berufsfachschule in Sigmaringen. Der Manager erinnert sich: „Meine gastronomische Laufbahn hat damals angefangen mit einer Metzgerlehre bei der Firma Erb in Laiz, gefolgt von einer Kochausbildung im Hotel Rat in Tettnang. Nächste Station war 1981 ein Schweizer Hotel auf der Insel Comino bei Malta.“

Start in der Berufsfachschule in Friedrichshafen

Während der Kochausbildung in Tettnang besuchte Noll die Berufsfachschule in Friedrichshafen. Nächste Ausbildungsstation war die Kochmeisterschule Poppe & Neumann. Noll: „1987 habe ich ein Sommersemester Hotel-Management auf der Cornell Universität in Amerika absolviert.“ Die ersten 20 Jahre seines Berufslebens verbrachte der Hotelmanager nur auf Inseln oder, wenn das Festland unvermeidbar war, dann in Reichweite der Küste.

Seine Laufbahn in Russland kam eher durch Zufall zustande. Er berichtet: „Ich habe in Ägypten das Sheraton Sharm EI Sheikh Hotel eröffnet und geleitet. Als dann meine erste Ehe nach 18 Jahren in die Krise kam, wollte ich weg von Ägypten.“ Er teilte seiner Firma, den Starwood Hotels, mit, dass er Ägypten verlassen wolle. Wohl nicht ernst gemeint war der Hinweis, er wolle weg, und wenn es an einen der schlimmsten Orte wie etwa Sibirien wäre.

Sein Arbeitgeber nahm ihn ernst und Thomas Noll fand sich in der Chefetage des Sheraton Nevskiy Palace Hotel im russischen St. Petersburg wieder. Das läge, so teilte ihm die Konzernleitung sachlich mit, zwar nicht Sibirien, sei aber nicht mehr so weit davon entfernt. Damit begann am 1. Juni 2001 für den Manager die Laufbahn in Russland.

Zu seiner bislang größten beruflichen Herausforderung in den vergangenen 17 Jahren sagt Noll: „Im Vorfeld der olympischen Winterspiele in Sotschi musste ich das gesamte neugebaute Bergdorf mit zehn Hotels, 3500 Wohnungen und die Verpflegungsbetriebe für die Sportanlagen innerhalb von einem halben Jahr betriebsfertig machen. In den ersten drei Wochen habe ich 150 Manager eingestellt und 3500 Mitarbeiter.“ Die nächste berufliche Station war Istanbul. „Jetzt leite ich das Barvikah Hotel“, meint Thomas Noll sachlich.

Mit seiner Umgebung hat sich Thomas Noll gut angefreundet. Er spricht inzwischen die Landessprache und erkundet Mütterchen Russland in seiner Freizeit mit dem Motorrad.