Die Mafia ist seit vielen Jahren in der Region Schwarzwald, Bodensee und Oberschwaben aktiv. Eine Auswahl an spektakulären Fällen der organisierten Kriminalität im Südwesten:

Durchsuchungen in Singen 

Singen im Hegau ist seit Jahrzehnten ein bevorzugter Zuzugsort für Menschen aus Italien. Ohne sie gäbe es manche Fabrik und manches Bauwerk nicht. Die ersten Gastarbeiter trafen 1956 mit einem Sonderzug in Singen ein, wo sie auf andere Städte im Land verteilt wurden. Während der weitaus überweigende Teil der Menschen unbescholtene Bürger blieben, konnte auch die organisierte Kriminalität in der Region Fuß fassen.

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2009 durchsuchten Fahnder im Rahmen einer landesweiten Aktion auch eine Wohnung in Singen. Neun Mitglieder der italienischen Camorra, die vor allem in Karlsruhe lebten, gingen dabei den Ermittlern ins Netz. Es ging um Betrugsverdacht beim Verkauf von 500 minderwertigen Stromgeneratoren. Die günstige Lage an Autobahn und Bahnnetz sind Vorteile, die auch von Mitgliedern anderer Organisationen genutzt wurden.

Im Juli 2010 schreckte die Öffentlichkeit auf, als es erneut Durchsuchungen in Singen und dem Umland gab. Sie waren Teil einer umfangreichen Anti-Mafia-Aktion der italienischen Justiz gegen 300 mutmaßliche Mitglieder der ‚Ndrangheta.

Fünf Männer aus Singen, Rielasingen-Worblingen und Radolfzell 

Kein Jahr später schlugen die Ermittler erneut zu. Diesmal wurden fünf Männer festgenommen, die in Singen, Rielasingen-Worblingen und Radolfzell am Bodensee lebten. Wie schon öfter waren es unscheinbare Männer, die regelmäßig zur Arbeit gingen und nicht auffielen. Die italienische Justiz stellte Auslieferungsanträge, denen die deutschen Behörden auch nachkamen.

2015 kam es erneut zu Durchsuchungen und Verhaftungen im Zuge der „Operation Rheinbrücke“, die in enger Zusammenarbeit mit italienischen Mafia-Jägern gegen Mitglieder der 'Ndrangheta in Deutschland auch geführt wurde. Ziel war es, in Deutschland lebende 'Ndrine, also Angehörige der 'Ndrangheta festzusetzen. Ein Schwerpunkt lag auch diesmal im Hegau, in Engen, Rielasingen, Singen und Ravensburg. Den zwölf Verhafteten wurde vorgeworfen, dass sie grenzüberschreitende Straftaten verübt haben sollen.

Einsätze gegen die Mafia auch in der Schweiz

Die „Operation Rheinbrücke“ war nach Angaben des Anti-Mafia-Vereins „Mafia? Nein, Danke!“ mit Sitz in Berlin das Ergebnis eines Polizei-Einsatzes in der benachbarten Schweiz. Im Jahr 2012 hatten Ermittler im Rahmen eines umfangreichen Zugriffs 18 Bürger festgenommen.

Auch hier ging es laut Behörden um die Ausbreitung der kalabresischen 'Ndrangheta, die von einer territorial organisierten Zelle von Frauenfeld aus agiert haben soll. Im Sommer 2014 veröffentlichte die italienische Polizei ein Video, das im Thurgau entstanden war. Es zeigte ein Dutzend Männer an einem Tisch, die im Nebenzimmer eines Gasthofs ein Taufritual abhielten. Italienische Ermittler hatten umfangreiche Maßnahmen ergriffen, so auch zahlreiche Gespräche mitgeschnitten, die in eine mehr als 700 Seiten umfassende Anklageschrift mündeten.

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Italien beantragte die Auslieferung der übrigen Mitglieder, nachdem vier bereits nach Italien abgeschoben waren. Nach monatelangem Tauziehen zwischen der italienischen und der Schweizer Justiz wurden 13 der Beschuldigten aus der Schweiz abgeschoben. Laut dem Anti-Mafia-Verein gibt es in der Schweiz derzeit 20 Verdachtsfälle. Nach Erkenntnissen der Strafverfolger steht die Eidgenossenschaft insbesondere als Tummelplatz internationaler Geldwäsche im Fokus der italienischen Mafia.

Auch im Allgäu fühlt sich die Mafia wohl

Auch das Allgäu wird im Zusammenhang mit Mafia-Ermittlungen genannt. Dort soll die Zahl der Mafia-Mitglieder im niedrigen zweistelligen Bereich liegen. Sie gehören entweder der Camorra oder der mächtigen 'Ndrangheta an, beide Organisationen wurden in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts dort heimisch.

Es geht vor allem um Drogenhandel, um Kokain und europaweiten Verbindungen. Vor allem Kempten sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen, wenn es um Mafia-Bezüge ging. Am spektakulärsten war 1998 die Verhaftung des Profi-Killers Giorgio Basile, der 30 Morde für die 'Ndrangheta einräumte. Er diente in mehreren Verfahren als Kronzeuge und lieferte 80 Mafiosi in Deutschland an die Justiz. Die italienischen Behörden nahmen ihn ins Zeugenschutzprogramm auf.