Manuel Hagel weiß, was sich gehört. Er hat sich umgezogen. Der 29-Jährige trägt Jeans, blütenweiße Nike-Turnschuhe und ein enges T-Shirt, das seine Figur betont. Er nimmt sich ein Bier aus dem Kasten auf der Theke im Jugendtreff-Bauwagen in Römerstein-Böhringen, setzt sich an den langen Tisch mit den jungen Leuten und den paar Älteren, grüßt, strahlt, scherzt, schwätzt, hört zu.

Er spricht die Sprache des kleinen Mannes

Wem Zweifel kommen, der wird gleich eines Besseren belehrt. Hagel ist hierher in die „Bude“ gekommen, wie sie dort auf der Alb die Jugendtreffs nennen, um den örtlichen Bundestagskandidaten Michael Donth zu unterstützen. Von Donth stammt das Bier, sein Konterfei prangt auf den Flaschen. Hagel trinkt eigentlich zurzeit keinen Alkohol, schon gar nicht am Nachmittag. Er ist im Wahlkampfmodus, „da will ich fit sein“, sagt er. 16-Stunden-Tage hat er derzeit, fünf, sechs Termine täglich, kreuz und quer im Land. Gerade kommt er aus Blaubeuren, am Abend hat er noch ein Podium in Tübingen, da trägt er dann wieder Anzug. Aber ein Schluck zum Anstoßen, das muss jetzt sein. Schon aus Höflichkeit.

Hagel hält erstmal eine kleine Vorstellungsrede im Bauwagen. Böhringen, das ist für ihn ein Heimspiel. Er ist gleich um die Ecke zu Hause. Hagel weiß, was die jungen Leute hier umtreibt, wie sie denken, worüber sie reden. Vor ein paar Jahren saß er mit seinen Freunden noch selbst in so einer „Bude“ beim Bier. Es wird ein ganz großer Wurf in den zehn Minuten, die er spricht und in denen er für seine Partei wirbt, die einzige mit dem C, und für die Werte, für die sie steht. „Christdemokraten“, sagt Hagel, „wollen verändern und bewahren.

Er spricht von den Gefühlen für die Heimat und der Bedeutung des ländlichen Raums, dass man sich nicht verstecken brauche hier auf dem Land, und wie wichtig in seiner Partei, der CDU, „der Baden-Württemberg-Partei“, die gleichen Lebensverhältnisse in Stadt und auf dem Land sind. „Ein Hammer-Thema für uns“, sagt er. „Der Wohnort ist nicht nur Schlafstelle für uns, sondern Heimat im besten Sinn.“ Hagel erzählt von seiner Oma, für die er einer von 16 Enkeln ist und die wie seine ganze Familie in Ehingen lebt, und dass die Oma immer sagt, dass sie heute nicht mehr jung sein will, weil es den jungen Leuten später einmal schlechter gehen würde als ihr damals.

Der 29-Jährige spricht frei, bescheiden und dennoch überaus selbstbewusst, und wenn er für Fleiß und Leistungsbereitschaft wirbt und sagt, dass ihm Disziplin und Pflichtbewusstsein wichtig sind, hat das nichts Verbissenes, sondern wirkt freundlich und irgendwie beseelt. „Für uns von der CDU ist Leistung nichts Schlimmes“, sagt Hagel. „Wir stehen in Konkurrenz zu jungen Leuten in Asien, die täglich 40 Kilometer mit dem Fahrrad zur Schule fahren, um lernen zu dürfen. Und bei uns hat man in der Schule ein paar maximal chillige Jahre zum Ziel. Aber unser Wohlstand ist hart erarbeitet, und wenn wir den bewahren wollen, müssen wir auch leistungsbereit sein.“

Hagel war oft der Jüngste, sein Lebenslauf liest sich wie eine Bilderbuch-Karriere im Turbo: Der jüngste Fraktionsvorsitzende im Ehinger Gemeinderat, der jüngste Sparkassen-Direktor, der jüngste CDU-Landtagsabgeordnete, noch dazu Stimmenkönig, erst recht ist er jetzt der jüngste CDU-Generalsekretär, gefördert und ins Amt befördert von CDU-Landeschef Thomas Strobl nach der bitteren Schlappe bei der Landtagswahl 2016. Vorbehalte dem jungen Stimmenkönig gegenüber gab es zunächst auch in der CDU-Landtagsfraktion. „Ich habe eine gewisse Routine und Gelassenheit damit entwickelt, der Jüngste zu sein“, sagt er. „Ich definiere mich nicht über das Amt, und wenn die Menschen merken, der hat keine Allüren und das Amt nicht nur, um es zu haben, sondern zeigt Fleiß und Demut, dann gibt sich das“, sagt er.

Mit der Partei selbst hat er nichts weniger vor, als sie endlich wieder auf den Platz als größte Volkspartei zu befördern, „als große Klammer, die alle zusammenhält“. Hagel hat innerhalb von einem Jahr die Geschäftsstelle der Partei umgebaut und neu aufgestellt, neue Strukturen geschaffen, er ist 130 000 Kilometer durchs Land gefahren, hat jeden Kreisverband und viele Ortsvereine besucht, in die Partei hineingehorcht, geworben und Mut gemacht. „Die Stimmung war schlecht nach der Wahl“, sagt er. Jetzt sei zu spüren, dass die Menschen versöhnt seien mit der Partei, „da ist eine neue Geschlossenheit da, und nur mit Geschlossenheit lässt sich entschlossen handeln“, sagt Hagel.

Die Kraft für seinen Marathon-Einsatz in diesen Tagen zieht der passionierte Läufer, Angler und Jäger aus stillen Momenten in der Natur – und aus seinem Glauben. Sonntagabends nimmt er nur im Notfall Termine an. Da geht Hagel mit seiner Frau nach Ehingen in die Kirche, in der schon seine Oma geheiratet hat und in der der Pfarrer predigt, der ihn einst getauft und vergangenes Jahr verheiratet hat.

Geduldiger habe ihn das Jahr als Generalsekretär gemacht, sagt er, „aber nicht weniger hartnäckig“. Er kommt an in der Partei, er erreicht die Menschen, so wie an diesem Nachmittag im Bauwagen. „Der schwätzt mit den Leuten wie seit Teufel keiner mehr in der CDU“, zitiert Bundestagskandidat Donth seinen Parteifreund. Hagel muss sich morgen als Einziger aus dem Landesvorstand in Reutlingen beim CDU-Landesparteitag nicht zur Wahl stellen – erst im März hatte die Partei ihn, den Neuling, auf Anhieb mit 81,3 Prozent ins Amt gewählt. Wohin sein Weg ihn noch führt? „Ich bin ein glücklicher CDU-Generalsekretär“, sagt Hagel. Er weiß halt, was sich gehört.

Zur Person

Manuel Hagel, Jahrgang 1988, ist seiner Geburtsstadt Ehingen im Alb-Donau-Kreis treu geblieben: NachRealschul-Abschluss, Banklehre, Weiterbildung zum Bankfachwirt und Studium der Bankbetriebswirtschaft war Hagel zwei Jahre lang Filialdirektor der Sparkasse Ehingen, bevor er 2016 mit dem landesweit besten CDU-Ergebnis in den Landtag gewählt wurde.

Hagel ist seit 2015 Mitglied im CDU-Landesvorstand und seit 2016 Generalsekretär. Er ist katholisch, verheiratet und lebt in Ehingen. (uba)

Landesparteitag der CDU mit Merkel

  • Prominente Gäste: In Reutlingen kommt heute die CDU Baden-Württemberg zum Landesparteitag zusammen. Zwei Wochen vor der Bundestagswahl wird dabei neben dem Spitzenkandidaten der Landes-CDU, Finanzminister Wolfgang Schäuble, als prominenter Gast auch Bundeskanzlerin Angela Merkel das Wort an die Delegierten richten.
  • Vorstandswahl: In Reutlingen stehen auch die Neuwahlen des Landesvorstands an. Während sich Thomas Strobl als Landesvorsitzender ohne Gegenkandidaten zur Wiederwahl stellt, gehen für die drei zu vergebenden Stellvertreter-Posten vier Kandidaten ins Rennen. Neben den Bundestagsabgeordneten Thorsten Frei (Schwarzwald-Baar-Kreis), Gesundheits-Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (Tübingen) und Wilfried Mack, Fraktionsvize im Landtag, die erneut als Stellvertreter antreten, bewirbt sich als vierter Kandidat der Europa-Abgeordnete Daniel Caspary (Karlsruhe). (uba)