In den letzten Monaten stiegen die Sympathiewerte für den Wolf deutlich. Nach dem ersten Schrecken über die Bilder der einsamen Streuner melden sich vermehrt die Unterstützer. Das Land hilft inzwischen bei der Fütterung der Herdenschutzhunde. In dieser Phase melden sich die organisierten Landwirte zu Wort. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) wendet sich scharf gegen den neuen Mitbewohner zwischen Wald und Feld. „Weidetiere und Wolf gehen im Schwarzwald nicht zusammen,“ heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Darin nehmen sie die Argumente der Wolfsbefürworter auseinander. Wenn von Herdenschutz die Rede ist, entgegnet der BLHV: Der geforderte wolfsdichte Zaun sei gerade im Schwarzwald „aufgrund des Arbeitsaufwandes weder technisch noch wirtschaftlich machbar“. Ähnliches gelte für die Schwäbische Alb oder das Donautal.

Kleine Weiden mit viel Arbeit

Auch der oft zitierte Herdenschutzhund könne nicht alles richten. Bei den kleinparzellierten Weiden müssten mehrere der aufmerksamen Hunde angeschafft werden. Das könnten die Landwirte aber nicht leisten. 70 Prozent der BLHV-Mitglieder bewirtschafteten ihre Fläche im Nebenererwarb. Die Hundehaltung und Erziehung der Hunde käme als Arbeit obendrauf – und das sei illusorisch.

Das Positionspapier wirft auch neue Argumente in die Debatte. So fragen die Landwirte beispielsweise, wie effektiv das Wolfsmanagement, wie es hochtrabend heißt, wirklich sein kann. Die Wolfsmanager rechnen mit einer Reproduktionsrate von 30 Prozent. Das bedeutet schnelle Vermehrung in alle Flächen hinein. Der BLHV hält dieses Anwachsen der Population für unverantwortlich. Er will jene Wölfe vergrämen, die Nutztiere gerissen haben. Langfristig bedeutet das, dass der Fleischesser gejagt werden darf und nicht mehr den hohen Schutz genießt, unter dem er bisher steht. Bisher dürfen diese Tiere nicht bejagt werden, wie der Fall des geschossenen Wolfes vom Schluchsee zeigt.

Und wenn der Wolf eine Herdenpanik auslöst?

Heikel ist auch die Haftungsfrage. Was tun, so fragt der Bauernverband, wenn eine Herde aus Panik vor einem Wolf ausbricht und auf die Straße drängt und dort einen Unfall verursacht? Dann haftet der Tierhalter. „Neben den Schadensersatzforderungen bei Personenschäden kann das auch ein Strafverfahren bedeuten“, ahnt der BLHV. Dann wird es teuer und langwierig. Für einen kleinen Landwirt kann das vernichtend sein. In letzter Konsequenz hätte ein Wolf seine Existenz zerstört – ein Domino-Effekt, ausgelöst von einem neu eingewanderten Tier.

Was sich alles verändert hat

Die Viehhalter setzen noch ein riesengroßes Fragezeichen: Die Kulturlandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten gewaltig verändert, sagen sie. Durch die Industrie, Straßenbau und die Landwirtschaft hat sich das Gesicht des Südwestens neu geformt. Der Rückwanderer kommt in ein Land zurück, das sich in seiner Kulturgeografie radikal von dem Land unterscheidet, in dem er bis vor 150 Jahren noch unterwegs war.

Indirekte Unterstützung erhalten die Landwirte von der Initiative „Wolf bleibt Wolf“. Die Berliner Tierschützer sprechen sich grundsätzlich für den Wolf aus, sie rechnen zukünftig sogar mit einer Population von 800 Tieren. Doch soll das Tier künftig unter das Jagdrecht fallen. Dann könnte es auch geschossen werden. Dabei soll es Gebiete geben, von denen man die künftigen Rudel fernhält – sogenannte Wolfsauschschlussareale.

Auch der Schwarzwaldverein hat seine Probleme mit dem Wolf

Auch der Schwarzwaldverein hat Position bezogen. Er sieht vor allem die Vielzahl an Wanderwegen gefährdet. wenn Weiden noch stärker gesichert werden, dann sind sie für Spaziergänger und Wanderer nicht mehr passierbar. Das gelte auch für das Donautal; erst vor Tagen war ein Wolf bei Beuron gesichtet worden.