Staufen kommt nicht zur Ruhe. Wenige Tage nach Bekanntwerden eines neuen Missbrauchsfalls in dem Breisgauer Städtchen wird der erschütternde Fall des vielfach missbrauchten Jungen aus Staufen neu aufgerollt – zumindest teilweise. Die Nachwehen waren absehbar: Denn bei zwei der Fälle, die vor dem Landgericht Freiburg verhandelt wurden, hatte die zuständige Staatsanwältin Nikola Novak schon früh signalisiert, Revision gegen die beiden Urteile einlegen zu wollen.

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Denn sie war nicht damit einverstanden, dass zwei der Täter, die sich mehrfach und auf grausame Weise an dem damals neunjährigen Jungen vergangen hatten, nach ihren Haftstrafen nicht in Sicherungsverwahrung genommen werden sollten. Jetzt hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ihrer Revision stattgegeben.

Mutter Berrin T. (links) und ihr Partner Christian L. (rechts) beim Auftakt der Hauptverhandlung im Juni 2018. Neben ihnen die beiden Anwälte Martina Nägele (zweite von rechts) und Matthias Wagner.
Mutter Berrin T. (links) und ihr Partner Christian L. (rechts) beim Auftakt der Hauptverhandlung im Juni 2018. Neben ihnen die beiden Anwälte Martina Nägele (zweite von rechts) und Matthias Wagner. | Bild: Thomas Kienzle

Das Kind war über zwei Jahre lang von seiner Mutter und deren Partner missbraucht und über das Darknet pädophilen Männern verkauft worden. Fünf von insgesamt acht Tatverdächtigen standen vor dem Landgericht.

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Grauenvolle Taten

Der damals 33-jährige Spanier wurde wegen mehrfacher schwerer Vergewaltigung, Kindesmisshandlung und Zwangsprostitution in insgesamt 14 Fällen zu zehn Jahren Haft und 18 000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Der Mann war mehrfach angereist und hatte ein Ferienhaus gemietet, wo er den Jungen missbrauchte. Dafür hatte er mehr als 10 000 Euro gezahlt.

Der 33-jährige Spanier während der Verhandlung 2018 vor dem Freiburger Landgericht.
Der 33-jährige Spanier während der Verhandlung 2018 vor dem Freiburger Landgericht. | Bild: Patrick Seeger

Nach dem Ende des Freiburger Prozesses liefen noch weitere Ermittlungen gegen den Mann. Er stand unter Verdacht, ein Mädchen in Weißrussland vergewaltigt und erdrosselt zu haben – im Prozess spielte der Fall jedoch keine Rolle, da die Beweise fehlten.

Keine Sicherungsverwahrung

Der Bundeswehrsoldat der deutsch-französischen Brigade in Illkirch-Grafenstaden bei Straßburg wurde wegen schweren Missbrauchs und Vergewaltigung, Zwangsprostitution und des Besitzes von Kinderpornografie zu acht Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 12 000 Euro verurteilt.

Der damals 50-jährige Soldat der Bundeswehr versteckt bei der Verhandlung im Sommer 2018 sein Gesicht. Bild: dpa
Der damals 50-jährige Soldat der Bundeswehr versteckt bei der Verhandlung im Sommer 2018 sein Gesicht. Bild: dpa | Bild: Patrick Seeger

Die Staatsanwältin hatte dagegen zwölf Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Richter Stefan Bürgelin urteilte damals jedoch anders: Eine Sicherungsverwahrung sei nicht möglich, da der Täter nicht vorbestraft sei und es keine hohe Rückfallgefahr gebe. Dabei hatte der Gutachter bei dem Mann Pädophilie attestiert.

Revision vor dem Landgericht

Die Revision begründete der BGH damit, dass in beiden Fällen die Prüfung eines Hangs zu weiteren Straftaten und eine Gefährlichkeitsprognose für die Täter möglicherweise vermischt worden seien – beide Aspekte müssten bei der Frage, ob eine Sicherungsverwahrung anzuordnen sei oder nicht, aber voneinander getrennt betrachtet werden.

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In dem neuen Verfahren vor dem Landgericht soll nur der Aspekt der Sicherungsverwahrung geprüft werden, nicht aber der Schuldspruch an sich.