Vor fast einem Jahr hat eine Schwurgerichtskammer am LandgerichtRavensburg eine 23-jährige Frau aus dem Landkreis Konstanz wegen Mordes an ihrem neugeborenen Kind zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. In einem Revisionsverfahren hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe dieses Urteil jetzt aufgehoben und zur erneuten Verhandlung an das Ravensburger Landgericht zurückverwiesen. Das hat die Anwältin der jungen Frau, die Biberacher Strafverteidigerin Rebecca Wurm, unserer Zeitung auf Anfrage mitgeteilt. Das Ravensburger Urteil sei „hinsichtlich der subjektiven Feststellungen und damit der Mordmerkmale“ aufgehoben worden. „Der BGH findet dazu deutliche Worte“, sagt sie.

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Blutverschmierte Jeanshose führt die Ermittler zu der Frau

Rückblende: Auf der Rückfahrt von einem Urlaub am Wörthersee mit ihrem Partner und Freunden im Mai 2017 setzen bei der Frau die Wehen ein. Neben einer Bundessstraße bei Rulfingen im Landkreis Biberach bringt sie in der Nähe eines Aussiedlerhofes ihr Kind zur Welt. Als das Mädchen zu schreien beginnt, hält ihm die Mutter den Mund zu und stopft ihm Blätter einer Küchenrolle in den Mund. Das Baby erstickt. Eine blutverschmierte Jeanshose führte später auf die Spur der Frau. In dem sechstägigen Prozess bekannte sich die Angeklagte offen und ausführlich zu der Tat, ohne Gründe für das Motiv und immer wieder geäußerte Ängste angeben zu können.

Für die von allen Zeugen geschilderte kategorische Verleugnung der Schwangerschaft hatte der psychiatrische Sachverständige keine tiefergreifende Erklärung. Der Antrag der Verteidigung, einen Gutachter mit speziellen Kenntnissen des vorliegenden Falles zu bestellen, von Fachleuten als Neonatizid bezeichnet, lehnte die Strafkammer ab. Stattdessen sprach der Oberstaatsanwalt von einem erschreckenden Ausmaß an „Entsorgungsmentalität“ und forderte eine lebenslange Haftstrafe. Die Verteidigung sprach sich für eine vierjährige Freiheitsstrafe wegen Totschlags aus. In seiner Urteilsbegründung hatte der Vorsitzende Richter gesagt: "Das Kind war Störfaktor und musste weg“.

2019 wird sich nun eine andere Strafkammer mit dem Fall auseinandersetzen. Aus dem Ravensburger Landgericht gab es dazu keine Stellungnahme.