Frauen in der Bütt? Claudia Zähringer aus Konstanz erklärt, wie sei da reinkam und warum sie nie wieder rauswill.

Frau Zähringer, seit wann stehen Sie auf der Bühne?

Bei der Narrengesellschaft Niederburg in Konstanz seit dem Jahr 2000.

Sie sind eine Zuwanderin. Wie schafften Sie es als Schwarzwälder Mädle in diese behäbige Konstanzer Gesellschaft hinein und dann auch noch hinauf?

Da muss ich gleich widersprechen. Ich hatte es gar nicht schwer. Ich kannte Leute, die mit der Konstanzer Fasnacht zu tun haben, und die haben mich flugs eingeschleust. Der Zugang war also nicht hochgesetzt. Irgendwann unterhielt ich mich mit Norbert Heizmann, der damals schon aktiv auf der Bühne war. Er fragte mich, ob ich mit ihm eine Nummer einüben wollte. So fing das mit uns an. Seitdem sind wir ein eingespieltes Bühnen-Duo. Mein Eindruck war, dass man froh war um eine weibliche Verstärkung.

Früh übt sich: Claudia Zähringer, <strong>11</strong>, im heimatlichen Vöhrenbach.
Früh übt sich: Claudia Zähringer, 11, im heimatlichen Vöhrenbach.

Eines fällt auf: Auf der Bühne sieht man kaum Frauen in tragenden Rollen. Vielleicht beim Ballett. Bringen Frauen weniger Talent fürs Humorfach mit?

Auf keinen Fall, wie kommen Sie auch da drauf? Viele Jahre war Fasnacht traditionell von Männern beherrscht, das stimmt. Der Grund war nicht mangelnder Humor. Vielmehr trauten sich damals viele Frauen nicht. Das ist heute bekanntlich anders.

Haben Männer mehr Selbstvertrauen?

Das weiß ich nicht. Ich spreche immer wieder Frauen an. Die Fasnacht ist auf Nachwuchs angewiesen. Die Frage ist immer: Wer ist dazu bereit, wer nimmt sich Zeit? Fasnacht ist Arbeit!

Die Konzilfasnacht im Fernsehen hat Sie bekannt gemacht weit über Konstanz hinaus. Sind Sie jemals nervös?

Ich bin furchtbar nervös. Vor Auftritten ist es mir den ganzen Tag schlecht, auch wenn der Auftritt nicht im Fernsehen übertragen wird. Im Saal sitzen Leute, die gute Unterhaltung erwarten. Ich bin nicht die Einzige, die wie ein aufgescheuchtes Huhn hinter der Bühne herumläuft. Männern geht es gleich, die sollten Sie mal sehen!

<strong>1980:</strong> Erste Bühnenauftritte mit einer Gesangsrevue. Claudia Zähringer ist rechts im Bild.
1980: Erste Bühnenauftritte mit einer Gesangsrevue (rechts im Bild).

Auch Jahrzehnte auf der Bühne...

... helfen da nicht. Es wird sogar immer schlimmer.

Gibt es keinen Trick dagegen?

Wir trinken immer einen Schnaps davor. Aber nur einen, weil es sonst mit dem Text schwierig wird. Dieses Ritual hilft.

Gibt es für eine Bühnenfasnachterin auch eine Altersgrenze?

Von wegen! Man macht das so lange, bis man keine Lust mehr hat. Im Idealfall hören wir auf, bevor es die Leute langweilt.

Wie finden Norbert Heizmann und Sie eine neue Szene?

Ganz beiläufig. Norbert und ich sprechen zum Beispiel über das Fernsehprogramm der letzten Tage, und schon springt eine Idee heraus.

<strong>2005:</strong> Mit Wikingerhelm und roter Perücke.
2005: Mit Wikingerhelm und roter Perücke.

Keine Fasnacht ohne Witze. Gibt es auch Witze, die Sie nicht erzählen?

Die miesesten Witze sind oft die besten, aber die erzähle ich dann nicht. Ich will niemandem wehtun. Ich respektiere Grenzen. Aber es darf schon derb sein an Fasnacht.

Gehört der sexuelle Witz zur Grundausstattung der Fasnacht?

Ja, er gehört ein Stück weit dazu.

Und Witze über Schwule? Vom närrischen Bildschirm sind sie mehr oder minder offiziell verbannt.

Das ist wieder etwas anderes. Unsere Haltung zur Homosexualität hat sich generell verändert. Wir sind weiter. Homosexuelle sind Teil der Gesellschaft. Mir fehlt diese Sorte von Humor nicht. Es sei denn, Schwule erzählen einen solchen Witz, das hat dann was.

Die Fasnacht an sich ist nicht korrekt.

Deshalb gibt es sie ja, weil sie was anderes darstellt.

.... Sie ist schräg, verbogen, unlogisch.

Denke ich auch. An der Fasnacht ist das Unnormale plötzlich normal.

<strong>2015:</strong> Als Hofnärrin unterwegs. <em>Bilder (2)</em><em>: Aurelia Scherrer</em>
2015: Als Hofnärrin unterwegs. Bilder (2): Aurelia Scherrer

Jetzt zu einem ernsten Thema. Auf der Bühne kennt und schätzt man Sie. Und sonst? Sind Sie hinter der Bühne belästigt worden?

Nein, gar nie. Allerdings spielt die Verkleidung eine große Rolle. Einmal spielten wir Adam und Eva, ich war naturgemäß die Eva mit einer Schlange am Körper und einem Feigenblatt auf dem Hintern. Dass es dann Kommentare setzt, ist normal. Es war eine Herausforderung zum Kommentieren. Ich war eine ausgesprochen blöde Eva, also rein optisch. Dann bekommt man schon eine Rückmeldung. Jeder weiß doch, dass Fasnacht ist.

Ihre liebsten, erfolgreichsten Sketche?

Zum Beispiel die Nummer, in der wir das „Heute Journal“ aufs Korn nehmen – mit Norbert Heizmann als Claus Kleber und mir als Gundula Gause. Das war ein Höhepunkt für uns. Ein anderes Mal haben wir die Odyssee nachgespielt. Es war allerdings an der Grenze, weil die Mythologie nicht mehr so geläufig ist. Schön blöd war auch Lady Maryanne aus dem Sketch um Robin Hood. Oder Faust und Gretchchen.

Ein närrisches Schlusswort bitte!

Ich kann alle Frauen nur ermuntern, da mitzumachen. Das ist keine reine Männerdomäne mehr. Alle Vereine, die ich kenne, freuen sich über weibliche Mitglieder und Funktionäre. Es gibt bereits Nachwuchsprobleme. Auch das muss man klar benennen. Fasnacht ist kein Selbstläufer mehr. Wenn man sich bei vielen Gelegenheiten unter dem Jahr verkleiden kann, dann verliert Fasnacht etwas von ihrer Exklusivität.

Fragen: Uli Fricker

<strong>2018:</strong> Claudia Zähringer und Norbert Heizmann in „Rotkäppchen“. <em>Bild: Jörg-Peter Rau</em>
2018: Claudia Zähringer und Norbert Heizmann in „Rotkäppchen“. Bild: Jörg-Peter Rau

Zur Person

Claudia Zähringer, 57, zählt zu den bekannten Gesichtern der Bühnenfasnacht. Was viele nicht wissen: Wie viele närrische Prominente ist sie Migrantin und stammt aus Vöhrenbach im Schwarzwald. Im Zivilberuf arbeitet sie als Gerichtsvollzieherin mit Sitz in Konstanz.