Stuttgart – Nach dem Brand einer Betonspritzmaschine in einer Tunnelröhre der Stuttgart-21-Baustelle und einem mehrstündigen Großeinsatz der Stuttgarter Feuerwehr gestern Nachmittag hat das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 in einem Brief an Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) auf die Brandrisiken des S21-Tunnelsystems hingewiesen. Nach Ansicht der Gegner ist das Brandschutzkonzept des Projekts nicht genehmigungsfähig. Ein im November 2018 im Auftrag der S-21 Gegner erstelltes Gutachten hatte dem Projekt erhebliche Brandschutzmängel und ein unzureichendes Brandschutzkonzept attestiert.

Bei dem Brand in einer Tunnelbaustelle in Stuttgart-Wangen waren 60 Kräfte der Stuttgarter Feuerwehr mehrere Stunden im Einsatz, um die vermutlich durch einen technischen Defekt in Brand geratene Baumaschine zu löschen. Personen wurden nicht verletzt, außer Sachschaden im fünfstelligen Bereich an der Maschine seien keine weiteren Schäden an der Tunnelröhre entstanden, wie S-21-Projektpressesprecher Jörg Hamann mitteilte.

Weil der Rauch aber kilometerweit durch die Tunnelröhre Richtung Innenstadt zog und dort austrat, wurden Anwohner aufgefordert, die Fenster geschlossen zu halten. „Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung bestand nach unseren Messungen nicht, das war eine reine Vorsichtmaßnahme“, sagt Markus Heber, leitender Stadtbranddirektor von Stuttgart. „Die Rauchentwicklung entsprach etwa der eines brennenden Pkw.“ Für die Feuerwehr war es dennoch kein Einsatz wie andere: Die Mannschaften mussten mit ihrem Gerät zum Brandherd 670 Meter zu Fuß durch den verrauchten Tunnel zurücklegen, eine enorm kräftezehrende Angelegenheit. „Dazu haben wir spezielle Regenerations-Atemgeräte, die länger Sauerstoff zur Verfügung stellen“, sagt Heber. Zudem durfte im betreffenden Tunnel-Baustellenbereich wegen des umgebenden Gesteins nicht mit Wasser gelöscht werden – zum Einsatz kamen Löschpulver und CO2. „Wir sind auf solche Szenarien aber vorbereitet und üben das auch“, sagt Heber.

S21-Pressesprecher Hamann verweist darauf, dass ein Brand auf einer Baustelle nichts Außergewöhnliches sei. Sowohl für die Ausgestaltung der Rettungswege als auch für die Entlüftung und den Rauchabzug aus den Tunneln würden unter Betrieb völlig andere Bedingungen gelten als in der Bauphase: „Das sieht spektakulär aus, ist aus unserer Sicht aber ein ziemlich unaufregendes Ereignis gewesen.“ Die Projektgegner sehen das freilich ganz anders.