Der Mord an einer 27-jährigen Joggerin in den Weinbergen bei Endingen nördlich von Freiburg schockte im November 2016 eine ganze Region. Das Landgericht Freiburg verurteilt ein Jahr später den rumänischen Fernfahrer Catalin C. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und verhängte eine Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt im Anschluss an die Gefängnisstrafe.

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Der Bundesgerichtshof hat das Urteil jetzt in Teilen wieder an das Landgericht zurücküberwiesen. Zwar wird die lebenslange Haftstrafe offensichtlich bestätigt, über die Sicherungsverwahrung muss allerdings erneut verhandelt werden. Das bestätigte der Verteidiger von Catalin C., Rechtsanwalt Dominik Hammerstein aus Freiburg auf Nachfrage des SÜDKURIER.

Die Entscheidung aus Karlsruhe sei gerade erst in seiner Kanzlei eingegangen. Deshalb wollte die Pressestelle des BGH am Mittwoch das Urteil noch nicht öffentlich machen, weil es üblicherweise zunächst den Parteien zugeht.

Hammerstein erklärte, das Urteil des BGH sei "nicht ganz unerwartet" gekommen. Zum einen, was die Aufrechterhaltung des Strafmaßes angeht. Zum anderen aber auch hinsichtlich der Sicherungsverwahrung gegen seinen Mandanten. So soll der BGH seine Entscheidung damit begründen, dass bei der Urteilsverkündung noch kein Urteil aus Kufstein vorlag.

Umstände einer weiteren Tat in Österreich mitentscheidend

Dort wird Catalin C. nämlich ebenfalls angeklagt, im Jahr 2014 eine junge Frau ermordet zu haben. Für die Ermittler im Mordfall Endingen waren die Umstände der Tat in Österreich mitentscheidend, um dem Täter auf die Spur zu kommen. So hatte dieser eine Eisenstange verwendet, die Rückschlüsse auf seinen Beruf als Lastwagenfahrer zuließ.

In dem Urteil des Landgerichts Freiburg hatten die Richter darauf verwiesen, dass Catalin C. auch den Mord an der Studentin Lucile K. im österreichischen Kufstein verübt haben soll. Der BGH habe die Entscheidung "sehr umfangreich begründet" und sei hier sehr in die Tiefe gegangen, sagte Hammerstein nach einer ersten Durchsicht.

Psychische Verfassung von Catalin C. im Blickpunkt

Nun soll dieser Aspekt erneut vor dem Landgericht Freiburg verhandelt werden. Zwar dürften nicht wieder alle Zeugen angehört werden. Allerdings wird aller Voraussicht nach gerade die psychische Verfassung von Catalin C. erneut beleuchtet werden.

Die erneute Verhandlung vor Gericht sei "für alle Beteiligten belastend", sagte Hammerstein. Es werde hier vor allem um eine rechtliche Prüfung gehen. Im Mittelpunkt wird Paragraph 66a Strafgesetzbuch stehen, der den Vorbehalt der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung behandelt.

Klaus-Dieter Stark, beim Landgericht Freiburg zuständig für die Pressearbeit, bestätigte auf Nachfrage dieser Zeitung den Eingang der Entscheidung aus Karlsruhe, verwies aber für weitere Fragen an die Pressestelle des BGH: "Nachdem die Akten noch nicht wieder bei uns eingegangen sind".

Nach Angaben der Badischen Zeitung wird sich die Jugendkammer des Landgerichts als sogenannte Auffangkammer erneut mit dem Fall befassen. Den Vorsitz hat hier Richter Stefan Bürgelin, der auch den Missbrauchsprozess von Staufen im vergangenen Jahr verhandelt hat.