Die Zukunft hat in Immendingen längst begonnen. Drei Jahre hat es gedauert, um alle Genehmigungshürden zu bewältigen, vier Jahre lang wurde gebaut: Am Mittwoch nimmt Daimler nun sein neues Prüf- und Technologiezentrum auf dem ehemaligen Kasernenareal in Betrieb.

Auf einem Teil der 520 Hektar Fläche des einstigen Militärgeländes werden künftig mehr als 300 Mitarbeiter arbeiten. Es geht um die Erprobung von Assistenzsystemen, autonome Fahrfunktionen und Elektrofahrzeuge – die Zukunft Immendingens hängt somit auch mit der Zukunft des Weltkonzerns zusammen.

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Auf 5,2 Quadratkilometern Testfläche werden künftige Daimler-Modelle an ihren Limits getestet. | Bild: Daimler

Dafür wurden über 20 hochmoderne Teststrecken für vielfache Anforderungen geschaffen, auf denen Daimler künftig seine weltweiten Fahrzeugerprobungen bündelt. Für die 6200-Einwohner-Gemeinde Immendingen ist die Ansiedlung des Prüfzentrums, zu dessen Einweihung Kanzlerin Angela Merkel und Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche erwartet werden, ein großer Glücksfall.

2011 fällt die Entscheidung für Daimler 

Seit Ende 2011 stand fest, dass nach einer von der Immendinger Bevölkerung mitgetragenen Entscheidung des Gemeinderats die einstige Kaserne aufgelöst wird und das Daimler-Prüfzentrum an deren Stelle entsteht. Rückblickend auf 2011 erinnert sich Bürgermeister Markus Hugger an den Abzug der französischen Soldaten, den großen Mut der Immendinger, sich für Daimler zu entscheiden und den für Verwaltung und Gemeinderat arbeitsintensiven Weg bis zum heutigen Tag.

„Wir hatten den unbändigen Willen, wir wollen das“, so Hugger. Heute habe die Gemeinde Luxusprobleme wie den Bauplatzmangel für Häuser und Gewerbe, denen aber auch wachsende Steuereinnahmen gegenüberstünden.

Testfahrzeuge sind schon seit 2015 in Immendingen unterwegs

Selbst wenn das Prüfzentrum erst jetzt in Betrieb geht, finden in Immendingen bereits seit geraumer Zeit erste Tests statt. Auf dem 1,5 Kilometer langen Schlechtwege-Verschmutzungs-Modul mit eigenem Einhausungstunnel waren ab Ende 2015 Testfahrzeuge unterwegs.

Bis zu fünf Fahrer drehen dort jeweils vierstündige Runden und setzen die Nobelkarossen Staub, Schmutz und Nässe aus, ehe sie danach in Klimakammern weitere Kälte-, Wärme- oder Salznebeltests durchlaufen. Zwei der ehemaligen Bundeswehrgebäude sind schon frühzeitig zu Bürohäusern umgebaut worden. In ihrem Umfeld gab es anfangs auch erste Erprobungen.

Vier weitere Teststrecken 

Im Oktober 2017 wurden vier weitere Testmodule fertiggestellt. Bei den neuen Teststrecken handelte es sich um das Stadtquartier zum Simulieren von Stadtfahrten, den Albdauerlaufkurs mit kurvenreichen Steigungs- und Gefällstrecken, das 4x4 Modul mit unbefestigten Wegen zur Erprobung von Allrad- und Geländefahrzeugen sowie als markantestes Modul, die Bertha-Fläche für Tests kollisionsvermeidender Fahrassistenzsysteme und fahrerloser Fahrzeuge.

Fristgerecht werden derzeit weitere Teststrecken fertiggestellt, wie etwa die Fahrdynamikfläche oder der Ovalrundkurs, eine Strecke mit 16 Meter breiten Fahrbahnen, 4,1 Kilometern Länge und überhöhten Kurven zur Simulation von Autobahnfahrten.

Wie es nach der Eröffnung weitergeht 

Das Prüfzentrum mit den Testmodulen nimmt am 19. September offiziell den Betrieb auf. Ein Großteil der Teststrecken, die auf dem ehemaligen Standortübungsplatz entstanden sind, kann dann für die Fahrzeugerprobungen bereits genutzt werden. Lediglich im Bereich der einstigen Schießanlage, die Daimler 2017 übernommen hat, sind noch letzte Module geplant, deren Bau bis 2019 dauert.

Die Hochbauarbeiten auf dem früheren Areal der Kaserne, wo unter Nutzung der einstigen Militäranlagen eine große Zentralwerkstatt entstand und ein riesiges Bürogebäude erstellt wird, laufen bis zur Mitte des kommenden Jahrzehnts. Daimler investiert 200 Millionen Euro.