Der Prozess gegen neun Männer, denen unter anderem ein schwunghafter Drogenhandel im Schwarzwald vorgeworfen wird, drohte am vierten Verhandlungstag ins Stocken zu geraten. Die Kammer des Landgerichts Konstanz um den Vorsitzenden Arno Hornstein wurde mit einer Reihe von Anträgen der Anwälte geflutet. Und am Ende klagte auch noch Nicolo M., dem neben Drogendelikten versuchter Mord vorgeworfen wird, über gesundheitliche Überlastung.

Eigentlich hatte der Tag für die Staatsanwaltschaft gut angefangen. Ein Kriminalbeamter aus Rottweil, der die Ermittlungen gegen die Männer führte, hatte mit seinem knapp zwei Dutzend Seiten umfassenden Redemanuskript schon auf dem Zeugenstuhl im Gerichtssaal Platz genommen. Er sollte das vier Jahre dauernde Ermittlungsverfahren umreißen – von den ersten Erkenntnissen bis zu den Durchsuchungen und Festnahmen der Verdächtigen. Dabei ging es offenbar auch um Abhörmaßnahmen und Rechtshilfeersuchen an italienische Behörden, die bei den Ermittlungen eine wesentliche Rolle gespielt haben sollen.

Anwalt verlangt Umbau der Bestuhlung

Doch dazu kam es erst gar nicht. Rechtsanwalt Bernd Behnke (Löffingen) forderte eine "Face-to-face-Befragung" – also Aussagen, bei denen er die Glaubwürdigkeit des Zeugen einschätzen kann. Das gäbe aber der provisorisch umgebaute Gerichtssaal in der ehemaligen Siemens-Kantine derzeit nicht her, so der Anwalt. Eine Videoübertragung des Zeugen auf eine Großleinwand im Saal lehnte er ebenfalls ab. Stattdessen verlangte er einen Umbau der Bestuhlung. "Ich kann von hier aus zumindest nicht vergleichbar den Zeugen sehen", beklagte Behnke.

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Mit mehreren Befangenheitsanträgen überzog der Konstanzer Rechtsanwalt Tomislav Duzel anschließend das Gericht, die schließlich abgelehnt wurden. Erneut hob er darauf ab, dass seinem Mandanten Placido Anello, dem neben Drogenhandel in großem Stil auch illegaler Waffenbesitz vorgeworfen wird, keine Einblicke in die italienischen Ermittlungsakten gewährt worden seien. Zwar wies das Gericht den Antrag als unbegründet zurück, weil er verspätet eingegangen sei. Doch mussten sich die Richter kurz darauf erneut mit Befangenheitsanträgen befassen, die sich teilweise auch gegen die Ersatzrichter richteten, die ihrerseits über die Befangenheit der Richter befinden.

Einer dieser Anträge wandt sich dagegen, dass vor dem Eingang zum Gerichtssaal kein Schild hing, aus dem hervorgeht, dass es sich um eine öffentliche Verhandlung handelt. Duzel sah darin einen Verstoß gegen "elementare strafprozessuale Grundrechte", woraus er eine weitere Befangenheit des Gerichts ableitete. Aus Sicht der Anklage war damit das Maß voll. "Jetzt wird es offenkundig, dass der Prozess verschleppt wird," wetterte Oberstaatsanwalt Joachim Speiermann. Die Anträge seien aus seiner Sicht allesamt unzulässig. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.