Diese Zahlen sind besorgniserregend: Für 2017 registriert die polizeiliche Kriminalstatistik 92 Straftaten, ein Anstieg um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein in Mannheim wurden letztes Jahr zehn Ärzte Opfer von Gewalttaten. Das sind genauso viele Fälle wie im fast doppelt so großen Stuttgart. Diese Zahlen erfragte die AfD-Abgeordnete Christina Baum mit Verweis auf „erhebliche Bedrohungslagen“ gegen Mediziner in anderen Bundesländern.

Meist geht es um Körperverletzungen und Bedrohungen

Besonders steil gehen die Übergriffe gegenüber Ärztinnen seit Jahren nach oben. Für 2014 registrierte die Kriminalstatistik 15 Straftaten gegen Medizinerinnen, vier Jahre später waren es mit 34 mehr als doppelt so viele. In den allermeisten Fällen ging es um Körperverletzungen und Bedrohungen. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) weist in seiner Antwort auf die Grenzen der Kriminalstatistik hin. Opferzahlen für verbale Übergriffe und Beleidigungen würden dort nicht erfasst.

Das könnte Sie auch interessieren

In manchen Fällen waren mehrere Personen an den Straftaten gegen Mediziner beteiligt. 2017 wurden 76 Tatverdächtige gezählt, ein Plus von 26 Prozent. Davon waren 23 Verdächtige Ausländer. Eine große Rolle bei den Attacken spielte Alkohol. 27 Tatverdächtige, fast jeder dritte, war angetrunken. Weitere sechs hatten harte Drogen konsumiert.

Sozialminister Manfred Lucha. | Bild: SK

Lucha verweist auf einen gesellschaftlichen Trend. Auch Polizisten und Rettungskräfte werden immer öfter angegangen. „Ich beobachte die Zunahme von Verrohung sowie verbaler und körperlicher Gewalt in vielen gesellschaftlichen Bereichen mit großer Sorge“, betont der Minister. Es sei mehr „denn je eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung notwendig, um den respektvollen Umgang ohne verbale Entgleisungen und körperliche Gewalt überall – auch in Krankenhäusern und bei Hilfsdiensten, sicherzustellen“.

Bei der Krankenhausgesellschaft Baden-Württemberg sieht man mehrere Ursachen für die Entgleisungen. Das Klientel habe sich geändert, die Ansprüche der Patienten seien gewachsen und Migranten seien oft ein anderes Behandlungssystem gewöhnt, erklärt ein Sprecher. Viele Kliniken hätten ihre Dienstpläne so umgestaltet, dass „in den Notaufnahmen kein Arzt mehr alleine Dienst tut“. Es sei dafür gesorgt, dass stets mehrere Ärzte und Pfleger anwesend sind. Und flächendeckend hätten die Mediziner ein Deeskalationstraining absolviert.

Im Universitätsklinikum Mannheim hat das Personal in der Notfallaufnahme ein Training zur Selbstverteidigung gemacht. Viele Kliniken setzen zusätzlich auf Sicherheitspersonal.