„Ohne ein klares Bekenntnis des Landes, dass ein Wintersportgebiet in Baden-Württemberg gewollt ist, stehen wir irgendwann vor dem schleichenden Tod.“ Mit diesen Worten fordert der Feldberger Bürgermeister und Schwarzwälder Ski-Präsident Stefan Wirbser die Unterstützung aus Stuttgart und des Freiburger Regierungspräsidiums ein, um das Skigebiet am Feldberg durch Investition in Beschneiungssysteme schneesicher zu machen. Der Wintersport habe große wirtschaftliche Bedeutung, deshalb müsse man mit Technik auf ausbleibenden Schneefall und das veränderte Klima reagieren.

Blick nach Nordrhein-Westfalen

Wirbser verweist auf Nordrhein-Westfalen. Dort habe die Landesregierung mit einem Startkapital von 25 Millionen Euro in den Wintersportorten Winterberg und Altastenberg dafür gesorgt, dass die Hänge komplett beschneit werden können. Massiv investiert worden sei auch in den hessischen Wintersportort Willingen, dessen Skigebiete im Vergleich mit den alpinen Verhältnissen am Feldberg nicht viel mehr als „Kinderhügel“ darstellen.

Die Investitionen im Sauerland hätten Folgen gehabt, sagt Thorsten Rudolph, Geschäftsführer der Hochschwarzwald Touristik GmbH (HTG). „Wir hatten in den vergangenen Wintern schon spürbare Rückgänge von Gästen aus Nordrhein-Westfalen, die jetzt die klar verbesserten Möglichkeiten vor der Haustür nutzen statt in den Schwarzwald zu kommen.“

Zur künstlichen Produktion von Schnee gehören Schneeerzeugungsmaschinen wie Schneelanzen oder Schneekanonen. Bei minus zwei bis minus drei Grad kann heute Schnee produziert werden – der Grad der Luftfeuchtigkeit spielt auch eine gewisse Rolle.

Widerstände unter Umweltschützern

Am Feldberg können bislang nur die Abfahrten einzelner Lifte mit Kunstschnee versorgt werden – ein Drittel des gesamten Skigebiets. Das liegt, so Stefan Wirbser, vor allem an der unzureichenden Speicherkapazität für gesammeltes Regenwasser. „Wir haben zu wenig Speicherseen, nur einige verstreute Tümpel.“ Ein zentraler großer See, der Regenwasser sammelt, werde benötigt, für bis zu 300.000 Kubikmeter Wasser, zehn Meter tief und 40 Meter umfassend. Er soll beim Feldberg-Parkhaus in den Berg gegraben werden, für die Genehmigung laufen Vorgespräche, mit einem Bauantrag ist bald zu rechnen. Wirbser hofft auf das Wohlwollen der Landesbehörden.

Unter Umweltschützern gibt es erhebliche Widerstände gegen künstliches Beschneien. Wirbser spricht von „unsachlichen Vorhaltungen“. Den Bauern klaue man das Wasser, würde behauptet, und die maschinelle Schneeerzeugung verbrauche die Stromproduktion eines ganzen Atomkraftwerks. „Unnatürlich“ sei es, künstlich Schnee zu machen. Wobei die Natur den Schneeproduzenten durchaus öfter im Wege steht. Joachim Häfker, Chef der für Weltcups genutzten Hochfirst-Schanze in Titisee-Neustadt, hat schon erlebt, dass es zwar bitterkalt war, aber wegen ausgebliebenen Regens Wasser fehlte, um Schnee zu erzeugen. Auch Stefan Wibser weiß, dass in den letzten zwei Jahren die Niederschläge im Schwarzwald deutlich rückläufig waren. Umso wichtiger sei ein größerer Speicher. „Viel Vorrat“, weiß Häfker, „das ist das Thema“.

Skisport-Befürworter wie Wirbser und Häfker setzen auf die maschinelle Skiproduktion, und auf das Anlegen von Schneedepots: zwei davon werden demnächst im Hochschwarzwald abgedeckt – bei der Schanze in Titisee-Neustadt und auf dem Notschrei beim Biathlon-Leistungszentrum. Dort besteht Hoffnung, dass 70 Prozent der gelagerten Schneemenge unter Sägemehl und Kunststoff-Platten den Sommer über erhalten geblieben ist.

Finanzielle Vorbehalte gegen den Skibetrieb am Feldberg führt der Bund Umwelt- und Naturschutz an. Feldberg und St. Blasien hätten wegen der hohen Kosten mit die höchste Pro-Kopf-Verschuldung im Land. Sogar für Parkhaus-Defizite müsse Feldberg aufkommen – zuletzt mit 120 000 Euro Nachzahlung an den privaten Betreiber. Wirbser hält dem entgegen, der Skibetrieb habe über Jahrzehnte Millionenerträge abgeworfen, mit denen in Feldberg „vom Kindergarten über den Friedhof bis hin zum Gehalt des Bürgermeisters“ vieles finanziert werde.

Der Feldberg

Mit 1493 Metern ist er der höchste Berg Deutschlands außerhalb der Alpen. Das Naturschutzgebiet Feldberg ist das älteste und größte in Baden-Württemberg. Höchste gemessene Schneehöhe 350 Zentimeter (1970), tiefste gemessene Temperatur 1956 minus 30,7 Grad. Die politische Gemeinde Feldberg wurde 1937 im "Dritten Reich" gegen Widerstände der Nachbarn gegründet. St.Blasien und Menzenschwand haben großen Grundbesitz im Skigebiet und sind deshalb neben Feldberg und Todtnau am Liftbetrieb beteiligt. An einer Fusion der Ski-Aktivitäten wird gearbeitet. (uh)