Die 7300 Einwohner der Gemeinde Albbruck am Hochrhein erleben harte Zeiten: 2011 wurde die Papierfabrik nach dem Verkauf an einen US-Investor dicht gemacht – 600 Menschen verloren ihre Arbeitsplätze. 2015 wurde die in Albbruck beginnende, touristisch bedeutende Albtalstrecke mit ihren fünf Tunneln wegen Felssturzrisikos gesperrt. Und jetzt soll die Gemeinde auch noch ihre denkmalgeschützte Eisenbahnbrücke von 1856 verlieren, von der viele sagen, dass sie seit 1924 das Gemeindewappen schmückt. Für den 18. Februar haben die Abriss-Gegner zu einer Demonstration aufgerufen.

Die Bahn AG will im Hinblick auf die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke die markante Bogenbrücke aus Granit in der Ortsmitte abreissen und durch eine Brücke aus Beton ersetzen. Kostenpunkt: 19 Millionen Euro. Das Planfeststellungsverfahren für den Neubau ist seit Sommer 2016 abgeschlossen. Erst jetzt, nach einem Info-Abend, bei dem der Bauablauf bis 2019 erläutert wurde, gehen Bürger gegen den Abriss auf die Barrikaden.

Seit Ende 2014 waren die Pläne der Bahn bekannt. Der Gemeinderat hat den Abriss der Brücke abgelehnt. Dabei hatte man sich wohl ganz darauf verlassen, dass das Landesdenkmalamt niemals eine Beseitigung der alten Brücke zulassen würde. Die Bahn hatte anfänglich eine Sanierung und Modifizierung des Viadukts im Sinn – doch die hat das Denkmalamt abgelehnt. Daraufhin betrieb die Bahn den Neubau. Laut Projektleiter Menes Khalil-Meister von DB-Netz gaben Wirtschaftlichkeitsberechnungen den Ausschlag: "Alleine der Unterhalt für die modifizierte alte Brücke liegt zehn Mal höher als bei einem Neubau und würde sich bei 80 bis 100 Jahren Lebensdauer auf über 40 Millionen Euro summieren."

Hendrik Leonhardt, Oberkonservator beim Landesamt für Denkmalpflege, betont: "Wir haben lange geprüft und es uns nicht leicht gemacht." Die ursprünglichen Pläne der Bahn, das Brückendeck mit einer Betonplatte gegen Nässe abzudichten und zu verbreitern, hätten bedeutet, dass das Bauwerk den denkmalgeschützten Status verliert. "Der Verlust an historischer Bausubstanz sowie die Veränderung des Erscheinungsbildes wären zu massiv", so Leonhardt.

„Mit dem Einknicken des Denkmalamtes war die alte Brücke erledigt“, glaubt Bürgermeister Stefan Kaiser. Er hat von der Bahn das Zugeständnis bekommen, dass die alten Brückenquader in Albbruck bleiben und die Bahn im Bereich der Brückensohle einen alten Durchgang am Albufer saniert, der für den geplanten touristischen Albsteig in Richtung Feldberg wichtig ist. „Mehr ist nicht drin‘ gewesen“, so der Bürgermeister.

Das sehen die Abriss-Gegner ganz anders. Sie kritisieren, dass Gemeinderat und Bürgermeister die Bevölkerung und die politischen Abgeordneten nicht viel stärker gegen das Abriss-Vorhaben der Bahn mobilisiert haben. „Sanierung und Umbau der alten Brücke wären zu einem Bruchteil der 19 Millionen-Neubaukosten möglich“, glaubt Artur Werner, einer der Initiatoren des Widerstands. Für den pensionierten Bauingenieur ist der Abriss „bautechnisch völlig unsinnig“. Eine Modifizierung sei möglich, ohne dass die Brücke ihren baulichen Charakter verliere.

Die Abriss-Gegner halten den Brücken-Neubau auch für eine Verschwendung von Steuermitteln: Die 19 Millionen bezahlt der Bund, sprich der Steuerzahler; Sanierung und Ausbau der Brücke müsste die Bahn zu einem guten Teil selbst finanzieren, so der Projektleiter.