Stuttgart – Gut zwei Jahre vor der nächsten Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart haben die Bürger der Landeshauptstadt ihrem Rathauschef Fritz Kuhn (Grüne) schlechte Noten erteilt: 56 Prozent der Stuttgarter sind nach einer gestern vorgestellten Forsa-Umfrage für das RTL/n-tv-Trendbarometer mit der Arbeit von Kuhn unzufrieden, lediglich gut ein Drittel (39 Prozent) der Bürger zeigt sich zufrieden. In der Umfrage wurden die Oberbürgermeister der 15 größten deutschen Städte von den Bürgern bewertet. Mit 72 Prozent am höchsten war die Zufriednheit mit dem Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), am unzufriedensten (64 Prozent) waren die Bremer mit ihrem Stadtchef Carsten Sieling.

Verkehr größtes Problem

In Stuttgart klagten die meisten Menschen über die Verkehrsprobleme (77 Prozent), den schlechten Wohnungsmarkt (52 Prozent) und die Schadstoffbelastung der Luft (48 Prozent).

"Für Fritz Kuhn ist das sicher ein schwieriger Wert", ordnet Karl-Ulrich Templ, stellvertretender Direktor der Landeszentrale für politische Bildung und dort Leiter des Bereichs Medien und Methoden, die Bedeutung des Umfragewerts ein. "Einerseits ist das zu einem so frühen Zeitpunkt vor der Wahl eine Momentaufnahme und kein unumstößlicher Wert", so Templ. "Das kann sich durch ein konkretes Ereignis noch ganz schnell verändern – in die eine oder in die andere Richtung." Allerdings sollte sich Kuhn gründlich fragen, ob er verstanden werde mit seiner Politik, so Templ. Die hohe Unzufriedenheit sei auf jeden Fall ein Signal dafür, dass in der Vermittlung von Politik und in der Kommunikation etwas schiefgelaufen sei, glaubt der Politikwissenschaftler.

Kuhn: Packe auch Unpopuläres an

Der 63-Jährige Grünen-Politiker selbst, seit Januar 2013 erster grüner Oberbürgermeister in Stuttgart, nimmt die Ergebnisse der Umfrage "sportlich", wie er auf Anfrage sagt. "Seit meinem Amtsantritt habe ich auch unpopuläre Themen angepackt, damit erreicht man nicht nur Zuspruch, aber für die Stadt ist es in der Summe besser." Er arbeite intensiv daran, die Lebensqualität in Stuttgart stetig zu verbessern, sagt Kuhn. "Dazu gehören weniger Verkehr, bessere Luft und bezahlbarer Wohnraum. Alles aktuelle Herausforderungen für Stuttgart – und auch die Themen, die laut der Umfrage die Bürger besonders bewegen."

OB wird Ende 2020 neu gewählt

An Selbstbewusstsein mangelt es Kuhn, der in der Stadt nicht nur Fahrverbote durchsetzen muss, sondern auch durch mehrere Bürgerinitiativen wie die Stuttgart-21-Gegner oder die Initiative "Aufbruch Stuttgart" viel Gegenwind hat und ohnehin im Ruf steht, ein eher unnahbares Stadtoberhaupt zu sein, jedenfalls nicht. Er mache nicht auf 'Everybody's Darling', sagte Kuhn unlängst im Gespräch mit dem SÜDKURIER auf die Frage, ob er sich für einen beliebten Oberbürgermeister halte. Er werde jedenfalls freundlich gegrüßt in der Stadt, und darüber hinaus "frage ich mich nicht täglich, ob es jemand nicht einsieht, was ich für ein Held bin", sagte Kuhn damals. Ob Kuhn sich Ende 2020 – dann im Alter von 65 – erneut in Stuttgart zur Wahl stellt, will er ohnehin erst Anfang 2020 entscheiden.