Neulich um Ostern herum war es wieder besonders krass: Überall in Stadt und Land standen die Autos im Weg. Auf der Insel Mainau kamen auf eine einzige blühende Tulpe schätzungsweise fünf Blechkutschen. Als begnadeter Verkehrsplaner kam mir die Idee, die Autos doch einfach auf den Autobahnen zu lassen. Dort gehören sie hin, wie schon der Name sagt, dort stören sie niemanden. Leider habe ich mich aber verschätzt. Dieses Blech passt nämlich gar nicht alles auf die Autobahnen. Die Autobahnen haben in Deutschland zusammen eine Länge von 12 993 Kilometer. Aber nicht einmal dann, wenn sie alle mindestens dreispurig in jede Richtung ausgebaut wären, würde der Platz reichen. So eine dreispurige Fahrbahn hat pro Richtung eine Normbreite von 14,5 Metern, Standstreifen inbegriffen. Und auf 14,5 Metern Breite könnte man bequem fünf Autos nebeneinanderstellen. Macht also in beiden Richtungen 10 Autos, die Seite an Seite auf der Autobahn parken könnten. Wenn also 10 Autos auf einer Autobahn nebeneinander passen, dann bringen wir auf einer Gesamtautobahnlänge von 12 993 Kilometern eine Gesamtautoschlange von 129 930 Kilometer unter. Logisch, oder?

Die Durchschnittslänge eines PKWs beträgt hierzulande 4,77 Meter. Das haben das Institut für Verkehrssystemtechnik der Westsächsischen Hochschule Zwickau und das Zentrum für Verkehr und Stadtbauwesen in der Innovationsgesellschaft Technische Universität Braunschweig mbH herausgefunden. Das bedeutet, dass wir auf 129 930 Kilometer Länge Stoßstange an Stoßstange nur 27 238 993 Autos unterbringen. Leider stehen aber in Deutschland, Stand 1. Januar 2017, laut Kraftfahrt-Bundesamt 45 803 560 PKW herum. Es fehlt also auf unserem Autobahnnetz Platz für 18 564 567 Autos. Um alle Autos unterzubringen, bräuchten wir weitere 8855 Kilometer Autobahn.

Ein Kilometer Autobahn kostet im Schnitt 10 Millionen Euro, der Verkehrsetat sollte deshalb um 88,5 Milliarden Euro aufgestockt werden. Nach Verursacherprinzip müsste dieses Geld selbstverständlich von uns Fahrzeuginhabern aufgebracht werden. Das wären 1933 Euro pro Auto, gerade mal sechs Prozent eines durchschnittlichen Neuwagenpreises. Ein Nasenwasser angesichts der Vorteile, die meine Lösung brächte: Parkhäuser könnte man zu Wohnhäusern umbauen und damit den Mangel an bezahlbarem Wohnraum ein für alle Mal beheben. Aus Parkplätzen würden Parks. Das Beste: Keiner müsste auf sein Auto verzichten. Fahren könnte zwar auch niemand mehr. Aber jeder hätte einen sicheren Parkplatz, auch das ist heutzutage bekanntlich ein unschätzbares Gut. Und die Insel Mainau könnte auf ihren frei gewordenen Autoparkplätzen weitere Tulpen pflanzen. Alle würden sich freuen.