Georgette Arnouk hat eine besondere Beziehung zu Deutschland. "Mein Traum war es schon immer, einmal nach Deutschland zu kommen", sagt die 25-jährige Syrerin. "Das liegt am Fußball. Ich liebe die deutsche Nationalmannschaft", sagt sie und lacht. Nach Deutschland führten sie schließlich andere Gründe: Krieg in der Heimat und Hoffnung auf ein besseres Leben. 

Die Chance darauf bot ihr das Projekt Führungskräfte für Syrien. "Ich habe meinen Bachelor in Damaskus gemacht und wollte weiter studieren, aber dort war es nicht mehr sicher. 2014 bin ich nach meinen Abschluss auf das Programm in Deutschland aufmerksam geworden und habe mich beworben", erzählt Georgette Arnouk. Unter 5000 Bewerbern erreichte sie die engere Auswahl und wurde zu einem persönlichen Gespräch mit der Prüfungskommission eingeladen. Dafür reiste sie aus Syrien in den Libanon. In der deutschen Botschaft in Beirut fand das Auswahlgespräch statt und schaffte es, einen der knapp 200 Plätze im Projekt zu erhalten. 

Gemeinsam mit ihrer Projektgruppe lernt Georgette Arnouk an der Universität Konstanz, welche Fähigkeit eine Führungskraft, besonders im Wiederaufbau, haben muss.
Gemeinsam mit ihrer Projektgruppe lernt Georgette Arnouk an der Universität Konstanz, welche Fähigkeit eine Führungskraft, besonders im Wiederaufbau, haben muss. | Bild: Lena Mehren

Zusätzlich muss sie sich um einen Masterplatz in Deutschland kümmern. Den benötigt sie, um am Projekt teilnehmen zu können. In Halle beginnt sie ein Studium in pharmazeutischer Biotechnologie und verlässt ihre Familie in Syrien. "In meiner Heimat war ich seither nicht mehr. Ich habe meine Eltern einmal im Libanon getroffen", berichtet Arnouk. Ihre Eltern leben in Tartus, einer kleinen Stadt am Meer. Dort sei es zwar etwas sicherer als in den großen Städten, trotzdem werde die Situation immer schwieriger. "Sie arbeiten sehr viel, aber durch den Krieg wird alles immer teurer. Sie haben ein besseres Leben verdient", sagt die 25-Jährige.

Auch für ihre Eltern möchte die junge Syrerin wieder zurück in ihre Heimat gehen. "Wenn der Krieg vorbei ist, möchte ich gerne wieder zurück. Ich möchte in Syrien etwas machen und bewegen", sagt Arnouk. Sieben Jahre habe sie jetzt bereits studiert, und wenn sie die Chance erhalte, in Syrien etwas zu ändern, möchte sie das wahrnehmen. 

Gleichzeitig ist sie aber auch dankbar für die Unterstützung aus Deutschland. "Ich möchte gerne auch Deutschland etwas zurückgeben, dafür dass ich das Stipendium bekommen habe. Ich möchte hier arbeiten, bis die Situation in Syrien klarer wird." 

Auch wenn das Ende des Krieges noch nicht feststeht, hat Georgette Arnouk bereits eine Vorstellung von ihrer Rückkehr. "Mein Fachbereich wird sehr gebraucht. Ich arbeite gerne im Team, das habe ich besonders hier im Begleitprogramm gelernt. Mir sind die Kommunikation und der Austausch wichtig, das möchte ich auch in einer Führungsebene in Syrien umsetzen", so Arnouk. Sie könne sich beispielsweise vorstellen, vielleicht eine kleine Firma zu gründen. 

Auf Hilfe aus Deutschland möchte sie auch nach dem Projekt weiterhin zurückgreifen. "Im Programm entstand ein großes Netzwerk. Es gibt sehr viele qualifizierte Professoren und auch hilfreiche Tutoren, die ich gerne auch in Zukunft um Hilfe bitten werde", sagt Georgette Arnouk. 

 

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