Herr Harms, Crowdfunding gibt es in Deutschland seit rund sechs Jahren. Wie ist die Entwicklung?

Crowdfunding hat sich über die Zeit in Deutschland kontinuierlich weiterentwickelt und zunehmend etabliert. 2015 wurden hierzulande weit über 100 Millionen Euro eingesammelt. Manch einer hat möglicherweise einen noch schneller wachsenden Markt erwartet. Ich persönlich empfinde die Marktentwicklung als erfreulich. Crowdfunding ist auf dem Weg, seinen festen Platz in der deutschen Finanzierungslandschaft zu finden. Die Entwicklung ist nachhaltig und kein kurzlebiger Hype, da die Finanzierung über die Crowd wirkliche Mehrwerte schafft.

Was erwarten Sie für die Zukunft?

Crowdfunding wird sich als alternative Finanzierungsmöglichkeit etablieren. Dabei werden auch weitere Anwendungsgebiete für Crowdfunding entdeckt. Es gibt im Grunde nichts, was nicht auch über die Crowd finanziert werden kann. Große Potenziale liegen z.B. auch im Mittelstand. Denn Crowdfunding ist, neben dem Finanzierungsaspekt, auch ein Marketing- und Vertriebsinstrument.

Wieso hat es Crowdfunding hierzulande schwerer als beispielsweise in den USA?

Die Mentalitätsunterschiede zwischen den USA und Deutschland spielen mit Sicherheit eine Rolle bei der Akzeptanz. In den USA ist man in vielen Dingen grundsätzlicher vielleicht ein wenig begeisterungsfähiger und offener für neue Ideen. Auch die private Kunst- und Kulturförderung ist ausgeprägter. Aber Crowdfunding in Deutschland braucht sich überhaupt nicht zu verstecken. Es sind viele richtig gute Crowdfunding-Kampagnen aus Deutschland gekommen, die zum Teil auch international sehr erfolgreich waren. Wenn das Grundprinzip Crowdfunding in den deutschen Köpfen verankert ist, werden es Projektstarter auch einfacher haben.

Ist Crowdfunding die virtuelle Neuauflage des Spendensammelns oder steckt mehr dahinter?

Beim sogenannten Crowddonating werden in der Tat Spenden gesammelt. Es gibt keine konkrete Gegenleistung. Crowdfunding hat aber meist einen direkten Projektbezug, beinhaltet eine aktive Einbindung der Unterstützer und folgt dem „Alles-oder-Nichts-Prinzip“. Hier sehe ich die Weiterentwicklung zum klassischen Spendensammeln.