Der Alarm kam kurz vor 19 Uhr. Die komplette Feuerwehr St. Georgen um Kommandant Christoph Kleiner rückte an diesem 28. Januar zu einem Großbrand aus. Eine 77-jährige Frau konnte – wenn auch mit schweren Verletzungen – gerettet werden. Das Haus brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Einsätze wie dieser spiegeln die Bedeutung der Feuerwehren in Städten und Gemeinden wider. Kein Wunder, dass auch bei Umfragen in der Bevölkerung der Beruf des Feuerwehrmannes ganz oben steht. Feuerwehren sind aus Bürgerssicht eine Art Lebensversicherung. Längst werden sie nicht nur bei Bränden gerufen; auch nach Verkehrsunfällen, Naturkatastrophen, Flugzeugunglücken und Chemieunfällen tauchen die Retter in der Not auf. Und die Zahl der Einsätze in Baden-Württemberg steigt: von 123 000 im Jahr 2010 auf inzwischen 150 000.

Nicht alle Jugendlichen bleiben

"Auf unsere Feuerwehren ist Verlass", erklärte unlängst Landes-Innenminister Thomas Strobl (CDU). Dieses Etikett haben sich die 180 000 Angehörigen der Freiwilligen sowie der Werks- und Berufsfeuerwehren im Land hart erarbeitet. Nicht zuletzt durch eine konsequente Nachwuchsförderung. Der Feuerwehrverband wies zuletzt 30 000 Angehörige bei den Jugendfeuerwehren aus. Dennoch: "Bei der Nachwuchssuche muss man heute mehr tun als früher", weiß Christian Gorber, Sprecher der Feuerwehren im Bodenseekreis.

Wer heute bei der Jugendfeuerwehr ist, tritt später nicht mehr automatisch der örtlichen Feuerwehr bei, weil Studium und Beruf oft woanders warten. "Wir haben bei der Jugendfeuerwehr einen Wirkungsgrad von starken 50 Prozent," sagt Gorber. Es bleibt also nur jeder zweite. Erfreulich zugenommen habe hingegen die Bereitschaft sich zu engagieren. "Es gibt immer mehr Berufstätige, die sich fragen: War es das in meinem Leben? Ich glaube, da kann Feuerwehr schon etwas bieten."

"Das Geschäft ist ist ein sehr schnelles"

Vielfach gab es Klagen über einen Mitgliederschwund. Zumindest für den Bodenseekreis deutet sich nach den Worten Gorbers hier eine vorsichtige Umkehr an. In seiner Heimatstadt Überlingen mit knapp 23 000 Einwohnern gibt es sogar eine leicht steigende Tendenz: "Die sieht man auch anderswo", zeigt sich Gorber erfreut. "Womit wir zu kämpfen haben, ist die Tagesverfügbarkeit, die vereinzelt auch an Wochenenden zum Problem wird." War früher der Mitarbeiter eines ortsansässigen Betriebes der Garant für die Einsatzbereitschaft der örtlichen Wehr, so stellen heute die berufsbedingte Mobilität und ein geändertes Freizeitverhalten die größten Herausforderungen dar. "Unser Geschäft ist halt ein sehr schnelles," sagt der Feuerwehrmann.

Sehen Sie hier im Video, wie gefährlich Einsätze der Feuerwehren sind:

 

 

Technische Entwicklung hilft

Dabei spielt den Feuerwehren die technische Entwicklung in die Hände. Etwa dank moderner Funkmeldeempfänger, über die inzwischen einige Wehren verfügen. Alarmiert werden die Feuerwehrleute übers Funknetz. An dem Taschen-Gerät gibt's eine Rückmeldefunktion per SMS in drei Varianten, die besagen: "Ich komme", "Ich komme etwas später" und "Ich kann nicht kommen". Eine weitere Funktion ermöglicht das Abmelden, so dass die genaue Verfügbarkeit gespiegelt wird.

"Wenn ich als Zugführer ins Feuerwehrhaus laufe, kann ich sehen: 20 Mann sind grün. Dann kann ich einschätzen: Ein Löschzug hat 18 Leute, das müsste von der Qualifikation etwa passen. Wenn nur zehn Leute grün sind, reicht das gerade für das erste Fahrzeug und die Drehleiter; dann muss ich unter Umständen zusätzliche Feuerwehrleute nachalarmieren." In kleineren Orten, in denen die Tagesverfügbarkeit schnell unterschritten wird, sind in das Alarmierungskonzept von Anfang an auch Nachbargemeinden eingebunden.

Problemzone Fitness

Die Problemzonen der Feuerwehr liegen freilich zunehmend bei der Fitness. So beklagte die Feuerwehr in Uhldingen-Mühlhofen kürzlich, dass zu wenig Atemschutzträger verfügbar sind. Wer dafür infrage kommt, muss zwingend den ärztlichen TÜV passieren. Jüngere haben hier zunehmend Probleme, heißt es in Feuerwehrkreisen. "Irgendwann so ab 50 wird es auch noch beschwerlicher", sagt Gorber. Dann steigt das Risiko. Laut einer Studie der Landesfeuerwehrschule ist die Belastung bei einer Atemschutzübung derjenigen eines Jetpiloten vergleichbar.

Unbefriedigend ist aber auch die Versorgung von Hinterbliebenen, wenn sie nicht verheiratet sind. "Da gibt es Defizite, denn diese Feuerwehrleute sind heute schlechter gestellt. Da muss nachgearbeitet werden", findet der Feuerwehrmann. Eine Herausforderung stellt sich auch durch Gaffer dar, die Rettungseinsätze behindern, etwa wenn sie auf Straßen keine Rettungsgasse bilden: "Man hört das im Umfeld immer häufiger," weiß Gorber. Daher spricht er sich im Zuge der Diskussion um Videokameras in Autos dafür aus, dass in jedes Einsatzfahrzeug eine solche Dashcam gehört, die beim Einsatz mitläuft. Mit aller Konsequenz für die Unbelehrbaren: "Notfalls sollte die Polizei darauf Zugriff haben."

 

Das sollte man zur Feuerwehr wissen

  • Aufgaben der Feuerwehr sind Retten, Löschen, Bergen, Schützen. Außerdem berät sie bei größeren Bauvorhaben und sie betreibt aktiven Umweltschutz, etwa durch die Eindämmung von Ölunfällen. Unter den 110 456 Mitgliedern der Gemeindefeuerwehren sind 5837 weiblich. Altersgrenzen für den aktiven Dienst: zwischen 17 und 65 Jahre.
  • Die Finanzierung der Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinden. Diese müssen eine angemessene Ausstattung unterhalten. Das Geld kommt teilweise aus Steuermitteln der Gemeinde und aus dem Landeshaushalt. Auch Teile der Feuerschutzsteuer, die von Versicherungen erhoben werden, fließen beispielsweise in den Bau von Feuerwehrhäusern.
  • Die Hilfsfrist wird in den Hinweisen zur Leistungsfähigkeit der Gemeindefeuerwehr des Landesfeuerwehrverbandes und des Innenministeriums definiert. Danach muss die Feuerwehr zehn Minuten nach Entedckung einer Notsituation vor Ort sein. Daraus errechnet sich, wie viele Fahrzeuge und Feuerwehrleute eine Gemeinde braucht. Deshalb muss eine Stadt mit höheren Gebäuden eine Drehleiter vorhalten.
  • Die Aufwandsentschädigung der Gemeinde beträgt im Allgemeinen pro Feuerwehrangehörgigen 12 Euro je Einsatzstunde. Übers Jahr gerechnet entspricht das – einschließlich der Nacht- und Wochenend-Entschädigung – ungefähr den Aufwendungen, die früher als Lohnfortzahlung an den Arbeitgeber gingen.
  • Wer in Not gerät, dem hilft die Feuerwehr grundsätzlich kostenfrei. Denn Brandbekämpfung und Menschenrettung gehören zur Pflicht der Feuerwehren. Bei böswilligem Verschulden kann der Verursacher zur Kasse gebeten werden. Die Kosten richten sich nach der kommunalen Satzung. (nik)

 

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