Selten hat mich die Lektüre des Wirtschaftsteils dieser Zeitung so gefreut wie neulich. Und zwar deshalb, weil ich erfahren habe, dass ich nun ruhigen Gewissens weitere 383 Jahre lang Skifahren kann. Zwar ist es wenig wahrscheinlich, dass ich dann noch am Leben bin, in 383 Jahren schreiben wir – das heißt, wir nicht mehr, sondern die – das Jahr 2400. Aber umso sicherer kann ich sein, dass ich bis an mein Lebensende ohne Reue werde Ski fahren können. Zumindest theoretisch. Was weiß ich, welche Zipperlein mich daran hindern könnten, auf zwei Skiern und zwei Beinen gepflegt den Diedamskopf von ganz oben bis ganz unten hinabzufahren.

Mein ruhiges Gewissen – es handelt sich dabei um mein Umweltgewissen – rührt daher, dass ich nicht die Absicht habe, in die Karibik zu fliegen. Es ist nämlich so: Wie der SÜDKURIER berichtete, hat Professor Ralf Roth von der Sporthochschule in Köln ausgerechnet, dass in punkto Kohlendioxid-Ausstoß ein einziger Flug in die Karibik 140 000 Skifahrertagen in den Alpen gleichkomme. Und 140 000 Tage, das sind eben 383 Jahre und ein paar Tage.

Halt. Denkfehler! Diese 383 Jahre würden ja bedeuten, dass ich tagein tagaus Ski fahre. Das kann ich nicht. Ab und zu muss ich ja in der Redaktion sein, um solche grundlegenden Texte wie diesen hier zu verfassen. In Wirklichkeit fahre ich vielleicht fünfzehn Tage pro Jahr Ski, wenn’s hochkommt. Das heißt, dass ich in 383 Jahren nur 5745 Tage Ski fahre. 5745 Tage von 140 000, die mir aufgrund meiner Karibikflugabstinenz zustehen. Das bedeutet, dass ich nicht nur 383 Jahre lang ruhigen Gewissens Ski fahren kann, sondern 9333 Jahre lang. Man könnte mich also rein theoretisch noch im zwölften Jahrtausend frisch und munter den Berg herunterkurven sehen.

Übrigens habe ich neulich Rotweine bestellt. Und zwar ausschließlich europäische. Ich hätte natürlich auch Weine aus Neuseeland, Chile oder Kalifornien bestellen können. Habe ich aber nicht. Ich stehe auf europäische Rotweine. Die genieße ich zwar nur in Maßen, aber übers Jahr kommen schon ein paar Fläschchen zusammen. Nach dieser Skifahrertag-Karibikflug-Gleichung stelle ich mir nun die Frage, wie viel Kilogramm Kohlendioxid ich der Welt dadurch erspart habe, dass ich den Wein nicht aus Übersee in mein Heim fliegen ließ. Ich schätze, da kommen auch ein paar europäische Weintrinkertage zusammen, sodass ich meinen Weinkonsum ruhigen Gewissens gehörig erhöhen könnte.

Das wäre aber ungesund und würde womöglich mein Skifahrerleben unnötig verkürzen. Aber könnte ich nicht meine Weintrinker-Bonustage umrechnen in Skifahrertage und zu den 140 000 dazurechnen? Au ja, das mach ich.