Es sind Bilder, die nicht nur von einer anderen Zeit, sondern von einem anderen Leben, ja von einer anderen Welt erzählen. Die meisten sind schwarz-weiß, manche schon vergilbt, andere sauber in Plastik verschweißt. Sie hängen an der weißen Wand aus Backsteinen. Kante an Kante tapezieren sie den Raum. Die niedrige Decke lässt keine Fluchtpunkte zu, sie zwingt den Besucher, den Blick auf die Fotografien zu konzentrieren. Die Menschen, die von dort in den Raum starren, tragen lange Kleider und geflochtene Zöpfe, die Männer haben Mützen auf dem Kopf und ein Pferdegespann an der Hand.

„Das hier ist die Mutter meiner Frau“, sagt Alexander Flügler und deutet auf ein etwas unscharfes Foto, das eine Gruppe vor einem Gebäude mit der Aufschrift „Maggi“ zeigt. Es sind Arbeiterinnen, die hier in Singen in der Fabrik eine Anstellung gefunden haben. Zumindest auf Zeit muss so etwas wie Normalität in ihr Leben eingekehrt sein. Geregelte Arbeitszeiten, geregelte Abläufe, geregelte Wohnverhältnisse. Eingepasst in die Formate der Mehrheitsgesellschaft. Was Flügler in seinem Keller hängen hat, wirkt wie Alltagsfotografie – und doch ist es ein nicht alltägliches Relikt. Denn die Menschen, denen er in seinem Keller beinahe so etwas wie ein kleines Museum gewidmet hat, sind Jenische. Eine Volksgruppe, die seit vielen Jahren nicht nur gegen das Vergessen, sondern auch um gesellschaftliche Anerkennung kämpft. Alexander Flügler aus Singen ist einer von ihnen.

Die Barackensiedlung in Singen, in die nach dem Krieg die Jenischen zogen.
Die Barackensiedlung in Singen, in die nach dem Krieg die Jenischen zogen. | Bild: Flügler

„Ich bin stolz, ein Jenischer zu sein“, sagt Flügler. „Deshalb will ich, dass unsere Kultur nicht vergessen wird.“ Landläufig galten die Jenischen als Landfahrer, viele verwechseln sie mit den Sinti. Von diesem vagen Wissen ist die Gruppe zumindest außerhalb ihrer Kerngebiete längst auf den Weg ins Nirwana der öffentlichen Aufmerksamkeit gewandert. Einen ersten Erfolg hat Flügler erzielt: Er war als offizieller Vertreter der Jenischen in Berlin und nahm im Bundesrat an einer Gedenkstunde an die Opfer des Nazi-Regimes teil. Ein bloßes Symbol – doch für die Jenischen von immenser Bedeutung. Öffentliche Anerkennung: das ist es, was er möchte. Um das voranzutreiben, hat Flügler nun gemeinsam mit zwei Handvoll Mitstreitern in Singen einen Förderverein gegründet, der sich zugleich als soziales Hilfsprojekt versteht. Neben der Bewahrung der Kultur will die Gruppe es sich zur Aufgabe machen, konkrete Unterstützung für die Jenischen anzubieten: Berufsberatung, Familienberatung – Hilfe zur Selbsthilfe geben. Noch ringt Flügler mit der Stadt um Grundstücke und Gebäude, die ihm diese für ein Kulturzentrum zur Verfügung stellen soll. Er fühlt sich ungerecht behandelt von der Politik und deren Verwaltung. „Die Stadt soll zeigen, dass sie auch einmal etwas macht für die Jenischen“, sagt er. Gerade jetzt, wo es so viel um Integration gehe, sei es doch an der Zeit, auch die zu integrieren, die hier geboren wurden, sagt er und spricht damit den Kern des Problems an: Die Gräben sind bisweilen tief. Flügler weiß: „Unser Volk ist auch nicht immer einfach.“

Alexander Flügler in seinem Garten. An die Wand hat er ein Bild einer typischen Szene aus dem jenischen Familienleben malen lassen: Ein Korbflechter am Lagerfeuer, die Wagen zum Umherziehen, Frau und Kind mit Tieren.
Alexander Flügler in seinem Garten. An die Wand hat er ein Bild einer typischen Szene aus dem jenischen Familienleben malen lassen: Ein Korbflechter am Lagerfeuer, die Wagen zum Umherziehen, Frau und Kind mit Tieren. | Bild: Hufnagel

Freiheit und Familie

Jenische gelten als sogenanntes fahrendes Volk, gehören aber nicht zur Gemeinschaft der Sinti und Roma. Kesselflicker, Schausteller und Bürstenmacher waren die typischen Berufe. „Weiße Zigeuner“ wurden sie genannt. Viele von ihnen waren bettelarm, so mancher ist es noch heute. Das jenische Lebensgefühl kreist um Freiheit, das Umherziehen in den Sommermonaten, den starken Zusammenhalt von Familienverbünden, das Wort der Clan-Chefs. Doch von der Wissenschaft werden sie – anders als etwa in der Schweiz – nicht eindeutig als eigene ethnische Minderheit angesehen, weshalb sie durch viele Raster fallen. Jenische haben einen deutschen Pass, deutsche Familiennamen, Nur wenige Forscher beschäftigen sich überhaupt mit der jenischen Kultur.

Für die Jenischen selbst freilich steht außer Frage, dass sie ein eigenes Volk sind – mit eigenem Dialekt und eigenen Bräuchen. Und einer eigenen Geschichte, der es nicht an Tragik mangelt. Während der NS-Zeit wurden die Jenischen als „Asoziale“ systematisch verfolgt und enteignet. Immer wieder wurden sie in Verbindung mit Kriminalität gebracht, eine aggressive Politik der Sesshaftmachung bedrängte so manche Gruppe. In der NS-Zeit wurde auch gegen „nach Zigeunerart Umherziehende“ polizeiliche Vorbeugehaft angeordnet. Verhaftungsaktionen von Gestapo und Kripo im Jahr 1938 und der Kripo im Juni 1938 führten zu Deportationen in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen und Neuengamme. Über viele Jahre kam es zudem zu Zwangssterilisationen. In der Schweiz entführte eine Organisation bis in die 70er-Jahre hinein Kinder von Jenischen von der Straße, steckte sie gegen den Willen der Eltern in Heime und Pflegefamilien.
 

In die Schublade gesteckt

Heute ist es das soziale Stigma, das die Jenischen vielfach zu Außenseitern macht. „Man wird nicht akzeptiert als Jenischer“, sagt Alexander Flügler. „Uns hat man immer gleich in die Hilfsschule geschickt, da hat keiner danach gefragt.“ Nicht umsonst gibt es in Singen als einer der wenigen Städte in Baden-Württemberg gleich zwei Förderschulen. Hier, am Hohentwiel, lebt eine der größten Gemeinden der Jenischen in Deutschland: In der Stadt gehören bis zu 800 der Volksgruppe an. Es sind die Straßenzüge in der Südstadt, Orte, bei denen man von „Problembezirken“ spricht, wo viele Jenische wohnen. Dort, wo die Familien enger zusammenleben müssen, wo die Stimmung etwas widerspenstiger ist. Schon der Straßenname in der Adresszeile ist wie ein Stempel – und er ist wasserfest. Ein sympathisches Milieu unangepasster Typen, sagen die einen. Ein fast schon rechtsfreier Raum, sagen die anderen. Egal wie es ausfällt: Die Nachbarn haben ihr Urteil längst gefällt über die Mitbürger, die schon immer hier leben und doch so fremd geblieben sind. Nicht alle sind so wohlwollend wie Klaus Bayer. „Ich bin mit denen aufgewachsen“, sagt der 57-Jährige. „Sie ecken an, weil sie andere Vorstellungen haben. Aber es müssen doch nicht alle gleich sein.“ Leben und leben lassen ist sein Motto. Bayer ist in Singen geboren, er kennt die Jenischen von Kindesbeinen an. Wurde von der Mutter ins Haus geholt, wenn die Jenischen zu sehen waren. Jeder blieb für sich, daran hat sich bis heute wenig geändert. „Die wurden von vornherein eine Schublade gesteckt“, erzählt er. Das Problem: Viele von ihnen bleiben in dieser Schublade, haben sich an ihr Anderssein gewöhnt. Es ist eine unheilvolle Wechselwirkung aus Ausgrenzung und sich selbst Abkapseln. Aber sind Freiheit und Traditionen ein Menschenrecht? Oder gibt es eine Pflicht zur Anpassung, zum Anlegen des gesellschaftlichen Korsetts?

Flügler, 60, markanter Schnäuzer, schwarze Kappe, Hände wie Pranken, ist keiner, der sich in ein Korsett zwängen lässt. Er ist niemand, der seine Worte lange abwägt oder sich in diplomatischen Verrenkungen verliert. Was er denkt, sagt er. Was er macht, macht er aus eigenem Antrieb. Auch für ihn hatte das Leben so manche Härte parat. Im Sommer war als Kind mit seiner Familie auf dem Pritschenwagen unterwegs, im Winter lebte sie in der Barackensiedlung in Singen, eng, ohne Heizung. Zwangsarbeiter waren in den Kriegsjahren hier untergebracht. Von innen dichtete sein Vater – ein Schrotthändler – die Wände mit Pappe ab, damit der kalte Wind nicht durch die Ritzen pfiff. Erst Jahre nach Kriegsende riss die Stadt die Hütten ab und baute Sozialwohnungen. „Das Schlechteste war für uns gerade recht“, sagt Flügler. 14 Jahre war er alt, als er bei einem Gebäudereiniger angestellt wurde. 27 Jahre blieb er bei ihm. Aber er wollte mehr, beweisen, dass er es zu etwas bringen kann. Heute ist Alexander Flügler sein eigener Chef, führt mit seiner Reinigungsfirma ein mittelständisches Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern, seine Tochter wird eines Tages den Betrieb übernehmen. In der Abendschule hat er sich als Erwachsener das Wissen dafür erkämpft. Viel Kraft kostet ihn die Zeit, immer wieder erlebt er Niederlagen. Aber Flügler ist zäh. Natürlich würde ihn das Leben im Wohnwagen, wie es manche Jenischen noch heute pflegen, auch manchmal reizen, aber das seien damals eben andere Zeiten gewesen.

Warum schaffte er, was andere nicht schaffen? „Ich bin ein Mensch, der nicht aufgibt“, sagt der Singener über sich selbst. Seine Stimme verrät, wie sehr ihn das Thema emotional umtreibt. Denn er weiß: Sein Lebenslauf ist alles andere als selbstverständlich, nicht jeder hat so viel Kraft wie er. „Aber ich will, dass die Kinder der Jenischen auch mal in Büros sitzen.“ Natürlich gibt es noch andere, die den beruflichen Aufstieg geschafft haben. „Aber wer Erfolg hat, outet sich meist nicht als Jenischer, weil er Angst hat, alles wieder zu verlieren“, sagt Flügler. Auch seiner Frau wäre es manchmal lieber gewesen, ihr stolzer Ehemann wäre nicht ganz so aktiv, würde weniger auffallen. „Aber ich werde mich nicht verstecken“, sagt er. Und seine drei Kinder sollen genauso stolz sein auf ihr Erbe. Auch für sie hat sich Flügler vorgenommen, den Teufelskreis zu durchbrechen.

Rathaus Singen, 1. Stock. Torsten Kalb sitzt in seinem Büro, in der Hand hält er einen dicken Packen Papier. „Die Geschichte der Jenischen im Hegau“, eine Seminararbeit des örtlichen Gymnasiums. Kalb ist Fachbereichsleiter Jugend, Soziales, Ordnung. Er blättert in den Unterlagen, wägt jedes seiner Worte ab. Lieber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Sich über eine klar abgegrenzte Gruppe zu äußern, ist für ihn eine Gratwanderung. Und dieser Grat zwischen knallharter Problemanalyse und verletzenden Stereotypen ist schmal, das weiß der Amtschef. Zu schnell ist das Vertrauen zerstört. Zu schnell kommt es zu Missverständnissen zwischen Menschen, die ohnehin eine fragile Beziehung zueinander pflegen.

In den großen Industriebetrieben in Singen, wie hier bei Maggi, fanden die Jenischen immer wieder eine Anstellung auf Zeit.
In den großen Industriebetrieben in Singen, wie hier bei Maggi, fanden die Jenischen immer wieder eine Anstellung auf Zeit. | Bild: Alexander Flügler

Und was sagt die Stadt?

Den Vorwurf aus der jenischen Gemeinschaft, dass die Stadt sie vernachlässige, mag Kalb trotzdem nicht gelten lassen. Will Singen die Situation der Jenischen verbessern? „Selbstverständlich“, sagt Kalb. „Jeder Mensch hat eine Chance verdient. Man kann die Leute nicht pauschal beurteilen.“ Aber Veränderungen, das weiß er aus seiner tagtäglichen Arbeit, sind eben häufig nur über Generationen zu bekommen. Die Kinder sind es daher, die man erreichen müsse. Doch genau hier setzt das Problem schon an: Viele jenische Familien erziehen die Kinder lieber selbst zu Hause, als sie in den Kindergarten zu schicken. Familie ist den Jenischen wichtig, Einmischung von außen nicht gern gesehen. Alexander Flügler sagt es so: „Der Jenische ist ein Mensch, der sich nicht gern unterordnet.“

Über Jahrzehnte haben Werte wie diese die Gemeinschaft geprägt. Und so werden neben der eigenen Kultur bisweilen auch eigene Schwächen weitervererbt. „Die eigenen Schulerfahrungen sind häufig negativ besetzt, das gibt man dann an die Kinder weiter“, sagt Torsten Kalb. Der soziale Aufstieg wird damit zu einem Steilhang, den nur wenige bezwingen. „Die Bildungsdefizite sind groß, nur wenige Kinder gehen auf weiterführende Schulen. Gleichzeitig ist der Bezug von Transferleistungen bei den Erwachsenen eher die Regel als die Ausnahme“, erklärt der Sozialamtschef. Die Familien leben von Hartz IV, Kindergeld, Wohngeld. Viele von den Älteren können weder lesen noch schreiben, leben abgekoppelt in der eigenen Gemeinschaft. Armut, Kriminalität, Arbeitslosigkeit – es ist ein ganzes Bündel an Problemen, das sie mit sich herumschleppen.

Das weiß auch Uta Mayer von der Familienbetreuung der AWO in Singen. „Es gibt sehr viele alte Traditionen, die der Integration im Weg stehen“, sagt sie. Die Frauen werden früh Mutter, das Misstrauen in die staatlichen Institutionen sitzt tief, Vorbilder für Beruf und Schulbildung fehlen. „Die Jenischen haben eben über die Jahrzehnte auch nicht immer nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Klaus Lauenroth versucht sie, Kontakt zu den Familien herzustellen und jene zu sehen, die in der Gesellschaft manchmal zu schnell über-sehen werden. Immerhin sind auch Fortschritte sichtbar: Die jenischen Kinder gehen in der Regel in die Schule, anders sieht es noch bei den Kindergärten aus. Die Vorstellung, dass die Kleinkinder außerhalb der Familie gefährdet seien, sitzt wohl zu tief. „Es bewegt sich etwas, aber es geht halt langsam“, sagt Uta Mayer.

Hier die Guten, dort die Schlechten? So einfach funktioniert auch diese Geschichte nicht. Generationen von Bürgermeistern und Sozialarbeitern haben sich schon mit den Problemen der Jenischen in der Stadt beschäftigt, mal mit mehr, mal mit weniger großem Elan. Es ist ein Weg, der mit Trippelschritten begangen wird, auch von Akteuren jenseits der Politik. Die AWO, Schulen, die Kirchen, sie alle versuchen, eine Lösung zu finden, haben runde Tische gegründet und Arbeitsgruppen eingerichtet. Der Verein „Kinderchancen e.V.“ möchte jenischen Familien Hilfe bei der Kindererziehung anbieten. Die örtliche Wessenbergschule sucht gezielt Kontakt zu jenischen Eltern, um Elternmentoring anzubieten. Die Erfolge sind nur schwer zu messen. Die Jenischen in Singen sind zu viele, um unbeachtet zu bleiben, aber zu wenige, um ein politisches Thema jenseits der Stadtgrenzen zu werden.
 

Die Jenischen

Sie werden oftmals als "unsichtbar" beschrieben. Die Volksgruppe der Jenischen lebt im Verborgenen, ihre Geschichte ist in der Bevölkerung außerhalb ihrer Ballungsräume weitgehend unbekannt. Die Jenischen betrachten sich als eigenes Volk und sie haben eine eigene Sprache. Der Begriff "weiße Zigeuner" entstand, weil die Jenischen wegen ihrer Lebensweise irrtümlich mit den Sinti und Roma in Verbindung gebracht wurden. Es gibt mehrere Theorien über die Geschichte und Herkunft der Jenischen. Sie selbst beziehen sich auf die früheren Lebensräume der Kelten.

Von manchen wird vermutet, dass sie ursprünglich aus dem indischen Raum stammen und dann nach Europa ausgewandert sind. Andere glauben, die Jenischen seien ein in den Religionswirren des dreißigjährigen Krieges entstandenes Gemisch aus Deserteuren, verarmten Soldaten und der Unterschicht. Schon im 19. Jahrhundert scheinen viele von ihnen wieder zeitweise sesshaft geworden zu sein, meist lebten sie allerdings in abgesonderten Wohngebieten. Vor allem in der kalten Jahreszeit suchten die Familien feste Unterkünfte. Auch der Staat versuchte immer wieder, das Umherziehen zu unterbinten. Genau erforscht sind alle diese und weitere Spekulationen nicht. Nur sehr wenige Wissenschaftler beschäftigen sich mit den Jenischen.

Der Raum Singen gilt vor allem wegen der Burg auf dem Hohentwiel aus Siedlungsschwerpunkt der Jenischen. Hier fanden die fahrenden Handwerker und Händler in früheren Zeiten ein Auskommen. Nach dem zweiten Weltkrieg fanden die Jenischen immer mal wieder bei den hier ansässigen Industrie-Unternehmen eine Anstellung.

In der Schweiz wurden die Jenischen bis in die 70er Jahre systematisch verfolgt worden. Zwischen 1926 und 1972 wurden mehr als 600 Kinder ihren jenischen Eltern weggenommen und in Pflegefamilien, Waisenhäuser, Heime, Psychiatrische Kliniken und Strafanstalten gebracht. Häufig seien die Kinder mißhandelt und sexuell mißbraucht worden. Die Fahrenden wurden nach Angaben einer Studie der Universität Zürich als Kriminelle, Arbeitsscheue, Verwahrloste und erblich Belastete gebrandmarkt. Die Jugendstiftung Pro Juventute hatte eigens ein Hilfswerk eingerichtet, das sich um die Kinder kümmern sollte. Der Gründer und langjährige Leiter des Hilfswerks habe die Fahrenden "aufgespürt, verfolgt und geplagt", geleitet von einer nazi-nahen Ideologie mit rassistischen, eugenischen und nationalistischen Elementen. Das Hilfswerk wurde von der Schweizer Regierung finanziell, politisch und moralisch unterstützt. Die Schweizer Regierung zahlte Ende der 80er-Jahre elf Millionen Franken Wiedergutmachung an die Jenischen.