Fußballspiele gegen den FC Bayern sind für jeden Fußballer Festtage. Besonders für solche, die im Breisgau spielen. Unvergessen sind die Siege des SC Freiburg gegen den Branchenprimus kurz nach dem Aufstieg, jenes 3:1 von 1993, erst recht der 5:1-Triumph 1994. Oder der 2:1-Erfolg beim letzten Aufeinandertreffen 2015. Selbst ein 1:1 wurde 2013 wie ein Sieg gefeiert. „Ein einmaliges Erlebnis“, sagte Christian Günter damals im SÜDKURIER-Interview. „Es ist immer super, gegen Bayern zu spielen. Wenn man dann auch erfolgreich ist, umso mehr.“ Heute Abend kommt es zu einem erneuten Duell, um 20.30 Uhr (ARD) wird mit der Partie die Winterpause in der Fußball-Bundesliga beendet.

Fast sieben Millionen Menschen sind Mitglied im Deutschen Fußball-Bund, dem größten Sportverband der Welt. 25 075 Vereine gibt es, in den 159 645 Mannschaften sind etwa drei Millionen Kicker aktiv, von denen jeder schon einmal davon träumte, Fußball-Profi zu werden. Gegen oder noch besser für die Bayern zu spielen. Doch nur 1500 von ihnen verdienen mit dem Sport wirklich so viel Geld, dass es zum Leben reicht.

Christian Günter, geboren in Villingen-Schwenningen, ist einer von ihnen. Dominik Bergdorf, geboren in Stühlingen am Hochrhein, hatte das gleiche Ziel, spielt inzwischen aber nur noch in der Oberliga, also bei den Amateuren. Beide gehörten 2012 zu jener Mannschaft des SC Freiburg, die in Berlin den DFB-Juniorenpokal gewann. Danach trennten sich die sportlichen Wege. Warum Günter sich durchsetzte? Weshalb es Bergdorf nicht in die höchste Spielklasse schaffte? Eine Spurensuche.

„In einer aufregenden Schlussphase war es Keeper Dominik Bergdorf, der dem SC mit einem tollen Reflex den Erfolg sicherte.“ Wer im Internet nach dem Freiburger DFB-Pokaltriumph von 2012 sucht, findet Lobeshymnen über den Reflex des damals 19-Jährigen, der in den Schlussminuten den 2:1-Erfolg gegen die Junioren der Berliner Hertha festhielt. „Liest sich noch immer gut“, sagt Bergdorf und muss dann lachen. „Das war schon toll damals, die Erinnerungen sind noch sehr präsent.“ Familie und Freunde aus seiner Heimatgemeinde Lauchringen waren da, Trainer Martin Schweizer wurde mit Sprudel und Eiswasser geduscht.

Es war ein besonderer Jahrgang, den die Breisgauer damals aufboten. „Christian Günter, Sebastian Kerk oder Matthias Ginter – die waren damals schon wahnsinnig gut“, erinnert sich Bergdorf. Ginter und Günter bekamen im Folgejahr Profiverträge, der Torwart aus Lauchringen sollte sich dagegen in der Reservemannschaft beweisen.

Die Konkurrenz um den Platz zwischen den Pfosten ist aber groß. Seine Einsatzzeiten muss sich Bergdorf mit Alexander Schwolow teilen. Der ist inzwischen Stammkeeper bei den Freiburger Profis, soll heute die Torschüsse der Bayern-Stars halten. Vor vier Jahren war er lediglich die dritte Option im Bundesliga-Kader, holte sich daher Spielpraxis bei der Reserve, weshalb Bergdorf oftmals zuschauen musste.

Kein Fußballer sitzt gerne auf der Bank. Auch Bergdorf nicht. Er wechselt, will sich in der 3. Liga bei Jahn Regensburg für höhere Aufgaben empfehlen. Es läuft gut, auch wenn er bei seinem Profidebüt 2014 eine 1:5-Niederlage gegen Borussia Dortmund II kassiert. Bereits nach einigen Spielen hat sich Bergdorf einen Stammplatz erobert. Dass Regensburg Spiel um Spiel verliert, kann er aber nicht verhindern. Der Trainer muss gehen, der neue Coach setzt auf einen anderen Keeper.

Christian Günter wird Nationalspieler

Christian Günter hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Kader der Freiburger etabliert. Im November 2014 gelingt ihm beim 2:0-Sieg gegen den FC Schalke 04 sein erstes und bislang einziges Bundesligator, einige Monate zuvor wurde er sogar durch einen Einsatz im Testspiel gegen Polen zum Nationalspieler. Am Ende der Saison müssen aber Günter und Bergdorf mit ihren Clubs absteigen.

Er hat sich durchgesetzt: Christian Günter im Trikot des SC Freiburg.
Er hat sich durchgesetzt: Christian Günter im Trikot des SC Freiburg. | Bild: Johapress

Günter bleibt beim SC Freiburg, Bergdorf versucht einen Neuanfang in der Regionalliga bei den Sportfreunden Lotte. Ein Jahr später stehen beide Teams als Aufsteiger fest. Doch während Günter 2015 ein gestandener Profi und zurück in der Bundesliga ist, kämpft Bergdorf mit Verletzungen. Nur eine Partie bestreitet er für Lotte, am vorletzten Spieltag. Ernüchterung statt Euphorie. Bergdorf hat genug. „Ich hätte in Lotte weitermachen können, aber Ersatztorwart zu sein in der 3. Liga, das war mir zu wenig.“

Drei, vier Jahre hatte er sich Zeit gegeben, um es in den gutbezahlten Fußball zu schaffen. Jetzt ist der Traum von der großen Karriere dahin. Warum es nicht geklappt hat? „Wäre es an der einen oder anderen Stelle besser gelaufen, hätte ich etwas mehr Glück gehabt, dann wäre mehr drin gewesen“, sinniert Bergdorf. Das bestätigt auch Jochen Saier, zu Bergdorfs Zeiten in Freibeurg Leiter der Fußballschule und inzwischen Sportdirektor: „Dominik war ein guter, fleißiger Typ, der eine tolle Haltung an den Tag gelegt hat. Bei Torhüter spielt der Faktor Timing und Glück auch immer eine Rolle.“ Dennoch, „nach ganz oben hätte es auch dann kaum gereicht“, ist sich Bergdorf sicher.

Dominik Bergdorf wird Amateur

Vergangenen Sommer unterschreibt er einen Einjahresvertrag beim Offenburger FV in der Oberliga, wohnt in einer WG in Freiburg. Fußball ist jetzt nur noch ein Hobby. Bergdorf arbeitet 35 Stunden pro Woche als Fitnesstrainer, studiert Fitness-Ökonomie und Fitness-Kaufmann. Training ist jetzt nur noch abends, nach der Arbeit, sein Trikot liegt auch nicht mehr gewaschen und gebügelt vor seinem Spind in der Kabine, wie es bei den Profis üblich war.

55 Prozent der U18-Nationalspieler schaffen den Sprung in die deutsche Eliteliga nicht. Die meisten davon landen in der 3. Liga. Was ein Bundesliga-Spieler verdient, darüber schweigen sich die Teams meist aus. Der SC Freiburg macht zu Vertragsdetails generell keine Angaben. Millionenbeträge, wie sie andere Bundesligisten zahlen, sind aber sicherlich die Ausnahme. Insider berichten, dass Spieler in der 3. Liga durchschnittlich 120 000 Euro brutto pro Jahr verdienen. In der Regionalliga angeblich 40 000 Euro, in der Oberliga 20 000 Euro. Für einen Studenten viel Geld, für eine Altersvorsorge reicht es im Amateurbereich aber nicht.

So groß die finanziellen Unterschiede auch sind und obwohl Günter Woche für Woche vor zehntausenden Fans spielt, Bergdorf dagegen vor einigen hundert, verstehen sich beide noch immer gut. „Die Jungs, die es geschafft haben, sind alle bodenständig geblieben. Man trifft sich, geht auch mal zusammen weg, erinnert sich an die gemeinsamen Zeiten im Fußball-Internat“, erzählt der Lauchringer.

Ob er damit hadert, es nicht geschafft zu haben? „Nein, ich habe es versucht und tolle Erfahrungen gemacht“, sagt der 23-Jährige. „Ich bereue nichts.“ Und was macht er am Freitag, wenn sein Kumpel Günter mit dem SC Freiburg gegen die Bayern spielt? „Eigentlich wäre Training in Offenburg. Da ich jedoch bis 20 Uhr arbeiten muss, bin ich entschuldigt.“ Zum Anpfiff um 20.30 Uhr wird er es sich daher mit seinem Mitbewohner auf der Couch bequem machen, die ARD überträgt live. Fußballspiele gegen die Bayern sind eben was Besonderes. Für jeden Freiburger. Egal, ob er selbst auf dem Platz steht oder eben nicht.

 

Das Wichtigste zum Bundesliga-Neustart

  • Herbstmeister: Die Münchner könnten heute mit einem Punktgewinn beim SC Freiburg die 22. sogenannten Herbstmeisterschaft perfekt machen. In 18 von 21 Fällen standen die Bayern nach Platz eins zur Halbzeit auch beim Saisonfinale ganz oben. Wegen des späten Saisonstarts wird die Hinrunde erst an diesem Spieltag beendet.
  • Neuzugänge: 17 Spielerfanden in der Winterpause einen neuen Arbeitgeber. Insgesamt investierten die Bundesligisten 56 Millionen Euro in Neuzugänge – mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Das Transferfenster schließt am 1. Februar.
  • Sympathiewerte: Der FC Bayern bleibt laut einer Umfrage der Lieblingsverein der meisten Fußball-Fans in Deutschland. In einer Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmens Nielsen Sports nannten 25,6 Prozent der Befragten im Alter zwischen 14 und 59 Jahren den deutschen Rekordmeister aus München. Auf Platz zwei folgt Borussia Dortmund (19 Prozent). Mit bereits deutlichem Rückstand liegt Borussia Mönchengladbach (5,3) auf Rang drei. Aufsteiger RB Leipzig konnte seinen Wert seit einer Umfrage im August vergangenen Jahres etwa auf 3,9 Prozent verdoppeln. Der SC Freiburg rangiert in der Umfrage auf Rang elf (1,3). (dpa)

 

Das wurde aus den Freiburger DFB-Juniorenpokal-Siegern von 2012

 
  1. Sandro Knab: Der in Weilheim am Hochrhein geborene Sandro Knab hatte immer wieder mit verletzungen zu kämpfen. Der inzwischen 23-Jährige kehrte im Januar 2015 zu seinem Jugendclub, dem SV Laufenburg, zurück und spielt nun in der Landesliga.
  2. Sebastian Kerk: Vor seiner Zeit beim SC Freiburg spielte Kerk beim FV Ravensburg. Er schaffte den Sprung zu den Profis, für den SC Freiburg bestritt er 29 Spiele. 2015 wurde er zum 1. FC Nürnberg ausgeliehen, 2016 zum 1. FC Kaiserslautern. Fiel zuletzt verletzt aus.
  3. Christian Günter: In der Jugend zunächst beim FV Tennenbronn, den SC Freiburg führte der Schwarzwälder 2012 als Kapitän ins Finale. Wurde danach Profi, hat bislang 101 Spiele für den SC Freiburg und ein Länderspiel (0:0 gegen Polen/2014) bestritten.
  4. Dominik Bergdorf: Fand über Lauchringen und Zürich zum SC Freiburg. Hielt stark im Finale gegen Berlin. Versuchte sich ab 2014 in Regensburg und bei den Sportfreunden Lotte durchzusetzen. Spielt jetzt in der Oberliga beim Offenburger FV.
  5. Mike Schulz: Der Berliner verließ Freiburg 2014 und schloss sich Waldhof Mannheim an. Inzwischen zurück in Berlin bei den Bezirksliga-Kickern von Club Italia. Sein Trainer, Weltmeister Thomas Häßler, weilt übrigens derzeit im Dschungelcamp.
  6. Matthias Ginter: Kam bereits als Jugendlicher zu ersten Einsätzen bei den Freiburger Profis. Etablierte sich im Kader, wechselte 2014 dann zu Borussia Dortmund. War beim WM-Triumph 2014 dabei, blieb in Brasilien aber ohne Einsatz. Bislang 10 Länderspiele.
  7. Pierre-Christoph Göppert: 2013 wechselte er Göppert zum Bahlinger SC in die Oberliga Baden-Württemberg. 2015 gelang der Aufstieg in die Regionalliga, ein Jahr später ging es wieder zurück in dei Oberliga. Fehlt derzeit wegen eines Kreuzbandrisses.
  8. Caleb Stanko: Der aus den USA stammende Mittelfeldspieler steht noch immer bei den Freiburgern unter Vertrag, ist derzeit aber an den FC Vaduz (Liechtenstein) ausgeliehen, mit dem er in der höchsten Schweizer Spielklasse, der Super League, spielt.
  9. Mohamed Gouaida: Der tunesisch-französische Mittelfeld-Spieler wechselte 2014 zum Hamburger SV. Bestritt 11 Bundesliga-Spiele. 2015 wurde er an den Karlsruher SC ausgeliehen, 2016 an den in der Super League spielenden FC St. Gallen.
  10. Daniele Gabriele: Erzielte im Junioren-DFB-Pokalendspiel 2012 beide Freiburger Tore zum 2:1-Sieg gegen Berlin. Wechselte 2015 zu den Amateuren des VfB Stuttgart in die 3. Liga, die vergangene Saison in die Regionalliga Südwest abstiegen.
  11. Nico Gutjahr: Auch Gutjahr versuchte sich zunächst bei Freiburgs Reserve, 2014 wechselte er dann zu den Würzburger Kickersin die Regionalliga Bayern. Seit 2016 steht er bei Sonnenhof Großaspach in der 3. Liga unter Vertrag.
Außerdem wurden im Endspiel gegen Berlin 2012 die damaligen Freiburger Spieler Fabian Menig (aktuell VfR Aalen/3. Liga), Nils Ehret (aktuell FC Ismaning/Bayernliga Süd) und Oguzhan Tasli (aktuell 1. CfR Pforzheim/Oberliga Baden-Württemberg) eingewechselt.