Herr Birkenfeld, als sogenannter Whistleblower haben Sie Mitte der 2000er Jahre Schweizer Bank-Daten an US-Steuerbehörden verraten und damit ein Erdbeben ausgelöst. Wie fühlt es sich an, dazu beigetragen zu haben, das Schweizer Bankgeheimnis begraben zu haben?

Ich habe nicht nur dazu beigetragen, ich war der Hauptauslöser dafür, dass das Schweizer Bankgeheimnis heute tot ist. Dass die Banken heute nicht mehr dieselben Geschäfte machen können wie vor 15 Jahren, ist mein Verdienst.

Nehmen Sie da den Mund nicht etwas zu voll? Immerhin gab es noch andere Whistleblower im Finanzsektor außer Ihnen. Hervé Falciani hat beispielsweise Schweizer Steuerdaten an Frankreich geliefert…

Ich übertreibe nicht. Alle diese Dinge sind passiert, weil ich sie im Jahr 2005 angestoßen habe. Im Bankenbereich war ich der Erste, der Kundendaten den Steuerbehörden zur Verfügung gestellt hat. Außerdem hat Falciani Daten gestohlen, um Geld zu verdienen. Ich nicht. Dass ich durch mein Tun reich geworden bin, war Zufall. Und Antoine Deltour, der Enthüller des Lux-Leaks-Steuerskandals, kam viel später. Auch die Panama-Papers kamen viel später.