In Büchern und mit Taten, in Frauenunionen oder mit Geständnissen in Nachrichtenmagazinen: Seit vielen hundert Jahren kämpfen Frauen für Gleichberechtigung, für Wahlrechte, für das Recht auf Abtreibung oder die Anerkennung, dass Geschlecht keine angeborene Tatsache ist. Der Feminismus selbst hat dabei so manche Wende genommen.

Von drei großen Wellen ist heute die Rede - und ein Ende ist nicht in Sicht. Das zeigt sich am Engagement und an der Leidenschaft für das Thema, die junge Frauen wie Laurie Penny, Lena Dunham oder Margarete Stokowski für das Thema an den Tag legen.

Wir stellen Ihnen hier wichtige Feministinnen der vergangenen Jahrhunderte und der Gegenwart vor: 

Olympe de Gouges (1748 – 1793)
Geboren wurde sie unter dem Namen Marie Gouze. Olympe de Gouges gilt heute als frühe Frauenrechtlerin im Umfeld der Französischen Revolution. Ihre Mutter war Wäscherin, ihr Vater ein bekannter Landadliger. Obwohl sie ohne große formale Bildung aufwuchs, schrieb sie Theaterstücke, die soziale Probleme wie etwa die Sklaverei kritisierten. Ganz selbstverständlich wagte sie es, Menschenrechte auch für Frauen einzufordern. 1791 erschien ihre „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“. Bekannt ist ihr Satz: „Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen.
Gleichermaßen muss ihr das Recht zugestanden werden, eine Rednertribüne zu besteigen.“  1793 wurde sie unter der Terrorherrschaft Robespierres verhaftet, zum Tode durch die Guillotine verurteilt und hingerichtet.
Bekanntestes Werk:  „Die Rechte der Frau – 1791“, Wallstein Verlag, 24 Euro oder antiquarisch.  
 
Hedwig Dohm (1831-1919)
Die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Hedwig Dohm gilt als eine der Vordenkerinnen des Feminismus. Gleiche Bildung für Mädchen wie Jungs – das war eine ihrer Forderungen. Das bezog sie nicht nur auf die Schule: Für Dohm war klar, dass auch Frauen arbeiten sollten: um selbstständig zu sein, um gleichberechtigt zu sein, auch in der Ehe. 1874 veröffentlichte sie ihr Werk „Die wissenschaftliche Emancipation der Frau“, 1902 erschien „Die Antifeministen. Ein Buch der Verteidigung.“
 
Iris von Roten  (1917 – 1990)
Eine zu Unrecht vergessene Schweizer Feministin ganz aus unserer Nähe! Iris von Roten stammt aus Basel.
Die Journalistin und promovierte Juristin lieferte in ihrem Buch „Frauen im Laufgitter“ (1958) eine kluge und zugleich zornige Analyse der Ungerechtigkeiten, denen Frauen heute noch immer ausgesetzt sind.  Sie kritisierte die Benachteiligung der Frauen durch die alleinige Verantwortung für die Kindererziehung, die herablassende Behandlung durch die Männer und forderte Berufsausbildungen für Frauen, die ihnen wirtschaftliche Unabhängigkeit bringen würden. Eine Kostprobe: „Bei dem usurpierten Recht der Männer auf die saftigsten Früchte im Berufsleben ist natürlich nicht gut Kirschen mit ihnen essen.“ Ihre scharfe Analyse kam zu früh; sie wurde von Männern und Frauen gleichermaßen attackiert.
Verheiratet mit dem Walliser Nationalrat Peter von Roten, eine Tochter: Hortensia. In späteren Jahren legte sie den Feminismus zu den Akten und begann zu reisen. Wegen wachsender gesundheitlicher Probleme nahm sie sich 1990 in Basel das Leben.
Bekanntestes und immer noch sehr lesenswertes Werk: „Frauen im Laufgitter“, eFeF-Verlag, 27,50 Euro oder antiquarisch.

Simone de Beauvoir (1908-1986)
Zwei Frauen stehen vor einer Fotografie der Schriftstellerin Simone de Beauvoir in Berlin.
Zwei Frauen stehen vor einer Fotografie der Schriftstellerin Simone de Beauvoir in Berlin. | Bild: Stephanie Pilick (dpa)

Simone de Beauvoirs Werk “Das andere Geschlecht” gilt als Meilenstein in der Geschichte der Frauenbewegung. Mit ihren Thesen zu Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung der Frau konnte die Lebensgefährtin von Jean-Paul Sartre Männern das Fürchten lehren. „Man ist  nicht als Frau geboren, man wird es“, ist sicher der berühmteste Satz de Beauvoirs. Radikal stellt sie damit klar: Geschlecht ist keine Frage der Biologie – es wird sozial konstruiert. Damit stellte sich de Beauvoir auch gegen das klassische Bild der Frau als Mutter und Hausfrau und machte sich für eine Gleichberechtigung stark. Mit Jean-Paul Sartre führte sie über mehr als vier Jahrzehnte eine offene Beziehung – Unabhängigkeit war ihr wichtig. De Beauvoir engagierte sich außerdem aktiv in der Frauenbewegung und stritt für das Recht auf Abtreibung.
 
Betty Friedan (1921-2006)
Die us-amerikanische Frauenrechtlerin und Autorin Betty Friedan.
Die us-amerikanische Frauenrechtlerin und Autorin Betty Friedan. | Bild: Scanpix Janne Möller-Hansen code (B3131_Scanfoto)

Betty Friedan war eine amerikanische Feministin und Autorin. Ihr berühmtestes Werk wurde Mitte des 20. Jahrhunderts zum Bestseller: „The Feminine Mystique“ (zu Deutsch: „Der Weiblichkeitswahn“) heißt das Buch, in dem sie gegen das traditionelle Rollenverständnis der Frau in der Familie anschrieb. In den 1960er Jahren trieb diese Schrift die zweite Feminismus-Welle mit voran, die damals an vielen Orten in der Welt entstand. Friedan war außerdem eine der Gründerinnen der National Organization for Women in den USA.
 
Alice Schwarzer (*1942)
Alice Schwarzer
Alice Schwarzer | Bild: Henning Kaiser (dpa)

Wer kennt sie nicht? Wenn es einen Namen gibt, den die Deutschen mit dem Begriff Feminismus untrennbar verbinden, dann ist es der Name Alice Schwarzer. 1977 gründete sie das Magazin Emma. Zuvor schon hatte sie sich schon mit dem Buch „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ einen Namen gemacht. Darin beschreibt sie die Verbindung von Sexualität und Macht. Schwarzer war eine Weggefährtin von Simone de Beauvoir, führte ab den 70er-Jahren Interviews mit der französischen Intellektuellen. Sie brachte den Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen nach Deutschland – und mehrere Hundert Frauen in den Stern, wo diese 1971 öffentlich bekannten: „Wir haben abgetrieben“. Alice Schwarzer ist streitbar, geriet zuletzt unter anderem wegen ihrer Äußerungen zu den Vorkommnissen in der Kölner Silvesternacht in die Kritik. Bei Feministinnen der dritten Welle gibt es inzwischen auch deshalb durchaus kritische Stimmen gegen die Ikone des Feminismus.
 
Judith Butler (*1956)
Judith Butler
Judith Butler | Bild: Oliver Mehlis (ZB)

Die US-Philosophin Judith Butler sorgt mit ihren Arbeiten zur feministischen Theorie seit den 1980er Jahren für Furore. Ihr bekanntestes Werk ist „Das Unbehagen der Geschlechter“. Das wohl wichtigste Anliegen des Buches ist zu zeigen, dass auch das biologische Geschlecht konstruiert ist. Butler vertritt die Auffassung, dass es nicht naturgegeben ist – auch wenn es so scheinen mag. Butlers Texte sind nicht ganz einfach zu lesen, oft nimmt sie Bezug auf den französischen Philosophen Michel Foucault, es geht um das Diskursive, um Macht und Herrschaft. Und zugleich nimmt die Sprache selbst eine zentrale Rolle in ihrem Werk ein: Denn Sprache bringt laut Butler Dinge erst hervor – auch das Geschlecht.
 
Laurie Penny (*1986)
Die Britin Laurie Penny ist mit ihren 30 Jahren eine der jüngsten Feministinnen in dieser Übersicht. Und doch ist ihr Name inzwischen über die Grenzen Großbritanniens bekannt. Das hat sie ihrem Buch „Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus“ zu verdanken. Der Name des Buches lässt schon einen wichtigen Rückschluss zu: Für Laurie Penny gehören linke Politik und Feminismus zusammen. Die Bloggerin schreibt auch als Journalistin für den Guardian, oder die Times über diese Themen. Wichtig ist ihr, den alltäglichen Sexismus – in der Werbung etwa - zu enttarnen und aufzuzeigen, welchen Kontrollmechanismen der weibliche Körper heute unterliegt. Sie wird wahrgenommen als Stimme eines jungen, frischen Feminismus,
 
Margarete Stokowski (*1986)
Sex und Macht: Darum geht es in Margarete Stokowskis Buch „Untenrum frei“. Ihre These: „Wir können untenrum nicht frei sein, wenn wir obenrum nicht frei sind“. Auch der 30-Jährigen geht es darum, die Strukturen von sexueller Unterdrückung herauszuarbeiten. Und das tut sie auf wirklich wunderbare Art und Weise: Charmant verwebt sie gesellschaftliche Entwicklungen mit persönlichen Erfahrungen, beobachtet scharf und enttarnt das, was schief läuft in ihrer eigenen Sprache, mal frech, mal ernst, aber immer verständlich. Schon vor ihrer Buch-Veröffentlichung schrieb Stokowski unter anderem die Kolumne "Oben und unten" für Spiegel Online. 

Lena Dunham (*1986)
Lena Dunham
Lena Dunham | Bild: Peter Foley (EPA)

Spätestens mit ihrer Fernsehserie "Girls" hat sich die Amerikanerin Lena Dunham auch in Deutschland einen Namen gemacht. Im Zentrum der Serie stehen - wie könnte es bei dem Namen anders sein - junge Frauen, die versuchen ihren Weg zu gehen - zwischen Versagensängsten, komplizierten Beziehungen und Freundschaften. Anders als bei der Serie "Sex and the City" (in der es ja auch um Frauen, Beziehungen und eben Sex geht) präsentiert Dunham in Girls keine durchgestylten und erfolgreichen Frauen. Die Frauenfiguren, die sie zeichnet, befinden sich im Übergang zum Erwachsensein und in der Schwebe, leben teilweise prekär. Und sie entsprechen gerade nicht dem gesellschaftlich so festgefahrenen Körperbild der großen, schlanken Schönheit. Dunhams Girls zeigen sich von allen Seiten des Lebens - bekleidet, nackt, in der Badewanne, auf der Toilette, beim Sex. Körperbilder - das ist auch, womit Dunham (die in der Serie selbst eine Hauptrolle spielt) sich privat immer wieder auseinandersetzt. Dafür steht sie - auch auf Zeitschriftencovern, die ohne Dellen-Korrekturen via Photoshop auskommen. Dunham ist Schriftstellerin, Schauspielerin, schreibt Dehbücher, produziert oder führt Regie. Seit 2015 bietet sie gemeinsam mit Jennifer Konner den feministischen Newsletter "Lenny Letter" an. 

Jennifer Lawrence (*1990)
Jennifer Lawrence
Jennifer Lawrence | Bild: Peter Foley (EPA)/dpa picture-alliance

Vielen jungen Frauen ist die  US-Schauspielerin Jennifer Lawrence als Katniss aus der Filmreihe „Die Tribute von Panem“ bekannt. Held dieser Science-Fiction-Filme ist kein Mann, sondern Katniss Everdeen, die Bogen schießt, kämpft und sich in einer aggressiven Welt behauptet.  Für Furore sorgte Jennifer Lawrence, die für die USA mit ihrem völlig normal proportionierten Frauenkörper schon fast als plump gelten darf, mit einem wütenden Essay, in der sie die Gehaltsunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Schauspielern in Hollywood anprangerte. „Als Sony gehackt wurde und ich herausfand, wie viel weniger ich verdiene als die gesegneten Kollegen mit Penissen, war ich nicht auf Sony, sondern auf mich wütend. Ich habe versagt, richtig zu verhandeln“, schrieb sie darin. Ihr Mut hat sich ausgezahlt: 2015 betrug ihr Jahresgehalt umgerechnet 47 Millionen Euro. 
Filme: Neben „Die Tribute von Panem“, diverse Folgen, auch „Joy – alles außer gewöhnlich“ über die alleinerziehende Mutter Joy Mangano, die zu einer der erfolgreichsten Unternehmerinnen der USA wurde. Aktuell: Passengers, Science-Fiction, mit Chris Pratt.